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Wenn Hunde alt werden: Wie Frauchen und Herrchen tierischen Senioren im Alltag helfen können

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Auch Hunde werden alt – und aus einem einst quirligen Welpen wird ein Tier, das oft mehr Ruhe braucht. Was können Halter selbst tun, um die Lebensqualität ihres Hundes zu erhalten?

Fulda - Mehr Ruhe, möglichst wenig Treppen und kürzere Spaziergänge: Nicht nur Menschen, auch Hunde haben im Alter besondere Bedürfnisse. Ab wann ein Hund als alt gilt, ist von Rasse zu Rasse verschieden. Größere Hunde haben im Durchschnitt eine niedrigere Lebenserwartung als kleine Rassen und altern damit früher.

„Aber von dieser Regel gibt es Ausnahmen“, sagt Hester Pommerening, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn. „Sehr kleinwüchsige Hunde werden oft nicht älter als zwölf Jahre.“ Manche Rassen neigen auch zu Erkrankungen, die ihre Lebenserwartung beeinflussen, zum Beispiel Boxer.

Fulda: So helfen Frauchen und Herrchen ihren Hundesenioren im Alltag

„Je nach Rasse, Größe und Lebenserwartung sind Hunde ab einem Alter von etwa sechs bis neun Jahren im Seniorenalter.“ Und Hunde altern schleichend: Sie werden allmählich ruhiger und schlafen mehr. Oftmals lässt auch ihr Gehör nach.

„Die Augen werden milchiger und die Sehkraft lässt nach“, sagt die Expertin. Ein alter Hund bekommt dadurch womöglich nicht mehr so genau mit, was in seiner Umgebung geschieht. Halter sollten dann darauf achten, dass sich ihr Tier nicht erschreckt, wenn man es anfasst. (Lesen Sie auch: Fulda: Hunde sind am Klinikum dreimal wöchentlich in der Psychiatrie im Einsatz)

Auch das Fell wird im Alter lichter und Haare ergrauen, besonders rund um die Schnauze. „Die Bewegungsabläufe wirken nicht mehr so flüssig“, sagt Pommerening. Das zeigt sich etwa daran, dass große und schwere Hunde Schwierigkeiten haben, nach dem Schlafen aufzustehen. Häufig fällt es den Tieren auch schwer, Treppen zu steigen.

Weil die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erkrankungen mit dem Alter ansteigt, sollten Halter mit ihrem Tier regelmäßig zur Vorsorge. „Bei älteren Tieren sollte man zweimal im Jahr oder auch häufiger zum Check-up zum Tierarzt gehen, bei bekannten Risikofaktoren oder Erkrankungen auch häufiger“, sagt Svenja Joswig.

Früh behandeln: Damit kein Schmerzgedächtnis entsteht

Zu den Erkrankungen, die im Alter bei Hunden häufig auftreten, gehören laut Joswig, die sich auf Altersmedizin bei Haustieren spezialisiert hat und in Hankensbüttel als Tierärztin arbeitet, etwa Tumore, Zahnerkrankungen, Nierenkrankheiten, Herzerkrankungen, Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Schilddrüse, aber auch Diabetes oder Grauer Star.

Manche Verhaltensweisen, die Halter dem Alter zuschreiben, können auf Krankheiten wie Demenz hindeuten. Auffällig ist es etwa, wenn ein Hund plötzlich nicht mehr stubenrein ist oder sich nicht mehr gut orientieren kann. „Es kommt nicht selten vor, dass Erkrankungen erst spät diagnostiziert werden, weil Verhaltensänderungen allein auf das Alter geschoben wurden“, sagt Joswig.

Alter Gefährte: In Menschenjahren gerechnet, hat mancher Hund schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.
Alter Gefährte: In Menschenjahren gerechnet, hat mancher Hund schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. © Robert Günther/dpa

Deshalb sollten Halter Auffälligkeiten unbedingt abklären lassen. Manche Tiere leiden darüber hinaus im Alter unter Schmerzen. „Vor allem chronische Schmerzen bleiben leider häufig unentdeckt und lassen ein Tier leiden“, sagt die Tierärztin. Dabei ist es wichtig, Schmerzen früh zu behandeln. Andernfalls könne ein Schmerzgedächtnis entstehen.

„In einem solchen Fall kann das Tier selbst dann noch unter Schmerzen leiden, wenn die Ursache längst behoben ist.“ Schmerzen können sich durch Auffälligkeiten zeigen: Manche Hunde werden zum Beispiel plötzlich aggressiv, hinken, fressen schlechter, verlieren Gewicht oder jaulen plötzlich auf.

Womöglich möchte ein Hund nicht mehr aufs Sofa oder in das Auto springen, läuft Treppen nur noch zögernd oder beleckt häufig eine bestimmte Stelle am Körper. Auch struppiges Fell kann laut Joswig ein Hinweis auf Schmerzen sein. „Zum Glück gibt es mittlerweile diverse Möglichkeiten, um Schmerzen gut und effektiv zu behandeln“, sagt die Expertin.

Hilfe für Hundesenioren: Erhöhter Fressplatz, Söckchen oder Nachtlicht

„Wie bei älteren Menschen ist für Tiere mit Gelenkerkrankungen eine ebenerdige Wohnung ohne Treppen oft eine große Erleichterung“, sagt die Tierärztin. Es gäbe aber auch Unterstützungsgeschirre zum Treppensteigen oder Rampen, um ins Auto einzusteigen oder Treppenstufen zu überwinden.

Auch für Lieblingsplätze wie Sofa oder Bett kann eine Rampe viel Lebensqualität bedeuten. Ein erhöhter Fressplatz kann zudem bei Rückenproblemen eine große Erleichterung sein. Joswig empfiehlt außerdem, bei rutschigem Boden Matten oder Teppiche auszulegen. „Wenn man das nicht will, gibt es mittlerweile notfalls auch Söckchen mit Gummisohle, die den gleichen Effekt haben.“

Das Tier sollte zudem einen warmen, weichen und ruhigen Schlafplatz haben, an den es sich bei Bedarf zurückziehen kann. Ein kleines Nachtlicht macht alten Hunden die Orientierung in der Dunkelheit leichter. „Sollte das Tier aufgrund einer Demenz Durchschlafstörungen und nächtliche Unruhe entwickeln, kann es beruhigend sein, nachts ein Radio laufen zu lassen, um eine vertraute Geräuschkulisse zu schaffen“, sagt Joswig. (dpa)

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