Die Kaufpreise für Häuser sind in Fulda um bis zu 230 Prozent gestiegen. (Symbolbild)
+
Die Kaufpreise für Häuser sind in Fulda um bis zu 230 Prozent gestiegen. (Symbolbild)

Immobilienblase droht

Wohnen in Fulda: Kosten für Häuser explodieren - Käufer zahlen bis zu 230 Prozent mehr als vor zehn Jahren

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
    schließen

Die Immobilienpreise in Fulda ziehen weiter rasant an – und die Mieten folgen der Entwicklung. Das macht die Wohnungssuche in der Stadtregion und dem Umkreis zur Herausforderung.

Fulda - Ist die Region Fulda zum Aktionsgebiet von Immobilieninvestoren geworden? „Ja, es gibt Anzeichen, dass die Region hier zu einer Blase wird“, sagt Wolfgang Keil, Fachbereichsleiter Immobilienwertermittlung und Geoinformation beim Amt für Bodenmanagement in Fulda (HVBG). Ablesen lasse sich dies zum einen anhand von Kaufdaten, die zeigten, dass viele Grundstückskäufe mittlerweile von außerhalb getätigt würden.

Gerade der Kauf von „typischen 70er-Jahre-Häuschen“ und der Umbau zu Drei- bis Vier-Familien-Häusern grenze mitunter an „wirtschaftlichen Irrsinn“. Mit der Vermietung lasse sich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums nur schwer eine Rendite erzielen. „Das sind unter Umständen Anlageobjekte, mit denen jemand Betongold schaffen will“, vermutet Keil.

Immobilienpreise in Fulda steigen weiter: Bauplätze in Wohngebieten um 41 Prozent teurer

Zum anderen sprechen die Immobilienpreise eine deutliche Sprache: Um mehr als 230 Prozent – von rund 1100 auf nunmehr 2600 Euro pro Quadratmeter – sind die Verkaufspreise zwischen 2010 und 2020 im Kreis Fulda gestiegen, am massivsten seit 2015. Damals lagen die Quadratmeterpreise noch bei etwa 1400 Euro. „Das sind Mittelwerte bei Neubauten, Wiederverkauf und Umwandlung im Landkreis. In der Stadt Fulda und im Speckgürtel liegen die Preise teils noch höher“, erklärt Keil. Gerade in Dipperz und Eichenzell, aber auch in Hünfeld und Neuhof seien sie in jüngster Zeit enorm gestiegen. (Lesen Sie hier: Interessentenliste in Fulda füllt sich wieder: Städtische Baugrundstücke sind derzeit Mangelware)

Ähnlich gestaltet sich die Kurve bei Bauplätzen in Wohngebieten: Hier schlägt seit 2017 ein Plus von 41 Prozent zu Buche – von 78 auf 110 Euro je Quadratmeter. Im gleichen Zeitraum ging nach zwischenzeitlichen Anstiegen die Anzahl der jährlichen Verkäufe allerdings von 164 auf 124 zurück. Keil macht durchaus einen „Verdrängungswettbewerb“ aus. In diesem Zusammenhang sticht vor allem ein Fakt hervor: Seit 2013 steigen die Grundstücksverkäufe im Vogelsbergkreis kontinuierlich an – zuletzt im Jahr 2020, im Vergleich zum Vorjahr gar um gut ein Fünftel.

Tatsächlich suchen die Kommunen im Vogelsberg – etwa die Stadt Alsfeld – nach neuen Baugebieten und Grundstücken zur Nachverdichtung in den Ortskernen. Auch an Bestandsgebäuden bestehe in der benachbarten Vulkanregion jüngst gesteigertes Interesse. Dass die Corona-Pandemie dabei eine Rolle spielt, will Keil nicht ausschließen. „Jetzt arbeiten viele im Homeoffice und sind nicht mehr unbedingt auf direkte Verkehrsanbindungen angewiesen, sodass der Immobilienerwerb auf dem Land durchaus in Betracht kommt“, erläutert er.

Video: Steigende Mieten - Wohnen in Deutschland bis zu 12 Prozent teurer

Die Mietpreise in der Region Fulda ziehen schon nach – auch wenn uns die absoluten Spitzenwerte noch nicht vorliegen“, stellt Keil fest. Lagen die Preise für Neuvermietungen 2017 im Schnitt im Landkreis bei 4,48 Euro je Quadratmeter, waren es 2019 laut HVBG schon 6,02 Euro. In Fulda und den angrenzenden Gemeinden lägen die Preise längst bei über 10 Euro – für Studentenwohnungen sowieso. Und auch der Mieterbund, der erst ins Spiel kommt, wenn schon Mietverträge geschlossen sind, stellt vermehrt Anfragen seiner Mieter fest, die über Mieterhöhungen klagen. In der Bestandsmiete stiegen die Preise im Kreisdurchschnitt von 2017 bis 2019 von 3,82 Euro auf 5,22 Euro.

Drohende Immobilienblase: Wolfgang Keil sieht kaum Mittel zur Entspannung

Das hat Folgen für die Region, die dem simplen Prinzip des Marktes folgen: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Nicht nur für junge Familien wird die Suche nach erschwinglichem Wohnraum schwieriger. Auch ältere Paare, deren Kinder vielleicht gerade aus dem Haus sind und die sich deshalb vom Eigenheim auf eine Eigentumswohnung verkleinern möchten, sehen sich hohen Kosten gegenüber. Angesichts knapper werdender räumlicher Ressourcen sei es schwierig, Instrumente zu finden, die kurzfristig greifen, um einer Immobilienblase vorzugreifen und die Situation entspannen – auch wenn die Kommunen Bauland schon unter Auflagen vergeben, sagt Keil.

Das könnte Sie auch interessieren