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Inflation und hohe Energiepreise: Nachfrage bei Fuldaer Tiertafel steigt

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Eine Katze steht vor einem Futter- und Wassernapf
Ehrenamtlich betriebe Futter-Ausgabestellen bieten Unterstützung, wenn sich Tierhalter die Versorgung ihrer Vierbeiner nicht mehr leisten können. (Symbolbild) © Ina Fassbender/dpa-tmn/Symbolbild

Tierhaltung wird immer teurer. Unterstützung bieten ehrenamtlich betriebene Futter-Ausgabestellen. Geholfen wird den Kunden meist auch bei Arztkosten, die zuletzt drastisch erhöht wurden.

Frankfurt am Main/Fulda - Tyson hat einen Tumor an der Nebenniere und braucht Spezialfutter, auch Spliffi ist darauf angewiesen - und dank der Frankfurter Tiertafel können die beiden Hunde dennoch bei ihren Frauchen bleiben. Die Versorgung eines Tieres ist teuer und wenn es krank wird, steigen die Kosten noch mehr. Bei der Tafel erhalten Tierhalter Futter, das sie sich sonst nicht leisten könnten. Tiertafeln gibt es auch in anderen Städten in Hessen. Deren Leitungen berichten von immer mehr Anfragen, die sie derzeit erreichen.

Fulda: Inflation und hohe Energiepreise - Nachfrage bei Tiertafel steigt

Neukunden müssen den Tafeln zunächst nachweisen, dass sie nur ein geringes Einkommen zur Verfügung haben. So wie Nadine, die mit ihren beiden Hunden Hugo und Balu erstmals zur Tiertafel im Frankfurter Westen gekommen ist. Ihre Teilzeitstelle werfe zu wenig ab, sie brauche Unterstützung, sagt die 32-Jährige. Bei einem der Vierbeiner seien Harnsteine festgestellt worden, er brauche nun spezielles Futter.

Ziel der spendenbasierten Tafel sei, dass Tiere, die schon lange bei ihren Haltern leben, nicht aus finanziellen Gründen weggegeben werden müssen, sagt Inge Böhm vom Vorstand. Im Gegenteil, auch diese Tiere sollen eine gute und artgerechte Ernährung erhalten. Neu angeschaffte Tiere werden nicht unterstützt.

Mehr als 700 Tiere, die rund 450 Menschen gehören, stehen in der Kundenkartei. Die Mehrheit sind Katzen, auch einige Vögel und Ratten sind dabei. Geholfen wird Kunden auch bei Kosten für Medikamente und den Tierarzt - hier sind die Sätze nach einer Reform erst kürzlich deutlich gestiegen. (Lesen Sie hier: Kosten für Tierarzt-Besuch deutlich gestiegen: Verbände befürchten schlimme Folgen)

Mit Blick auf die Inflation und die hohen Energiepreise geht die Frankfurter Tafel davon aus, dass die Nachfrage steigen wird. „Für viele Menschen ist das auch eine Überwindung, etwas in Anspruch zu nehmen, wenn sie das vorher noch nie gemusst haben“, sagt Böhm. „Es ist eine enorme Hilfe“, sagt eine 59-jährige Frankfurterin, die mit Dhalija, einem 14 Jahre alten Tierschutzhund aus Rumänien, Tafelkundin ist. Ihre Erwerbsminderungsrente reiche nicht, um den kranken Hund zu versorgen.

Einmal pro Monat ist in Frankfurt Futterausgabe. Einen eigenen Ausgabetermin gibt es für Flüchtlinge aus der Ukraine. Auch mit Zubehör wie Decken und Katzenklos hilft die Tafel aus. Etwa 150 Ukrainerinnen und Ukrainer bekämen Hilfe, sagt Böhm.

Video: Tiertafel kümmert sich um Haustiere von Bedürftigen

Eine bereits gestiegene Nachfrage verzeichnet die Tiertafel in Fulda. Auch aus anderen Bundesländern kämen Anfragen, sagt Melanie Löffert von der Tafel, die rund 80 Tiere versorgt. Vor allem wegen der gestiegenen Tierarztkosten suchten die Menschen Hilfe. „Wir rechnen mit noch mehr Nachfrage“, sagt Löffert. Unterstützung erhielten nur registrierte Kunden. Wichtig sei nun, dass die Spendenbereitschaft nicht sinke. Ältere Tiere stehen auch in Osthessen im Fokus. Die Tafel bietet Ausgabetermine in Fulda und Gersfeld, auch hier gibt es Unterstützung für Tierhalter, die aus der Ukraine fliehen mussten.

Karsten Plücker von der Tiertafel des Tierheims „Wau-Mau-Insel“ in Kassel berichtet von langen Schlangen, die sich an Ausgabetagen bildeten. Es gebe extrem viele Neuanmeldungen, seit zwei Monaten sei die Nachfrage deutlich gestiegen. Rund 160 Menschen kämen regelmäßig, etwa 230 Tiere gehörten zu ihnen, vor allem Katzen. Auch ukrainische Flüchtlinge seien willkommen. In Kassel wird den Kunden ebenfalls bei Tierarztkosten geholfen - soweit es leistbar ist, wie Plücker sagt: „Wir versuchen zu helfen, wo es geht.“

Eine höhere Nachfrage registriert auch die Futterausgabe der Interessengemeinschaft Tierschutz in Mittelhessen - bei gleichzeitig sinkenden Spenden. Betreut werden rund 560 Hunde und 590 Katzen, dazu Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel. Die Tiere gehören rund 680 Menschen, die alle 14 Tage in Gießen Futter und Zubehör erhalten können, aber keine Unterstützung bei medizinischen Problemen. „Wir rechnen damit, dass die Nachfrage weiter steigt“, sagt Pirko Wedhorn vom Vorstand des Vereins. (dpa)

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