Der Sommer 2021 war der regenreichste Sommer seit zehn Jahren in Deutschland (Symbolfoto).
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Der Sommer 2021 war der regenreichste Sommer seit zehn Jahren in Deutschland (Symbolfoto).

Viel Regen

Eisdiele, Freibad, Ernte: Große Umfrage - So war der Sommer in Osthessen

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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  • Leon Weiser
    Leon Weiser
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Die Sommermonate sind vorbei, es wird kühler und dunkler. Heute ist Herbstanfang. Freibadbetreiber und Eisdielenbesitzer, aber auch Landwirte und das Forstamt in Fulda blicken auf den Sommer zurück.

Fulda - Wie war der Sommer 2021? Wir haben uns bei Betreibern von Freibädern und Eisdielen umgehört und Landwirte und Forstleute befragt.

Schwimmbäder: Der Hosenfelder Bürgermeister Peter Malolepszy (CDU) berichtet, es habe in diesem Sommer sowohl positive als auch negative Aspekte Sommer gegeben. „Wir sind froh, dass wir unser Schwimmbad – nach der Schließung im vergangenen Jahr – in diesem Jahr wieder öffnen konnten“, sagt der Rathauschef.

Die Corona-Pandemie habe zur Einführung einer Besucherobergrenze von 250 Personen geführt. Hinzu sei gekommen, dass der Sommer sehr verregnet gewesen sei, sodass die Saison und allen voran die Besucherzahlen nicht vergleichbar seien mit denen in den Vorjahren. Im Rosenbad in Fulda fällt die Bilanz ähnlich aus, im Hünfelder Freibad waren nicht einmal halb so viele Besucher sonst.

Karin Voss, Schwimmmeisterin des Schwimmbads Gersfeld, blickt positiv auf die Saison zurück. Trotz der Corona-Situation und des teilweise schlechten Wetters sei das Bad gut frequentiert gewesen. „Viele sind aus Fulda gekommen“, berichtet die Schwimmmeisterin. Und außerdem: „Denen, die da waren, war das Wetter egal.“ Die Kinder seien zu den Schwimmkursen sogar teilweise mit dem Neopren-Anzug gekommen. Zudem hätte man eine Vielzahl an Feriengästen begrüßt. Und das, obwohl der Start im Mai gefehlt hat.

Fulda: Kälte-Sommer setzt vielen zu - nur wenige Branchen profitieren

Eisdiele: Mit dem Sommer ist Gennaro Arresta, Besitzer des Eiscafés Bonifatius, in der Friedrich- und Lindenstraße, zufrieden. „Vom Wetter her war es ein gutes Jahr. Wir können uns nicht beschweren“, sagt er. Einen Vergleich zu den vergangenen Jahren hält er wegen der Pandemie für schwierig. Ein Aspekt, der ihm in die Karten gespielt hat, waren die Beschränkungen wegen des Coronavirus. „Die Menschen, die sich nicht für das Schwimmbad anmelden wollten, haben ein Eis gegessen. Und ein Eis ist das Letzte, bei dem man spart“, erklärt er.

„Ohne Corona und den vielen Regen in der Ferienzeit wäre es definitiv besser gelaufen“, sagt hingegen Michél Günther, Inhaber der Eisheiligen in Gersfeld-Hettenhausen. Sein Lokal führt er zwar erst seit vier Jahren, jedoch hätte er sich in diesem Jahr an vielen Veranstaltungen, etwa an dem Hessentag beteiligt. „In der Summe sind wir eher ein Verlierer, weil uns in diesem Jahr viele Events weggefallen sind.“

Landwirtschaft: Im Vergleich zu den drei Vorjahren habe man im Frühjahr eine „gute Witterung“ gehabt, sagt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld. „Daher waren die Hoffnungen groß, dass die Erträge – insbesondere beim Getreide – durchschnittlich werden.“ (Lesen Sie auch: Wetter im Sommer 2021: 30 Prozent mehr Regen - 1,3 Grad wärmer)

Gemischte Sommer-Bilanz bei Landwirten: Viel Ertrag, wenig Qualität

Im Vergleich zu den Vorjahren nimmt der Geschäftsführer die Ernte in diesem Jahr als überdurchschnittlich wahr. Die Grünland-Erträge seien von der Masse her gut gewesen, die Qualität hingegen sei mangelhaft. Dadurch seien zumindest die Futterbetriebe gut ausgestattet. Besorgniserregend hingegen seien die Schweinepreise. „Diese sind wirklich unterirdisch“, sagt Schramm.

Landwirt Christian Hartmann aus Hofbieber-Wiesen berichtet, dass in diesem Jahr das Erntefenster sehr eng gewesen sei. Das heißt, man habe kurze Schönwetterperioden nutzen müssen, um Getreide und Gras zu ernten. „Das war eher schwierig.“ Ein Viertel des Getreides habe er ob des vielen Regens zudem „nachtrocknen“ müssen. Für Mensch und Tier sei es ein gutes Erntejahr gewesen, die Qualität der Erträge hingegen habe gelitten.

Äpfel: Zwar ist die diesjährige Apfelkeltersaison erst vor ein paar Tagen gestartet. Dennoch kann man sehen, dass viele Streuobstbäume gut mit Äpfeln behangen sind. Das erklärt Katrin Malkmus von der Kelterei Malkmus in Kalbach-Uttrichshausen. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einer überdurchschnittlichen Apfelernte.“ Ausschlaggebend dafür sei die späte Blüte Mitte Mai. 

Video: Wetterdienst meldet regenreichsten Sommer seit zehn Jahren

Wälder: „Leider ist der Wald nach wie vor ein Verlierer, auch wenn die Niederschläge in diesem Frühjahr und Sommer etwas anderes erwarten lassen“, berichtet Friederike Prömse-Schneider vom Forstamt Fulda.

Die drei Dürrejahre 2018 bis 2020 hätten dem Wald derart zugesetzt, dass auch das regenreiche Jahr 2021 dies nicht habe kompensieren können. „Zwar hat sich der Buchdrucker, ein Borkenkäfer, der die Fichte befällt, nicht so gut entwickeln können wie in den Vorjahren, was zu einem Rückgang des Befalls geführt hat. Dafür leiden jetzt vermehrt Laubholzbestände, und hier besonders die Buche“, fügt sie hinzu.

Der Klimawandel sei längst im Wald angekommen, sagt Prömse-Schneider zudem. Neben der allgemeinen Erwärmung komme es zu einer Zunahme von Extremereignissen, wie Stürmen, Starkregenereignissen und Trockenphasen. Aktuelle Beobachtungen deuteten darauf hin, dass die Oberböden stark durchnässt sind, wohingegen im Unterboden noch immer Trockenheit herrsche.

Die Bodenwasserspeicher seien noch lange nicht aufgefüllt, dies äußere sich zunehmend in Vitalitätseinbußen, insbesondere in älteren, tief wurzelnden Beständen. „Es steht eine immense Aufgabe vor uns, unsere Wälder klimafit zu gestalten.“

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