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Nachfolger von Walter Lübcke geht in Pension - Abschied von Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber

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Von: Volker Nies

Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU) wird verabschiedet. Er hatte das Amt vom ermordeten Walter Lübcke übernommen. Auf Klüber folgt Mark Weinmeister.
Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU) wird verabschiedet. Er hatte das Amt vom ermordeten Walter Lübcke übernommen. Auf Klüber folgt Mark Weinmeister. © Volker Nies

Einen großen Festakt gibt es nicht, wenn Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (66, CDU) am heutigen Montag verabschiedet wird. Auch der Amtsantritt war schon relativ still gewesen – denn der Fuldaer übernahm das Amt des ermordeten Walter Lübcke. Auf Klüber folgt Mark Weinmeister.

Kassel/Fulda - Wahrscheinlich gab es in der deutschen Politik kein Amt, in dem der Neue so zwingend im Schatten seines Vorgängers stehen musste, wie das des Regierungspräsidenten in Kassel. Zu Lebzeiten besaß Walter Lübcke eine derart offene, herzliche und gewinnende Art, dass ihm die Sympathien zuflogen.

Dann aber wurde Lübcke zu dem ersten Politiker der Bundesrepublik, der von einem rechten Terroristen ermordet wurde. Das machte das Bild von Lübcke noch größer – und den Schatten für seinen Nachfolger noch länger. Der Jurist Hermann-Josef Klüber aus Fulda, verheiratet, Vater von zwei Kindern, war schon fünf Jahre Lübckes Stellvertreter gewesen, ehe er unter traurigen Umständen dessen Nachfolge antreten musste.

Fulda: Kasseler Regierungspräsident Klüber geht in Pension - Weinmeister folgt

Klüber hatte nach dem Jurastudium in Würzburg und einem kurzen Einsatz in Bayern ab 1989 bei der Staatsanwaltschaft Fulda gearbeitet. 1995 wechselte er nach Thüringen, wo er als Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt und Führungskraft im Innen- und Justizministerium eingesetzt war.

2010 wurde er im hessischen Innenministerium Polizeivizepräsident. Ins Regierungspräsidium Kassel kam Klüber Mitte Dezember 2014, zunächst zwei Jahre als kommissarischer Regierungs-Vizepräsident, dann ab Januar 2017 als ernannter Regierungs-Vizepräsident.

Die Ermordung von Walter Lübcke am 1. Juni 2019 änderte alles. Im Regierungspräsidium war an einen regulären Betrieb zunächst kaum noch zu denken. Klüber hielt den Laden zusammen. Im September 2019 ernannte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Klüber zum Regierungspräsidenten. 

Kritik an Klüber aus Großenlüder: Erst Veto-Recht bei Otterbein-Vorhaben, dann doch nicht

Hermann-Josef Klüber war nicht der Mann , der in einem Saal bei einer öffentlichen Veranstaltung sofort im Mittelpunkt stand – so wie es bei Walter Lübcke der Fall gewesen war. Klüber war der Mann für die geduldige Kleinarbeit, der unterschiedliche Interessen an einen Tisch brachte.

In seinem Amt bemühte sich Klüber, dass das Regierungspräsidium als Behörde in Nord- und Osthessen wahrgenommen wird, das das protestantische Nordhessen um das Zentrum Kassel und das katholische Zentrum Osthessen um Fulda zu einer Einheit verbindet.

Als Beispiele für die regionsübergreifende Zusammenarbeit sah Klüber den Ausbau digitaler Kapazitäten und den Wasserstoffantrieb. Klüber initiierte auch die Frauenberger Gespräche, bei denen sich Verbandsvertreter aus Nord- und Osthessen trafen. Eine große Öffentlichkeit hatten sie nicht. 

Einige Kritik erntete Klüber in der Frage der vom Unternehmen ZKW Otterbein angestrebten Erweiterung des ortsnahen Kalkabbaus bei Müs. In einem von seiner Behörde ausdrücklich freigegebenen Wortlaut-Interview mit unserer Zeitung räumte Klüber der Gemeinde Großenlüder ein Veto-Recht über das Projekt ein.

Video: Lübcke-Mord - mutmaßlicher Waffenverkäufer bestreitet Vorwurf

In zwei Etappen rückte Klüber von dieser Zusage wieder ab – weil es aus seiner Sicht rechtlich nicht haltbar war. Vom ehemaligen Großenlüderer Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) wurde er dafür heftig gescholten. Das beschäftigte die Öffentlichkeit. Doch die Kärnerarbeit der Behördenleitung lief im Hintergrund weiter. Die Behörde lief rund. Klüber war ein ruhiger und souveräner Regierungspräsident.

Viel Verwaltungserfahrung bringt auch der neue Regierungspräsident mit. Am Montag wird der bisherige hessische Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister (54) neuer Regierungspräsident, Nachfolger von Klüber. Von seiner Art, auf Menschen zuzugehen, erinnert er ein wenig an Walter Lübcke. Weinmeister ist jovial und bürgernah.

Der Christdemokrat aus Guxhagen, Lehrer für Deutsch und Geschichte und Kreisvorsitzender der CDU Schwalm-Eder, gilt als umtriebiger Mann, der gern und oft unterwegs bei den Menschen ist. Der Nordhesse war von 1999 bis 2008 CDU-Landtagsabgeordneter. Dann wurde er Staatssekretär – erst im Umwelt-, dann im Europaministerium. 

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