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Katerstimmung im Karneval - Kartenverkauf in den Hochburgen läuft schlecht

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Von: Joachim Herbert

Die „Roten Funken“ in Köln feiern in der Session 2022/23 ihr 200-jähriges Jubiläum.
Die „Roten Funken“ in Köln feiern in der Session 2022/23 ihr 200-jähriges Jubiläum. © Oliver Berg/dpa

Angesichts von Energiekrise und Inflation sind viele Verbraucher derzeit sparsam. Das macht sich auch im Karneval bemerkbar. Die Ticketverkäufe für Veranstaltungen sind teilweise drastisch eingebrochen.

Köln/Fulda - Schon lange bevor in den Karnevalshochburgen die jecke Zeit beginnt, startet normalerweise der Run auf die Karten für die großen Sitzungen und Partys. Doch dieses Mal ist es anders – und das, obwohl die närrischen Fans nach zwei Jahren Corona-Pause jetzt mal wieder richtig aufdrehen könnten.

Der Kartenvorverkauf für die am 11.11. startende Session läuft schleppend. Wegen der Wirtschaftskrise warten viele Jecken erst einmal ab. Die Vereine sind in Sorge. „Wir haben bislang etwa 25 bis 30 Prozent weniger Karten verkauft als vor der Pandemie“, sagt etwa der Präsident der altehrwürdigen Kölner „Nippeser Bürgerwehr“, Michael Gerhold.

Fulda: Katerstimmung im Karneval - Kartenverkauf in Hochburgen läuft schlecht

„Die Menschen wissen nicht, welche Kosten wegen der Inflation und Energiekrise tatsächlich auf sie zukommen.“ Auch die Angst vor Corona sei häufig noch ein Bremsklotz. „Deshalb entscheiden sich viele Leute deutlich kurzfristiger, ob sie sich Karten kaufen. Das sind wir so gar nicht gewohnt.“ (lesen Sie auch hier: Große Anteilnahme bei Beisetzung von Günther Elm).

Die „Roten Funken“ in Köln, die in der neuen Session ihr 200-jähriges Jubiläum feiern, planen bis Aschermittwoch rund 90 Veranstaltungen. Von den traditionellen Sitzungen seien einige nahezu ausverkauft, bei anderen sei es schwieriger, sagt Sprecher Günter Ebert. Der Vorverkauf für Partys laufe bisher recht zäh.

Insgesamt rechne er am Ende mit 10 bis 15 Prozent weniger verkauften Karten. Das sei gerade noch kostendeckend. Große Gesellschaften wie die „Roten Funken“ könnten im Fall der Fälle auch mal rote Zahlen verkraften, sagt Ebert. Doch für kleinere Vereine ohne Rücklagen könne die Lage existenzbedrohend werden, meint er.

Eine Umfrage des Festkomitees Kölner Karneval unter seinen 140 Mitgliedsgesellschaften ergab: Etwa 80 Prozent der teilnehmenden Vereine verzeichnen teils drastische Einbrüche bei den Vorverkaufszahlen. Starke Rückgänge gebe es besonders bei Veranstaltungen, für die normalerweise Firmenkunden größere Kartenkontingente abnehmen.

„Das bricht zum Teil komplett weg“, sagt Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. Gerade große Firmen seien oft vorsichtig wegen Corona oder drückten wegen Gewinnrückgängen auf die Sparbremse. Einzelne Veranstaltungen seien schon abgesagt worden, sagt Kuckelkorn. Allerdings sei dies oft gar nicht so einfach möglich.

„Die Säle und Künstler sind seit zwei Jahren verbindlich gebucht.“ Zurzeit werden schon die Verträge für 2024 gemacht. Wegen der aktuell schwierigen Situation habe man sich ausnahmsweise auf ein Rücktrittsrecht für die Vereine bis kommenden März geeinigt. Auch in der Region Fulda haben die Foaset-Freunde mit den gestiegenen Kosten zu kämpfen.

„Der Kartenverkauf zündet erst, wenn unser Prinz bekannt ist. Gefühlt rechne ich aber mit niedrigeren Zahlen im Vorverkauf“, sagt Oliver Weißenberger, der Präsident der Fuldaer Karnevals-Gesellschaft. „Obwohl unsere Kosten deutlich gestiegen sind – mindestens um 30 Prozent – haben wir bewusst auf eine Preiserhöhung verzichtet.“

Der Rückgang der Kartenverkäufe in Köln ist auch mit den höheren Hotelpreisen zu erklären, die viele Gäste von außerhalb von einem Besuch abhalten.

Steffen Schaake, Präsident Hünfelder Karnevalsgesellschaft

Die FKG werde auf Rücklagen zurückgreifen. „Wichtig ist, dass beim Ball der Stadt Fulda genug Gäste kommen und der Saal voll ist, damit Stimmung aufkommt und alle eine gute Zeit haben“, erklärt Oliver Weißenberger. „Wenn statt 1000 Gästen nur noch 600 kommen würden, wäre das natürlich schlecht.“

Kabarettist Bernd Stelter, seit über 30 Jahren einer der Top-Redner im Kölner Karneval, sorgt sich unterdessen vor allem um die gesellschaftlichen Folgen. „Wenn Karnevalsvereine wegbrechen, wäre das für das Ehrenamt eine Katastrophe. Die Vereine bieten soziale Kontakte und leisten Großes.“

Video: Karnevalsstart am 11.11. - Kölner befürchten Chaos

Wenn Veranstaltungen abgesagt würden, sei das besonders auch für die vielen Kinder- und Jugend-Tanzgruppen dramatisch: „Die konnten wegen Corona zwei Jahre lang nicht auftreten. Wenn das jetzt wieder nicht klappt, machen die Jugendlichen nicht mehr mit“, befürchtet der 61-jährige Stelter.

Für ihn persönlich seien Absagen zwar traurig, würden ihn aber nicht in den Ruin treiben. Das Festkomitee und die Vereine wollen nun verstärkt die Werbetrommel rühren, um den Kartenverkauf anzukurbeln (lesen Sie auch hier: Für Vereine wird es eng - Gemeinden reduzieren die Kapazitäten der Bürgerhäuser).

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