Irene Heigel (links) und Barbara Vogler beim Thesenanschlag an der Pfarrkirche St. Georg in Poppenhausen.
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Irene Heigel (links) und Barbara Vogler beim Thesenanschlag an der Pfarrkirche St. Georg in Poppenhausen.

Aktion von Maria 2.0

Für Reform der katholischen Kirche: Frauen schlagen bundesweit Thesen an Kirchentüren - auch in der Region

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Die katholische Frauenbewegung Maria 2.0 hat am Sonntag, 21. Februar, deutschlandweit ihre Thesen an Kirchentüren angebracht. Ziel der Aktion ist es, die in dieser Woche anstehende Vollversammlung der Bischöfe erneut auf die Reformvorschläge der Gruppe aufmerksam zu machen.

Poppenhausen - In der Region Fulda waren für Maria 2.0 am Wochenende Irene Heigel (67) und Barbara Vogler (69)aus Poppenhausen unterwegs. Gemeinsam brachten die Frauen sieben Thesen der Reformbewegung an die Türen von vier Kirchen – darunter St. Georg in Poppenhausen und St. Laurentius in Sieblos – an. Die Aktion steht in Anlehnung an den Initiator der Reformation, Martin Luther, der seine Thesen an die Schlosskirche Wittenberg genagelt haben soll.

Fulda: Frauen schlagen Thesen an Kirchentüren - Für eine Reform der Kirche

„Luthers Thesen haben damals etwas Großes in Bewegung gesetzt. Wir hoffen, dass die Menschen, die zur Kirche kommen, unsere Thesen lesen und sich mit ihnen auseinandersetzen“, erklärt Vogler im Gespräch mit unserer Zeitung. Die sieben Thesen prangern vorrangig das Gefälle zwischen Mann und Frau aber auch den Machtmissbrauch in der katholischen Kirche an. Neben dem Zugang zu allen Kirchenämtern für Frauen wird in den Thesen die Abschaffung des Zölibats zur Ausübung eines Weihamtes gefordert. Die Aufklärung von Missbrauchsfällen und sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche sind Maria 2.0 ebenfalls ein großes Anliegen. (Lesen Sie hier: Kundgebung vor Fuldaer Dom - Frauen fordern mehr Gleichberechtigung)

„Es wird höchste Zeit, dass sich in der katholischen Kirche etwas bewegt. Die Menschen sind enttäuscht, viele wenden sich ab, oder die Kirche wird ihnen langsam egal. Und das kann es doch nicht sein“, sagt Heigel. Wie ihre Mitstreiterin Barbara Vogler ist Heigel Mitglied in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland in Poppenhausen (kfd). Beide Frauen sind seit mehr als 15 Jahren in ihrer Kirchengemeinde tätig, waren Katechetinnen und engagierten sich in der Vorbereitung der Kommunionkinder.

Maria 2.0

Maria 2.0 ist eine von Frauen in der katholischen Kirche ausgehende Initiative, die in ganz Deutschland verbreitet ist. Die Initiative fordert vorrangig den Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Das „2.0“ im Namen der Initiative soll für eine Neudefinition der Rolle der Frau in der Kirche, weg vom Idealbild der schweigenden und dienenden Frau, stehen.

„Durch unsere Tätigkeiten haben wir uns über die Jahre in unserem Glauben weiterentwickelt. Gleichsam haben wir aber gemerkt, dass wir vieles, was die katholische Kirche als Standard festlegt, nicht mehr an unsere Kinder weitergeben konnten“, sagt Vogler. Häufig habe das Engagement der Frauen, beide Mütter von je drei Kindern, zu Diskussionen am heimischen Esstisch geführt. „Unsere Kinder haben uns gefragt, wie wir bestimmte Standpunkte der Kirche gutheißen können oder warum wir uns überhaupt noch engagieren“, berichtet Vogler. „Irgendwann haben wir festgestellt, dass unsere Kinder mit ihren Fragen und auch ihrer Kritik in einigen Punkten recht hatten.“

Maria 2.0 startet bundesweite Aktion vor der Vollversammlung der Bischöfe

Deshalb starteten Vogler und Heigel vor zwei Jahren mit der „Initiative Neuanfang“ in Poppenhausen. In einem offenen Brief an Bischof Dr. Michael Gerber warben die Frauen schon damals für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. Ihr Engagement wurde mit einer Einladung zu einem persönlichen Gespräch bei Bischof Gerber belohnt. „Das war damals bereits ein Erfolg für uns, und wir haben bisher auch viel positive Rückmeldung zu unserer Arbeit erhalten“, so Vogler. Für die Zukunft hoffen beide, dass noch mehr Frauen ihre Stimme finden, sich für eine stärkere Rolle in der katholischen Kirche auszusprechen. „Wegen unseres Engagements ist bislang kein böses Wort in unsere Richtung gefallen. Auch wenn es am Anfang nicht einfach war, haben wir festgestellt: Mut zu zeigen tut nicht weh.“

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