Die Stadt hat derzeit die besten Aussichten auf einen Erwerb der Immobilie. Hier eine Ansicht von der Lindenstraße aus.
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Die Stadt hat derzeit die besten Aussichten auf einen Erwerb der Immobilie. Hier eine Ansicht von der Lindenstraße aus.

Stadt Fulda ist der Favorit

Kerber-Verkauf: Fünf Interessenten in der engeren Auswahl - Jetzt reden die Eigentümer

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Seit Oktober 2020 sind die Schotten im Kerber-Gebäude dicht. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Im Exklusiv-Gespräch mit unserer Zeitung sprechen die Eigentümer davon, am liebsten an die Stadt verkaufen zu wollen.

Fulda - Öffentlichkeitswirksam hatten die Koalitionsfraktionen und später der Oberbürgermeister verkündet, dass die Stadt Fulda an einem Kauf interessiert ist. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) bestätigte unserer Zeitung zudem, dass Verhandlungen mit der Eigentümerin längst aufgenommen worden seien. Davon berichtet auch Jörg Lehrndorfer, der gemeinsam mit Heike Kerber Geschäftsführer von Kerber-Immobilien ist. Dabei habe ein Verkauf des Gebäudes, das sich seit den 50er Jahren im Besitz der Familie befindet, zunächst gar nicht zur Debatte gestanden.

„Wir wollten an dem Standort etwas Eigenes kreieren“, verdeutlicht Lehrndorfer. Ein Architekt sei beauftragt worden, der bereits im Herbst 2020 erste Planungen vorgelegt habe. „Doch dann hat sich ein Unternehmen gemeldet und gefragt, ob wir uns einen Verkauf vorstellen könnten. Damals wurden wir zum ersten Mal mit dem Verkaufsgedanken konfrontiert.“

Fulda: Fünf Interessenten wollen Kerber-Immobilie - Aber es gibt einen Favorit

Aus „familieninternen Gesichtspunkten“ und nachdem sich auch die Stadt Fulda nach einem Erwerb erkundigt hatte, rückte dieser doch in den Bereich des Möglichen – und auch Wahrscheinlichen. In den vergangenen Monaten habe es sehr viele weitere Interessenten mit unterschiedlichen Planungsansätzen gegeben, berichtet Lehrndorfer. Nach einem Ausschlussverfahren sind mittlerweile noch fünf Interessenten übrig, inklusive der Stadt Fulda.

Über deren Anfrage sei man überrascht gewesen: „Normalerweise kauft eine Stadt keine Immobilien.“ Die Gespräche seien „angenehm, harmonisch und positiv“ verlaufen, der Oberbürgermeister habe sich „extrem bemüht“, sagt der Geschäftsführer. Auf der Basis eines von der Stadt erstellten Gutachtens mit Schätzwert habe man „im Gespräch bleiben können“.

Welche Verkaufssumme im Raum steht, möchte Kerber-Immobilien vorerst nicht verraten. Doch Lehrndorfer sagt: „Wir haben sicher noch finanziell bessere Angebote als das der Stadt auf dem Tisch. Ein Verkauf an die Stadt Fulda ergibt aber für alle Beteiligten den größten Sinn.“ Die Stadt könne das Areal in Eigenregie entwickeln, habe die Fäden in der Hand und trage auch die Verantwortung für die Zukunft.

Kerber-Verkauf in Fulda ist für Eigentümer eine emotionale Angelegenheit

Lehrndorfer macht keinen Hehl daraus, dass ein Verkauf eine emotionale Angelegenheit ist: „Die Familie Kerber fühlt sich stark mit der Immobilie und Fulda verbunden. Frau Kerber fühlt sich auch ihrem Vater und Großvater verpflichtet, für eine optimale Nutzung Sorge zu tragen.“

Er spricht von langen Überlegungen und schlaflosen Nächten, erklärt aber: „Wir glauben, dass die Stadt eine andere Interessenslage hat als ein Investor A, B oder C. Wir sind überzeugt, dass die Stadt für eine gute Zukunft Sorge trägt.“ Bei einem Investor, der die Immobilie wieder verkaufen kann, könne das nicht garantiert werden. Er betont: „Wenn wir uns mit der Stadt einig werden, dann ist das das Beste für die Entwicklung nach der Ära Kerber, für die Stadt und ihre Bürger.“ Eine kleine Einschränkung macht Lehrndorfer dennoch: „All das ist der Stand hier und jetzt. Was morgen und übermorgen ist, kann ich nicht sagen.“

Kerber-Immobilie: „Der Einzelhandel wird dort niemals wieder so groß, wie er mal war“

Klar bleibt: „Wir sind von unserer ehemaligen Linie, selbst zu entwickeln, abgerückt.“ Zum möglichen Nutzungskonzept will Lehrndorfer keine Wünsche äußern. Er sagt aber: „Mit einem Mix wird es sicher am Interessantesten.“ Handel in den unteren Etagen könne er sich vorstellen, außerdem Büros, Wohnungen und Arztpraxen. „Der Einzelhandel wird dort niemals wieder so groß, wie er mal war“, ist er überzeugt.

Die Koalition, die die Stadt am Montag aufgefordert hatte, die Kerber-Immobilie zu kaufen, kann sich dort einen Nutzungs-Mix aus bezahlbarem Wohnraum, Einzelhandel, Dienstleistungen und Kultur vorstellen. Während sich die FDP moderne Arbeitsflächen wünscht, um auch Pendler aus dem Umland anzuziehen, setzt die CWE auf eine Markthalle.

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Zum zeitlichen Ablauf will Lehrndorfer keine Schätzung abgeben. Noch seien die Verhandlungen nicht abgeschlossen, weitere vier Konzepte lägen ebenfalls noch auf dem Tisch. Ein Verkauf müsste zudem noch die städtischen Gremien passieren. Wenn es dazu kommt, bliebe die Familie Kerber der Region aber dennoch erhalten und verbunden, sagt er: Neben Lagerhallen in Künzell gehören ihr noch die Marktstraße 8 – dort, wo die Ära Kerber 1936 ihren Anfang genommen hatte.

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