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Biosphärenreservat Rhön: Die Kernzone wächst, das Angebot auch

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Von: Hartmut Zimmermann

Dieses Waldstück ist Teil des „Landkrankenhauswalds“. Es wird bald zur Kernzone gehören.
Dieses Waldstück ist Teil des „Landkrankenhauswalds“. Es wird bald zur Kernzone gehören. © Rainer Maus

Stetigkeit, Neues und Wachstum: Das Team in der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön (BRR) schaut mit Zuversicht in das Jahr 2022 – und würde sich über mehr Mitarbeitende freuen. 

Hilders - Leiter Torsten Raab und Jonas Thielen, Sachgebietsleiter für den Naturschutz, stellen bei dem Gespräch in der Hilderser Zentrale im Kreis Fulda einen bereits gut gefüllten Veranstaltungsplan vor. Man wolle Bewährtes fortführen und für Einheimische wie Besucher präsent sein, betont Raab.

So wird es mit speziellen Aktionstagen auch in diesem und in den kommenden Jahren ein Gerüst von Angeboten geben. Den Anfang machen Ende April die Biosphärenwochen, mit denen – gerade nach den Corona-Monaten wichtig – die Freiluft-Saison eröffnet wird. Dazu werden die Ranger und zertifizierte Natur- und Landschaftsführer Gäste begleiten. (Lesen Sie hier: Fünf neue Ranger im Biosphärenreservat Rhön - EU finanziert das Team)

Fulda: Kernzone vom Biosphärenreservat Rhön wächst - Angebot auch

Um die Aufteilung des BRR in die Bereiche Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone verstehbar zu machen, würden diese drei Gebietstypen an eigenen Thementagen vorgestellt. „Wir werden diese Termine jeweils mit aktuellen Themen gestalten und so jeweils zeigen, was im Biosphärenreservat los ist und was es leistet“, so Raab (siehe „Angebote“).

Beim Pflegezonentag 2022 etwa wird die Lupine im Mittelpunkt stehen: „Das ist ein Tag, an dem man richtig mitmachen kann, denn es geht uns darum, die Lupinenbestände möglichst zurückzudrängen, weil die schöne, aber eingeschleppte Pflanze sich extrem negativ auf den Naturhaushalt der Hohen Rhön auswirkt“, berichtet Naturschutz-Experte Thielen. Die „Sternenparkwochen“ und die „Rhönschaf-Genießerwochen“ sind ebenso Bestandteil des Aktivitäten-Kalenders wie die Eröffnung der neuen Extratour „Der Ehrenberger“.

Grundsätzlich werde man dabei bleiben, die Führungen für begrenzte Teilnehmerkreise und mit Anmeldung anzubieten. Das habe sich in der Corona-Zeit bewährt und sei letztlich für das Ranger-Team ebenso sinnvoll wie für die Gäste, denn niemand habe etwas davon, in einer 70-köpfigen Besuchergruppe unterwegs zu sein und nur die Hälfte der Erläuterungen mitzubekommen, so Raab.

Angebot

Biosphärenwochen: 30. April bis 22. Mai

Kernzonentag: Freitag, 3. Juni

Sternenparkwochen: 12. - 28. August

Pflegezonentag: Lupinen-Aktion Freitag, 1. Juli

Entwicklungszonentag: Rad- und E-Bike-Touren 11. September

Rhönschaf-Genießerwochen: 24. September bis 16. Oktober

Mit Vorfreude berichten Raab und Thielen über Zuwachs: Der Anteil der Kernzonenflächen des BRR wird in diesem Jahr wachsen. Nach den Regeln der Unesco muss jedes Biosphärenreservat weltweit mindestens drei Prozent seiner Fläche als Kernzone ausweisen, in denen sich die Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln kann „Der Anteil dieser Flächen wird bei uns von derzeit rund 2000 auf knapp 3000 Hektar wachsen“, freut sich Raab.

Damit liege man künftig deutlich über den Anforderungen. Den Zuwachs wird es im nördlichen Bereich des geben: Flächen im „Landkrankenhauswald“ beim Hünfelder Stadtteil Molzbach werden zur Kernzone erklärt. Außerdem werden Waldgebiete von Hessen Forst beim Berg Landecker zwischen Schenklengsfeld und Friedewald vom Status einer freiwillig ausgewiesenen Kernfläche zur Kernzone mit höherem Schutzstatus umgewandelt.

Biosphärenreservat Rhön erreicht mit Online-Veranstaltungen mehr Menschen

Sehr zufrieden sind Raab und Thielen mit den Online-Aktivitäten des BRR: „Wir erreichen mit den Veranstaltungen mehr Menschen als früher bei den Präsenz-Angeboten. Neulich waren 120 Leute beim Thema Wachtelkönig und Mauersegler zugeschaltet – auch aus Regionen weit vom Biosphärenreservat entfernt“, berichtet Thielen.

Allerdings fehle bei diesen Formaten der unmittelbare Kontakt, der die Vorträge irgendwo in einem Saal besonders wertvoll gemacht habe. Bewusst habe man allerdings darauf verzichtet, Online-Angebote für Kinder zu machen: „Wir wollten die Kinder, die schulbedingt schon so oft vor den Rechnern saßen, nicht ,für die Natur‘ vor den PC setzen, um online zu zeigen, wie man einen Nistkasten baut.“

Biosphärenreservat Rhön bei Jubiläum „200 Jahre Landkreis Fulda“ vertreten

Auch wenn der Ort der Handlung außerhalb des Biosphärenreservats liegt, wird das BRR beim Jubiläum „200 Jahre Landkreis Fulda“ intensiv vertreten sein. „Das ist für uns wie ein kleiner Hessentag“, ordnet Raab das Fest ein – und eine große Chance, von vielen Menschen wahrgenommen zu werden. Leute erreichen, das kann das BRR-Team am Standort in Hilders nur bedingt, denn im Gegensatz zur früheren Präsenz auf der Wasserkuppe gibt es dort keine „Laufkundschaft“.

Raabs Hoffnung: „Vielleicht findet sich ja eine Möglichkeit, zumindest zu bestimmten Zeiten auf der Wasserkuppe mit dem BRR-Team präsent zu sein. Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sind – nicht nur mit Blick auf den Kenntnisstand in Sachen Natur, sondern auch auf die Geografie.“ Daher könne man die Wasserkuppe mit rund einer Million Besuchern jährlich nicht außen vor lassen.

Eine „Herausforderung“ nennt Raab die rund fünf Monate dauernde Landesgartenschau 2023 in Fulda: Die Präsenz dort sei wichtig, aber man müsse überlegen, wie diese Langzeit-Aufgabe personell mit Haupt- und Ehrenamtlichen zu stemmen sei. Mehr Mitarbeitende wünschen sich Raab und Thielen auch für den Alltag in der Rhön. Die personelle Ausstattung, wie sie im Zuge der EU-Förderung für das aktuell laufende Bergwiesen-Projekt möglich gemacht werde, zeige, was sinnvoll sei.

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