Fulda: Michael Gerber, Bischof im Bistum Fulda, steht im Garten seiner Residenz.
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Der Bischof im Bistum Fulda, Michael Gerber, hat in seinem „Hirtenbrief“ zur Fastenzeit den Zustand der Kirche als „armselig“ bezeichnet.

Versammlung wegen Corona online

Vor großer Konferenz: Bischof Michael Gerber aus Fulda sieht „Kirche in einem armseligen Zustand“

Heute findet - wegen Corona online - die Vollversammlung der Bischöfe statt. Bischof Michael Gerber aus Fulda bezeichnet derweil den aktuellen Zustand der Kirche als „armselig“.

Fulda/Bonn/Dresden - Lange hatten die Bischöfe an ihrem Plan festgehalten, sich von heute bis Donnerstag in Dresden zu treffen. Das 100-jährige Bestehen des Bistums Dresden-Meißen hatte die Ortswahl für die Frühjahrsvollversammlung leicht gemacht. Aber wie so oft in den vergangenen Monaten warf Corona alles über den Haufen. Pandemiebedingt findet die Zusammenkunft nun rein virtuell statt – zum ersten Mal in der Geschichte der Bischofskonferenz.

Allerdings dürften die meisten Oberhirten aus den 27 deutschen Bistümern inzwischen mit den Spielregeln des digitalen Dialogs vertraut sein. Das zeigte sich zuletzt auf einer Online-Konferenz des Synodalen Wegs.

Bischöfe tagen in Konferenz - Bischof Michael Gerber aus Fulda: „Kirche in einem armseligen Zustand“

Die gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gestartete Initiative zur Zukunft der Kirche in Deutschland ist auch beim Frühjahrstreffen der Bischöfe als Thema gesetzt. Dabei werden sie klären müssen, mit welchen Erwartungen sie in die zweite Synodalversammlung gehen. Denn dann sollen bereits erste beschlussfähige Vorlagen zu den zentralen Themen Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral und Rolle der Frauen in der Kirche zur Abstimmung kommen.

Der Bischof im Bistum Fulda Michael Gerber sieht die katholische Kirche in einem tiefgreifenden und schmerzlichen Prozess der Umformung. In seinem „Hirtenbrief“ zur Fastenzeit schreibt Gerber: „Mehr denn je erleben wir in diesen Wochen einen Zustand unserer Kirche, den man mit dem Begriff ,armselig‘ umschreiben kann.“ Finanzielle Mittel seien zwar „weiterhin vorhanden, wenn sie auch beunruhigend schnell abschmelzen“, so Gerber. „Aber der Kredit, den die Kirche im wahrsten Sinne des Wortes aktuell hat, ihre Glaubwürdigkeit, sie tendiert steil nach unten“, schreibt der Bischof. Das sei sehr schmerzlich.

Kirchenaustritte in Fulda

Zwar habe man im Bistum Fulda zuletzt keine steigende Anzahl an Kirchenaustritten registriert wie in Köln. „Aber die Zahlen sind gleichbleibend hoch“, teilt uns ein Sprecher auf Anfrage mit. Man rechne damit, dass dies auch so bleiben werde.

Weshalb Menschen aus der Kirche austreten, habe ganz unterschiedliche Gründe. „Oft geht es ums Geld, das ist ganz klar“, stellt der Sprecher fest. Für viele spiele die Kirche aber schlichtweg keine Rolle mehr. Zwar soll jedem, der aus der Kirche austritt, seitens der Pfarreien ein Gesprächsangebot gemacht werden, die wenigsten nähmen dieses Angebot jedoch an. So bleibe es oft auch unbekannt, weshalb ein Austritt konkret erfolgt ist.

In Köln ist zuletzt das Onlineportal wegen Überlastung ausgefallen, auf dem man sich beim Amtsgericht Termine für einen Kirchenaustritt reservieren konnte.

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Es müsse gefragt werden, ob die aktuelle Situation mit ihren inneren Widersprüchen und kaum auflösbaren Spannungen nicht auch das Potenzial habe, zu einer Zeit der tiefgreifenden „inneren Formung“ der Kirche zu werden. Die Kirche in Deutschland stehe „bei allem, was von uns selbst an notwendiger Aufklärung, Aufarbeitung und Selbstkorrektur gefordert ist, vor einem entscheidenden Lern-Schritt“, gab sich Gerber überzeugt.

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