In der Kirche in Hilders ist der Kreuzigungsberg Golgatha zu sehen. Die Figuren waren bereits vorhanden.
+
In der Kirche in Hilders ist der Kreuzigungsberg Golgatha zu sehen. Die Figuren waren bereits vorhanden.

Corona-Idee

Seltener Anblick: Drei Kirchen im Kreis Fulda zeigen in diesem Jahr Osterkrippen

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
    schließen

Krippendarstellungen sind aus der Advents- und Weihnachtszeit bekannt. Auch zu den Kar- und Ostertagen gibt es biblische Darstellungen – im Kreis Fulda in gleich drei Kirchen.

Fulda - „Mit dem Begriff der Oster- oder Passionskrippe haben manche noch ihre Probleme. Weil die Krippe ja auf das Jesuskind im Stall von Bethlehem hindeutet. Zu Ostern gibt es eigentlich keine Krippe. Aber wir haben eben keine andere Bezeichnung dafür“, sagt Jochen Happel, Vorsitzender der Fuldaer Krippenfreunde. Noch sind derlei Passions- und Osterdarstellungen in der Region Fulda selten, ebenso die Jahreskrippen, in denen die biblischen Szenen immer wieder wechseln. In Bayern oder Tirol hingegen seien sie häufiger in den Kirchen zu bewundern.

Happel ist allerdings überzeugt, dass auch in der Region derlei Krippen häufiger zu sehen sein werden. Gerade in der Corona-Pandemie seien sie eine gute Möglichkeit, Menschen in die Kirche zu locken. Und die werde angenommen. (Lesen Sie auch: Diese ungewöhnlichen Bräuche gibt es in der Region Fulda an Ostern)

Fulda: Drei Kirchen zeigen dieses Jahr Osterkrippen

Genau das haben auch der Fliedener Pfarrer Thomas Maleja und Gemeindereferentin Vera Schöppner festgestellt. In St. Goar sind ebenfalls verschiedene Szenen zwischen Palm- und Ostersonntag zu sehen. „Diese sind ein wenig aus der Not heraus entstanden, als die Kinderwortgottesdienste wegen Corona nicht stattfinden konnten“, berichtet Maleja. Allerdings sei es durchaus denkbar auch über Corona hinaus in den folgenden Jahren die Krippen weiterhin zu zeigen. Denn: „Das ist ein wichtiges Angebot, und es kommen auch sehr viele Familien, die sich die Osterkrippe anschauen“, weiß Maleja. In Flieden wurden zudem kurze Videos gedreht, in denen die Osterbotschaft erklärt wird. „Damit erreichen wir viele Kinder“, fügt Gemeindereferentin Schöppner an, die auch die Szenen der Osterkrippe aufbaut, an der sich Kinder Bastelmaterialien abholen können. Von Palmsonntag über Gründonnerstag, Karfreitag bis Ostern lässt sich die neutestamentliche Geschichte nachverfolgen – vielleicht sogar über Ostern hinaus.

Auch auf dem Frauenberg ist aktuell eine Passionsdarstellung zu sehen. In der Franziskanerkirche initiieren der Krippenfreunde-Vorsitzende Happel und seine Frau Swantje eine Ganzjahreskrippe. Nach und nach wollen die beiden die Figuren ergänzen, sodass sich alle sechs bis acht Wochen das Bild ändern lasse. Während das für die Advents- und Weihnachtsdarstellungen noch einfach sei, stelle die Anschaffung für den Rest des Jahres schon eine Herausforderung dar, erklärt der 40-Jährige. (Lesen Sie hier: Hunderte Gläubige feiern Osternacht-Gottesdienst im Livestream)

Video: Mit Handbohrer und viel Liebe: Kunstvolle Ostereier aus Ungarn

Das Leidens- und Ostergeschehen sei bislang meist symbolisch dargestellt worden, beispielsweise durch ein offenes Grab. „Dabei lassen sich gerade in dieser Zeit, ähnlich wie um Weihnachten, viele unterschiedliche Szenen zeigen: am Ölberg, das letzte Abendmahl, Kreuzigung, Auferstehung, der Gang nach Emmaus oder Himmelfahrt. Beim Rest des Jahres wird es schon schwerer da muss man dann vielleicht auch auf das Alte Testament zurückgreifen“, berichtet Happel. Das Pfingstfest wird er am Frauenberg aber wohl nicht zeigen. „Dazu bräuchten wir zu viele Figuren, die werden wir bis dahin nicht haben“, sagt der Krippenfreund mit einem Lachen.

Im Verein sei das Thema Osterkrippen bislang noch wenig präsent. „Aber das wird sich sicherlich noch ändern“, meint Happel. Immerhin verbreite sich die Darstellung österlicher Botschaften auch in Deutschland zunehmend.

In Hilders ist eine Kreuzigungsszene dort zu sehen, wo sonst bis Mariae Lichtmess – 2. Februar – die Weihnachtsbotschaft dargestellt wird. Auch wenn die Hilderser Katholiken durch ihre Ganzjahreskrippe über 300 Figuren verfügen, soll die Osterkrippe nicht zur festen Institution werden. In der Coronazeit sollte sie die Kirche zu einem Anlaufpunkt werden lassen. Das ist geglückt. „Aber sie soll schon etwas Besonderes bleiben“, sagt Pfarrer Michael Möller, der zudem davon ausgeht, dass nach Ostern womöglich nur noch die Emmaus-Jünger gezeigt werden. „Denn dann muss die Krippe abgeräumt werden, wenn die Sanierung der Seitenaltäre ansteht“, sagt Möller.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema