Kirmesbaum vor grauem Himmel.
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Die Kirmes fällt im Corona-Jahr 2020 flach. An diesem Wochenende wäre das traditionelle Kirmes-Wochenende gewesen.

Bitterer Ausfall

Wie sich die Orte in der Rhön am traditionellen Kirmes-Wochenende in der Corona-Pandemie trösten

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Für Kirmes-Fans in Fulda und im ganzen Landkreis ist dieses Wochenende ein besonders trauriges. Die Festlichkeiten fallen der Corona-Pandemie zum Opfer. Die Stimmung ist getrübt – auf Tradition und Gemeinschaft muss 2020 verzichtet werden. 

Bernd Woide (CDU), Landrat von Fulda, der selbst ein großer Freund der Kirmes ist, hatte bereits im August angesichts der Coronavirus-Pandemie an die Kirmesgesellschaften appelliert: „Gerade weil ich als Landrat die Kirmes so mag und gerne dort bin, rate ich dazu, in diesem Jahr darauf zu verzichten“, sagte er.

Dem Appell des Landrates sind die meisten Kirmesgesellschaften gefolgt. Vielerorts fällt die Kirmes an diesem Wochenende weitestgehend aus. Peter Kirchner (parteiunabhängig), Bürgermeister von Ehrenberg, bedauert das: „Es ist schade“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und fügt hinzu: „Für uns ist das eine feste Tradition, es ist eine Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben.“

Osthessen: Traditionelle Kirmes fällt komplett aus

Gerade für die jüngere Generation sei der Ausfall bitter. „Das ist ein Fest, an dem viel dranhängt“, sagt er. „Gewissermaßen ist das ein Schritt in die Selbstständigkeit und in die Dorfgemeinschaft.“ Für die Reulbacher beispielsweise sei es „doppelt bitter“, wie der Bürgermeister sagt. „Sie hätten in diesem Jahr die 50. Kirmes am Stück gefeiert.“ Nun hätten die angestiegenen Corona-Infektionen jedoch entschieden: „Die Tradition muss pausieren.“

Kein Tanz, keine Zuschauer, keine Kirmes – viele Fans der Tradition, die vielerorts seit Jahrzehnten begangen wird, sind an diesem Kirmeswochenende besonders traurig.

Auch in Hilders wäre an diesem Wochenende Kirmes gefeiert worden. Ploatzknecht Konstantin Möslein ist über den Ausfall traurig. Der 23-Jährige sei schon seit mehreren Jahren dabei. Ein kleiner Trost: Auf den Baum habe man in Hilders nicht verzichten müssen. „Wir stellen einen kleineren Baum auf, ähnlich wie ein Weihnachtsbaum.“

Dieser sei etwa drei Meter hoch und werde von drei Personen aufgestellt. Ein Vergleich zu den üblichen Kirmesbäumen sei das dennoch nicht. „Normalerweise ist der Baum etwa 23 Meter hoch und wird von 40 Helfern aufgestellt“, sagt der Hilderser.

„Es fällt ein Stück Gemeinschaft weg“

Die Stimmung ist wegen des Ausfalls getrübt, wie der Ploatzknecht berichtet. Dass sie mal ausgefallen wäre, daran kann sich der 23-Jährige nicht erinnern. „Wir hoffen, dass es im kommenden Jahr wieder stattfindet“, sagt er außerdem. Ähnlich sieht das Natalie Bott von der Kirmesgesellschaft Weyhers: „Es fällt ein Stück Gemeinschaft weg, aber Verständnis ist natürlich auch da.“

Wortherkunft

Ursprünglich war die Kirmes ein Fest zum Gedenken an die Einweihung einer Dorfkirche. Das Wort „Kirmes“ leitet sich dabei von Kirchmesse ab. Diese wird zum Gedenken an die Kirchweihe gefeiert.

Einen Baum gibt es trotz der Pandemie auch in Weyhers, deren Kirmesgesellschaft in diesem Jahr zum 74. Mal gefeiert hätte. Dieser stehe bereits seit vergangenem Samstag und sei statt den gewohnten 26 Metern in diesem Jahr nur etwa 16 Meter hoch, wie Bott erzählt.

Wie das Kirmeswochenende in der Pandemie aussehen soll, habe man sich im Kirmesvorstand sehr lange überlegt. Einen traditionellen Kirmesgottesdienst werde es nicht geben, berichtet die 22-Jährige. Stattdessen werde der Gottesdienst für die Kirmesgesellschaft am Samstagabend stattfinden.

Der Gottesdienst für die Gemeinde wird hingegen am morgigen Sonntag stattfinden. „Es war uns wichtig, dass wir trotz der Corona-Situation den Gottesdienst feiern und einen Baum aufstellen, um wenigstens die Tradition zu wahren“, sagt Bott.

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