Frühchen-Melina
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Frühchen Melina durfte endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Dramatischer Start ins Leben

Acht Jahre nach Frieda darf Melina als frühstes Frühchen der Welt nach Hause

Einmal mehr konnte das Klinikum Fulda das früheste Frühchen der Welt nach Hause entlassen. Rund acht Jahre nach Frieda durfte vor wenigen Wochen die kleine Melina aus der Nähe von Lauterbach gemeinsam mit ihren Eltern nach Hause. Das Licht der Welt hatte sie nach nur 21 Wochen und vier Tagen im Leib ihrer Mutter erblickt.

Von Tobias Farnung

Fulda - Geboren wurde das Baby bereits im März 2019 – als Zwilling. Zu Hause im Vogelsberg bei einer ungeplanten Hausgeburt unter dramatischen Umständen. Melinas Zwillingsbruder gewann den Kampf am Ende nicht. Er starb nur wenige Stunden nach der Einlieferung im Klinikum Fulda an Kreislaufversagen. Doch Melina kämpfte sich ins Leben. Wobei auch für sie dieses glückliche Ende nicht selbstverständlich war.

Denn hätte sich das Team der Kinderklinik um Professor Dr. Reinald Repp an den bundesweit anerkannten Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) orientiert, hätten die Ärzte überhaupt gar nicht versucht, um das Leben des Babys zu kämpfen. Die Empfehlungen besagen nämlich, dass bei Frühgeborenen nach weniger als 22 Schwangerschaftswochen medizinische Maßnahmen in der Regel als aussichtslos einzustufen sind.

Frühchen Melina: Rasche Stabilisierung des Gesamtzustandes

„Aber zum einen wussten wir bei der Einlieferung überhaupt nicht genau, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten war. Und zum anderen entscheiden wir immer individuell nach Prüfung des Zustands des Kindes“, sagt Repp. Bei der kleinen Melina konnten die Mediziner schnell eine Stabilisierung des Gesamtzustands feststellen.

„Also haben wir alles daran gesetzt, dem Kind zu helfen“, sagt der Direktor der Kinderklinik. Bei der Geburt wog das Frühchen deutlich weniger als 500 Gramm. „Das ist auf der Frühgeborenen-Intensivstation nicht außergewöhnlich“, sagt der Mediziner. „Deutlich kritischer ist die Unreife lebenswichtiger Organe aufgrund des extrem frühen Geburtstermins.“

Klinikum-Chefarzt Reinald Repp

Häufiges Problem: Die Lunge des Babys ist noch nicht ausreichend entwickelt, weswegen künstlich beatmet werden muss. Das wiederum kann aber eine Schädigung der Augen zur Folge haben. Weitere Probleme bei sehr früh geborenen Frühchen sind Hirnblutungen oder der Tod durch Darmverschluss.

Das alles konnte bei Melina aber glücklicherweise verhindert werden, sodass sie nach fast 14 Monaten im Krankenhaus nun entlassen werden konnte. Und sich zusätzlich den Titel des weltweit frühsten Frühchens teilen konnte, zusammen mit einem Kind, das 2014 in San Antonio im US-Staat Texas auch nach 21 Wochen und vier Tagen geboren wurde.

Ähnlicher Fall bereits vor acht Jahren im Klinikum Fulda

Damit wiederholt sich die Geschichte, die das Klinikum Fulda 2012 bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Damals wurde Frühchen Frieda entlassen, die nach 21 Wochen und fünf Tagen als weltweit frühstes Frühchen viel Beachtung fand – und sich diesen Titel mit einem Kind aus Kanada teilte.

Auf solche Titel legt Reinald Repp zwar keinen gesteigerten Wert. Für ihn ist es allerdings schön, wenn andere Mediziner davon lesen und sich inspirieren lassen, in einem solchen Fall auch den individuellen Zustand des Kindes als Entscheidungsgrundlage heranzuziehen – statt sich auf allgemeine Empfehlungen zu verlassen.

Und auch emotional bedeutet ihm die Entlassung von Melina in ein normales Leben sehr viel. „Es bereitet mir eine unheimliche Freude für die Familie. Außerdem ist es eine große Motivation für uns.“

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