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Wer wird künftig im Stadtschloss regieren? Fuldas Bürgermeister Dag Wehner schließt ein Dreierbündnis nicht aus.

Kommunalwahl

Wer hat in der Stadt Fulda künftig das Sagen? CDU will Gespräche mit Parteien der „bürgerlichen Mitte“ führen

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Bei der Wahl zur Fuldaer Stadtverordnetenversammlung sind alle Stimmzettel gezählt: Während die CDU in den Stadtteilen bärenstark bleibt, feiern in der Innenstadt die Grünen einen Siegeszug. Wer mit wem koaliert, bleibt weiterhin offen.

Fulda - Bei der Kommunalwahl in Fulda hat die CDU erneut die meisten Stimmen bekommen, sackt aber um vier Prozentpunkte ab und gehört damit unter dem Strich zu den Verlierern der Wahl. Während sich Grüne und AfD freuen, herrscht bei der CWE Katerstimmung, und auch die SPD ist nicht glücklich. Fünf Erkenntnisse aus der Wahl.

Erste Erkenntnis: Eine neue Koalition muss her. Der Ball liegt im Spielfeld der CDU. Stadtverbandschef und Bürgermeister Dag Wehner will mit allen Gruppierungen der „bürgerlichen Mitte“ Gespräche führen. Während er eine Koalition mit dem linken und rechten Rand kategorisch ausschließt, bringt er die Möglichkeit eines Dreierbündnisses gegenüber unserer Zeitung ins Gespräch. Damit scheint es drei realistische Szenarien für eine Koalition zu geben: mit den Grünen, der SPD oder gemeinsam mit CWE und FDP. Doch auch eine Minderheitsregierung mit wechselnden Partnern kann sich Wehner vorstellen. (Lesen Sie hier: Kommunalwahl in Fulda: Koalition verliert Mehrheit, Grüne zweitstärkste Kraft - Ein CDU-Mann wird Stimmenkönig)

Kommunalwahl in Fulda: CDU will mit Parteien der „bürgerlichen Mitte“ Gespräche führen

Wie lange die Partnersuche dauern wird, ist unklar. Zunächst müsse das Ergebnis analysiert werden. Dann stehen die Gespräche an, möglicherweise in mehreren Runden. „Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein Ergebnis nicht vorhersehbar ist“, sagt Wehner. Bei dem Austausch werde es vor allem um inhaltliche Fragen der Stadtpolitik gehen.

Das Ergebnis für die Stadt Fulda liegt vor. Die CDU bleibt stärkste Kraft. Die Grünen legen deutlich zu.

„Wir werden schauen, wo es Schnittmengen und wesentliche Unterschiede gibt.“ Personelle Fragen würden zuletzt behandelt. Auf die Frage, ob die CDU ihrem künftigen Partner einen hauptamtlichen Posten im Magistrat zugestehen würde, antwortet Wehner ausweichend: „Es gibt noch andere Funktionen, in denen man Stadtpolitik gestalten kann.“ Der Möglichkeit, dass das Bürgermeisteramt in den Koalitionsgesprächen zur Verhandlungsmasse gehören könnte, erteilt er eine klare Absage: „Das gebe ich nicht kampflos und nicht freiwillig auf. Dazu mache ich meinen Job viel zu gerne.“

Zweite Erkenntnis aus der Wahl: Die Union ist vor allem in den Dörfern stark. Die besten Ergebnisse holt sie in Lüdermünd (66,25 Prozent) und Oberrode (61,6). Hingegen ist die Fuldaer Innenstadt grün geprägt: In den Wahllokalen der Winfriedschule und des Vonderau Museums überschreiten die Grünen jeweils die 30-Prozent-Marke.

Kommunalwahl in Fulda: Die Dörfer sind schwarz, die Innenstadt grün

Dritte Erkenntnis: Künftig sitzen in der Stadtverordnetenversammlung elf Gruppierungen, bisher waren es sieben. Sechs Listen entsenden lediglich einen oder zwei Mandatsträger – zu wenige, um eine Fraktion bilden zu können. Das bedeutet zum Beispiel, dass diese Gruppierungen in den Fachausschüssen kein Stimmrecht erhalten. Darüber, ob die Zersplitterung des Stadtparlaments die Qualität der Debatten beeinträchtigen könnte, wird bereits besorgt diskutiert.

Vierte Erkenntnis: An den Rändern des politischen Spektrums gibt es Veränderungen: Links für Soziale Gerechtigkeit ist aus der Stadtverordnetenversammlung geflogen – 0,8 Prozent reichen für ein Mandat nicht aus. Dafür zieht mit Die Linke eine neue Partei aus dem linken Spektrum ein. Neu ist auch die AfD, die mit 7,2 Prozent vier Mandate erhält. Ihre besten Ergebnisse erzielte die „Alternative“ mit 31 Prozent in den Stimmbezirken „Bürgerhaus Aschenberg“ und „Landratsamt“ (26 Prozent). Miserabel schneidet die AfD hingegen bei den Briefwählern ab: In keinem der 30 Fuldaer Briefwahlbezirken gab es mehr als fünf Prozent der Stimmen.

Nach Kommunalwahl in Fulda: Viele Kandidaten profitieren vom Kumulieren und Panaschieren

Fünfte Erkenntnis: Die Wähler haben kräftig kumuliert und panaschiert – und einige Kandidaten auf den Listen nach vorne katapultiert. Zum Beispiel die Brüder Markus und Alexander Günther (CDU), die vom 17. beziehungsweise 27. Platz auf die Ränge 4 und 7 schossen. Ähnlich erging es Jutta Hamberger, Tochter des früheren OB Wolfgang Hamberger, die auf der Grünen-Liste von Platz 9 auf 2 vorrückte.

Stimmenkönig ist mit 12 649 Stimmen Landtagsabgeordneter Thomas Hering, der auf Platz 4 der CDU-Liste gestanden hatte. SPD-Spitzenkandidat und OB-Bewerber Jonathan Wulff profitierte ebenfalls vom Kumulieren: Mit 9140 Stimmen sammelte er ein Drittel mehr Kreuze als die nächste Kandidatin auf der SPD-Liste. Und bei Volt (1 Sitz) überholt Elke Hohmann mit 40 Stimmen mehr Ehemann Bernhard, der Spitzenkandidat war. Die Eheleute waren erst vor Kurzem von der CWE zu Volt gewechselt.

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