Die mitgliederstärkste Partei im Kreis Fulda ist - wie seit Jahrzehnten - die CDU. (Symbolfoto)
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Welche Partei war wo besonders stark? Ein Blick auf de Ergebnisse der Wahl zum Kreistag.

Kommunalwahl 2021

Kreistagswahl in Fulda: Hünfelder Land in schwarzer Hand - Grüne und kleine Gruppierungen in der Stadt stark

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
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Das Hünfelder Land bleibt bei der Kreistagswahl in schwarzer Hand. In drei Kommunen kommt die CDU auf mehr als 50 Prozent. Die Grünen hingegen holen in der Stadt Fulda besonders viele Stimmen. Eine Analyse der Kommunalwahl in Fulda.

Fulda - Auch wenn die CDU im Kreistag seit 2016 und auch nach dieser Kommunalwahl nicht mehr die absolute Mehrheit stellt, bleibt sie doch stärkste Fraktion. Auf mehr als 50 Prozent kommt sie allerdings nur noch in vier Kommunen – in Rasdorf (56,21 Prozent), Hünfeld (52,23) und Nüsttal (51,34) sowie in Hosenfeld (50,10). 2016 verzeichnete die Union noch in acht Städten und Gemeinden Anteile von mehr als 50 Prozent.

Schon damals aber fielen die Werte der Christdemokraten wie in diesem Jahr auch wieder in den beiden protestantisch geprägten Rhön-Städten Gersfeld (33,81) und Tann (36,48) sowie in Kalbach (39,16) und Burghaun (39,81) vergleichsweise mager aus. (Lesen Sie hier: Kreistagswahl in Fulda: CDU und CWE verlieren auch im Kreis die Mehrheit - SPD vor Grünen und AfD)

Kommunalwahl im Kreis Fulda: Hünfelder Land ist CDU-Hochburg

In eben diesen Gemeinden schneiden hingegen die Sozialdemokraten erneut stark ab. Im Süden, in Kalbach, schlagen für die Genossen 27,04 Prozent zu Buche. Ihr bestes Ergebnis in der Gemeinde erhalten sie im Ortsteil Oberkalbach mit annähernd 35 Prozent. In Burghaun und Gersfeld kommen sie jeweils auf knapp mehr als 23 Prozent und in Tann noch auf 20,18 Prozent. Im restlichen Kreisgebiet hingegen schafft es die SPD in keiner Kommune über 18 Prozent.

Während sich die Mehrheitsverhältnisse zwischen Christ- und Sozialdemokraten weitgehend mit traditionellem Wahlverhalten und konfessionellen Prägungen erklären lassen, wobei die evangelischen Gebiete eher zur SPD tendieren, lässt sich für die Grünen eine andere Beobachtung machen. Sie sind die großen Gewinner der Kreistagswahl. Analog zur Wahl der Fuldaer Stadtverordneten, bei der die Öko-Partei in der Kernstadt besser abschnitt als in den ländlicheren Stadtteilen, fahren sie bei der Kreistagswahl in der Stadtregion ebenfalls die höchsten Stimmenanteile ein.

So verteilen sich die Stimmen bei der Kreistagswahl im Kreis Fulda.

Fulda, Künzell, Petersberg, Dipperz – so lautet die Reihenfolge der Orte, in denen die Grünen viele Stimmen erhielten. In der Stadt Fulda liegt ihr Anteil bei 16,32 Prozent – in Margretenhaun gar bei 18,17 Prozent. Schwach schneiden die Grünen hingegen in Kalbach und den CDU-Hochburgen Nüsttal und Rasdorf ab.

Kreistagswahl in Fulda: FDP und CWE in der Rhön am stärksten

Zum zweiten Mal zieht die AfD in den Fuldaer Kreistag ein, erstmals in die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung und die Gemeindevertretungen in Künzell, Hofbieber und besonders stark in Neuhof. Dass die AfD in Koalitionsverhandlungen auf Kreisebene eine Rolle spielen wird, ist nicht zu erwarten. Eine Zusammenarbeit hatten die anderen Parteien und Gruppierungen bereits ausgeschlossen. (Lesen Sie hier: Im Kreistag im Main-Kinzig-Kreis sind die Grünen die Wahlsieger)

Ihre stärksten Ergebnisse fuhr die AfD mit 16,07 Prozent in Neuhof ein – vor allem im Ortsteil Dorfborn und im Wahlbezirk Ellers I mit 39,4 und 37 Prozent. Dieses Abschneiden dürfte in der Kaligemeinde vor allem auf eine (indirekte) Personenwahl zurückzuführen sein. Schließlich kandidierten auf der 29-köpfigen Liste fünf Neuhofer – darunter Spitzenkandidat Jens Mierdel und mit dem Bundestagsabgeordneten und früheren Bürgermeister Martin Hohmann das prominenteste Gesicht.

Die vielen kleineren Parteien und Gruppierungen, die teils erstmals oder – wie die einstigen Republikaner als Bürger für Osthessen – unter anderem Namen in das Gremium einziehen, spielen mit einem Vertreter eher untergeordnete Rollen – vor allem auf dem Land. Während die Linke.Offene Liste in Petersberg und die BfO in Gersfeld die besten Wert erzielten, waren Volt, Bündnis C und die Partei in der Stadt Fulda stark.

In der Rhön indes zeigen sich zwei Auffälligkeiten: Zum einen erzielt die CWE in Hilders ihr mit Abstand bestes Ergebnis von 21,81 Prozent – wobei die Christliche Wähler-Einheit auch in anderen Gemeinden, wo sie starke Verbände vor Ort hat, Ergebnisse von über zehn Prozent einfährt, nämlich in Nüsttal, Hofbieber, Künzell und Poppenhausen. Zum anderen fährt die FDP mit Stimmenanteilen von mehr als zehn Prozent Rekordergebnisse in Tann und Dipperz sowie in Burghaun ein.

Video: So funktioniert Kommunalpolitik

Egal welche Koalitionen sich im Kreistag bilden, eines ist klar: Es sind mehr einzelne Gruppierungen vertreten als zuvor. Das Ergebnis ist eine Herausforderung, auch für seine Partei CDU, sagt Landrat Bernd Woide: „Die CDU hat trotz geringer Verluste das Ergebnis der vergangenen Kreistagswahl annähernd bestätigt und bleibt mit 36 Sitzen die bestimmende Kraft. Neu ist, dass es eine Vielzahl von kleineren Gruppierungen und Parteien gibt, die in den Kreistag eingezogen sind. Das macht die Arbeit und Mehrheitsfindung im Kreistag anspruchsvoller, aber auch schwieriger.“

Als Landrat und damit auch als Vorsitzender des Kreisausschusses habe er ein großes Interesse daran, einen handlungsfähigen Kreistag zu haben, der die entscheidenden Weichenstellungen der Kreispolitik bestimme. Woide zeigt sich optimistisch, dass es den Parteien und Gruppierungen gelingen werde, im Sinne der Bürger tragfähige Mehrheiten zu finden.

Nicht nur im Kreis Fulda haben CDU und CWE keine Mehrheit mehr, auch in der Stadt Fulda ist offen, welche Parteien nach der Kommunalwahl ein Bündnis eingehen. Denkbar sind Koalitionen von CDU und SPD, CDU und Grünen sowie CDU, FDP und CWE.

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