Der Ausbau der Stromversorgung sorgt für Diskussionen. Die Region beschäftigt sich mit der Fulda-Main-Leitung: Wo entlang soll sie führen?
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Die geplante Fulda-Main-Leitung führt über das Umspannwerk Dipperz.

Trasse von Tennet

Protest gegen Stromleitung: Widerstand gegen Pläne aus Nüsttal, Hofbieber und Petersberg

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Das Unternehmen Tennet hat es mit den Plänen für die Starkstromleitung von Mecklar nach Dipperz schwer. Nach Hünfeld, Burghaun und Eiterfeld kündigen jetzt auch die Gemeinden Nüsttal, Hofbieber und Petersberg Widerstand an.

Kreis Fulda - Fulda-Main-Leitung heißt das Projekt: Tennet will die Umspannwerke in Mecklar (Kreis Hersfeld-Rotenburg) und Bergrheinfeld (Kreis Schweinfurt) mit einer 130 Kilometer langen 380.000-Volt-Leitung verbinden. Das Umspannwerk Dipperz wird in jedem Fall passiert werden. In der vergangenen Woche hat Tennet erklärt, in welchem Korridor es die Trasse bauen will.

Nüsttal ist mit den Plänen gar nicht einverstanden. „Die vorgeschlagene Trasse entlang der bestehenden Leitung haben wir erwartet“, sagt Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (CDU). „Wir haben unsere Bedenken schon vorgetragen. In Silges würde der Kindergartenwald entfallen, und die Trasse würde bis auf 400 Meter an die Wohnbebauung heranrücken.“ Die Erdkabel werde von den Landwirten abgelehnt, weil der Bodenaufbau verändert werde und am Anfang und am Ende fußballfeldgroße Umspannwerke nötig sind. „Wir haben Zweifel an der Notwendigkeit der Leitung. Der Flächenverbrauch und der Eingriff in die Lebensverhältnisse der Menschen und in die Natur sind enorm“, erklärt Frohnapfel.

Fulda: Mehrere Kommunen protestieren gegen Stromleitung von Tennet

Kritik kommt auch aus Hofbieber. „In unserem Gemeindegebiet trifft die Trasse als Freileitung ausschließlich Flächen mit sehr hohen und hohen Raumwiderständen“, berichtet Bürgermeister Markus Röder (parteilos). Bei Allmus handele es sich um wichtige Vogelschutzgebiete, an der Grenze zu Petersberg werde ein Landschaftsschutzgebiet getroffen.

Masten

Die Fulda-Main-Leitung besteht aus einer Mastenreihe, an der links und rechts jeweils ein Kabelstrang hängt. In den Bereichen, in denen die geplante neue Leitung der bisherigen 380.000-Volt-Leitung folgt, beträgt der Abstand zur heutigen Trasse in der Regel 60 bis 80 Meter.

Die Masten werden meist 55 bis 60 Meter hoch, berichtet Tennet. Wenn es zur Mitnahme einer bestehenden 110 000-Volt-Leitung käme (das klärt sich erst im Planfeststellungsverfahren), würden die Masten bis zu 70 Meter hoch werden. Die A 7-Querung der Leitung Dipperz-Großkrotzenburg südlich von Pilgerzell hat diese Konstellation:Oben hängen zwei Traversen für die 380-kV-Ebene von Tennet und unten eine Traverse für die 110-kV-Ebene von Avacon.

Welche Trasse tatsächlich gewählt wird, entscheidet die Bundesnetzagentur. Wann diese Entscheidung fällt, will die Agentur derzeit noch nicht abschätzen. Im Jahr 2031 soll die Fulda-Main-Leitung in Betrieb gehen.

Zudem führe der Trassenverlauf ausschließlich über verdichtungsempfindlichen Boden. Nicht hinnehmbar sei, dass die Trasse auf weniger als 400 Meter an Traisbach und insbesondere an Mittelberg heranrücke. Röder: „In Summe können wir eine Freileitung nicht akzeptieren. Falls die Trasse trotz der Raumwiderstände weiter verfolgt wird, halte ich eine Planung als Erdverkabelung für zwingend erforderlich.“

Gemeinden Nüsttal, Hofbieber und Petersberg kündigen Widerstand an

„Ein positiver Aspekt der Tennet-Pläne ist, dass bei dem Vorschlagstrassenkorridor die dicht besiedelten Ortsteile Marbach und Steinau aus dem Fokus geraten sind“, sagt der Petersberger Bürgermeister Carsten Froß (CDU). „Dennoch bleibt das Petersberger Gemeindegebiet, insbesondere Margretenhaun und Haunedorf, von der Fulda-Main-Leitung betroffen. Die Ortsbeiräte von Steinau und Margretenhaun, die wir frühzeitig eingebunden haben, haben bereits in Stellungnahmen mit guten Argumenten erklärt, dass sie auch diese Trassenführung ablehnen.“

Der Ortsvorsteher von Haunedorf wolle die Planungen ebenfalls kritisch begleiten. „Wir unterstützen die Ortsbeiräte in ihrer Haltung. Sollte sich dennoch nicht vermeiden lassen, dass die Leitung durch Petersberger Gemeindegebiet führt, muss Tennet intensiv prüfen, ob die Trasse auf bestehenden Leitungen gebaut werden kann, und – falls nicht – ob Erdverkabelung möglich ist“, sagt Froß. Ein möglicher Verlauf der Leitung südlich von Dipperz in Richtung Unterfranken will Tennet im Herbst vorstellen.

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