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Große Reiselust trotz Krisen - aber: Krieg und Inflation wirken sich auf Urlaubsplanung aus

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Von: Jasmin Herzberg

Eine Person sitzt in einem Strandkorb
Trotz Krieg und Inflation ist die Reiselust der Deutschen groß. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa/dpa-tmn

Die Menschen wollen nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder verreisen – doch jetzt stellen Krieg und Inflation eine Herausforderung bei der Planung der Urlaube dar.

Fulda - „Wir erhalten fast täglich noch kurzfristige Anfragen für Reisen“, berichtet Markus Sarkäzy, Geschäftsführer des Dolce Vita Reiseclubs in Neuhof. Die Menschen hätten lange abgewartet, um ihren diesjährigen Urlaub zu buchen. „Dabei spielte allerdings mehr der Ukraine-Krieg, als Corona eine Rolle. Und das, obwohl zum Beispiel Polen genauso sicher ist wie Deutschland“, meint Sarkäzy.

Fulda: Krieg und Inflation wirken sich auf Urlaubsplanung aus

Es werden jetzt Busreisen in Länder wie Schottland, Paris und die Normandie bevorzugt. Auch Deutschland sei als Ziel sehr beliebt – hier sei für den Sommer so gut wie alles schon ausgebucht. „Ab Herbst sieht die Lage für Buchungen wieder besser aus – da sind die besten Plätze noch frei“, fügt Sarkäzy hinzu.

Den Ansturm jetzt – nach zwei Jahren, in denen auf das Reisen verzichtet werden musste – merkt auch das Reisebüro Reisewelt Teiser und Hüter: Viele Reisen werden Last Minute – also kurzfristig – gebucht. „Dabei zahlen die Menschen aber deutlich höhere Preise als die Reisenden, die schon im Januar gebucht haben“, sagt Geschäftsführer Dennis Krug. Es seien überwiegend jüngere Menschen und Familien, die zur Ferienzeit buchen. „Ältere, die nicht mehr darauf angewiesen sind, entscheiden sich für die Zeit nach den Ferien“, schildert Krug die Situation in seinem Reisebüro.

Besonders Kroatien, Griechenland und Spanien sind als Flugziele in den Sommermonaten beliebt. „Viele der Reiseziele im Mittelmeer sind schon ausgebucht“, merkt Krug an. Eine Verbesserung der Lage und sinkende Preise vermutet er frühestens ab September. (Lesen Sie hier: Sommer, Sonne, Ferien - Rekord-Stau? Ferien in Hessen und in 13 anderen Bundesländern)

Auch beim Reisebüro Happ in Fulda erfreuen sich die Mittelmeerländer großer Beliebtheit in den Sommerferien. „Die Nachfrage ist sogar noch größer als vor Corona“, sagt Verkaufsleiter Stephan Kratz. Auch bei Kratz’ Kunden spielt die Angst vor dem Coronavirus keine Rolle mehr. Stattdessen mache sich der Krieg in der Ukraine bemerkbar, da es nun weniger Kreuzfahrten auf der Ostsee und in Richtung Ostländer gebe.

„Den größten Einfluss auf das Reiseverhalten der Menschen hat die Inflation“

„Den größten Einfluss auf das Reiseverhalten der Menschen hat aber die Inflation. Sie sorgt dafür, dass weniger oder sehr kurzfristig gebucht wird“, meint Kratz. „Jetzt noch kurzfristig Urlaube zu buchen, ist allerdings schwierig, weil nicht mehr viel frei ist – und wenn doch, dann oft zu sehr hohen Preisen“, erklärt er. Ganz ausgeschlossen sei es jedoch nicht, solange man flexibel sei, was Abreisetag, -zeit und -flughafen angehe. Bezüglich den überlaufenen Flughäfen rate auch Kratz seinen Kunden, mindestens drei, eher sogar vier Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein.

„Es sind vor allem Paare oder Alleinreisende, die ihre Urlaube Last Minute buchen. Familien mit mehreren Kindern buchen meistens frühzeitig“, merkt Ralf Seidel, Inhaber des Gutermuth Reisebüros in Fulda, an. Neben Mittelmeerreisen werden auch Autoreisen nach Italien gerne gebucht.

Obwohl die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bei der Urlaubsbuchung keine Rolle mehr spiele, buchen die Meisten doch noch die Reiserücktrittsversicherung mit der Ergänzung der Corona-Option – also der Versicherung für den Fall, dass die Reise aufgrund einer Erkrankung mit dem Virus nicht angetreten werden kann.

Video: Umfrage: Deutsche wünschen sich vor allem einen günstigen Urlaub

Die aktuell hohen Preise für Reisen erklärt sich Andrea Findeis, Inhaberin des Alltours Reisecenters in Hünfeld, unter anderem mit den gestiegenen Energiepreisen. Nichtsdestotrotz: „Man merkt, die Menschen wollen verreisen.“ Ins Reisebüro von Findeis kamen jetzt für die Ferien überwiegend Familien, die eine All Inclusive Reise – also eine Reise mit dem rundum sorglos Essen- und Trinkenpaket – in die Türkei oder andere Mittelmeerländer gebucht haben.

Nicht so gefragt sei in diesem Jahr Bulgarien gewesen. Ob das jedoch am Krieg im Osten liege, könne Findeis nicht mit Sicherheit sagen. „Ich vermute, dass es auch da eher an den gestiegenen Preisen liegt. Vorher war in Bulgarien das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut.“

Wie auch die anderen Reisebüros, erreichen Findeis Nachfragen bezüglich den überfüllten Flughäfen: „Wir raten unseren Kunden, genügend Zeit mitzubringen. Lieber am Ende zu früh da sein, und noch gemütlich etwas Zeit vor Ort verbringen, anstatt in Zeitnot geraten und am Ende den Flug verpassen.“

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