Eine Collage von einem Wanderfalken und einem Strommast
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In einem Nistkasten an diesem Strommast bei Magretenhaun nisten Wanderfalken. Daran stören sich Taubenzüchter.

Nistkästen am Strommast

Falken attackieren Tauben: Taubenzüchter in Petersberg ärgern sich über Tierschutz-Maßnahme

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Taubenzüchter in Petersberg und Ortsteilen sind verärgert und klagen über Angriffe auf ihre Tiere. Den Grund sehen sie in zwei Nistkästen, in denen sich Falken angesiedelt haben.

Petersberg - „Was hat das noch mit Tierschutz zu tun?“, fragen sich Uwe Mackenrodt und Andreas Rothmann. Die beiden sind Taubenzüchter im Kreis Fulda und verärgert über zwei Nistkästen, die an Strommasten am Noppen in Künzell sowie zwischen Margretenhaun und Melzdorf seit gut 15 Jahren angebracht sind. Dort haben sich Falken niedergelassen. Vermutlich zwei bis drei Paare seien dort heimisch bestätigt die Kreisverwaltung auf Nachfrage und erklärt auch: „Ziel der Kästen war und ist der Schutz der Wanderfalken, da die Tiere in besonderer Weise gefährdet waren.“

Gefährdet waren - genau das ist der Punkt, den Mackenrodt und Rothmann kritisieren. Das sei inzwischen nämlich nicht mehr der Fall, meinen sie. Mittlerweile gebe es einfach zu viele Greifvögel, und die würden nun selbst zu Risikofaktoren für die Brieftauben. „Man hat schlicht und ergreifend vergessen, sich darum zu kümmern, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren“, kritisiert Uwe Mackenrodt, der beklagt, dass seine Brieftauben angegriffen, verletzt oder gar getötet würden. (Lesen Sie hier: Bundeswehr-Hubschrauber landet auf geschützter Insel im Vogelsberg - Nabu erstattet Anzeige)

Fulda: Ärger über Tierschutz-Maßnahme - Falken attackieren Tauben

Eben das beklagt auch Rothmann. Die Tauben-Jungtiere flögen vor Angst in die Bäume. An einen ordentlichen Auflass und Wettflug sei so bald nicht mehr zu denken, befürchtet er. Ärgerlich sei das obendrein, weil die Tauben einen gewissen Wert besäßen. „Wir reden hier nicht von den Stadttauben, sondern von Brieftauben. Und da werden für gute Zuchtpärchen ordentliche Preise aufgerufen“, sagen die beiden Züchter unisono. Hinzu komme, dass sich auch schon Hühnerzüchter über Verluste durch Greifvögel in ihren Ställen und auf dem Freiland beklagt hätten und dass die Population kleinerer Vögel abnehme.

Rothmann und Mackenrodt gehe es gar nicht darum, dass der Wanderfalke gänzlich aus der Region verbannt werde. Aber er hätte ja nicht unbedingt dort angesiedelt werden müssen, wo die Züchter ihre Taubenschläge haben. Die Kästen hätten von vornherein so aufgehängt werden müssen. „Der Falke gehört in die Landschaft und nicht in die Nähe von Wohngebieten“, sagt Rothmann. Mit der unteren Naturschutzbehörde beim Kreis hätten sich die Züchter auch schon in Verbindung gesetzt.

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Für die Brieftaubenfreunde besteht jedoch wenig Grund zur Hoffnung auf einen Ortswechsel der Nistkästen. „Eine Umsetzung der Kästen ist nicht möglich und auch nicht zulässig, da es sich bei den Kästen um die geschützten Lebensräume der Wanderfalken handelt – und die Tiere selbst streng geschützt sind. Zudem kehren die Tiere immer wieder zu ihren Nestern zurück“, heißt es aus dem Landratsamt auf Nachfrage.

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