Johannes Peter hat mittelalterliche Fuldaer Münzen untersucht.
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Johannes Peter hat mittelalterliche Fuldaer Münzen untersucht.

Kloster hatte Münzen vor Räubern versteckt

Ein alter Münz-Schatz in der Michaelskirche: Johannes Peter untersucht Fuldaer Brakteaten

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Im Mittelalter nutzten die Fuldaer Äbte die von ihnen geprägten Münzen, um ihren besonderen Rang herauszustellen. Das ist eines der Forschungsergebnisse des Kunsthistorikers Johannes Peter (36). Für seine Magisterarbeit ist er jetzt ausgezeichnet worden.

  • Kunsthistoriker Johannes Peter untersucht für seine Masterarbeit an der Uni Göttingen Fuldaer Brakteaten.
  • Für Johannes Peter sind die Münzen ein Beleg für das steigende Selbstbewusstsein der Fuldaer Äbte.
  • Die Münzen stammen aus einem ganzen Schatz, der in der Fuldaer Michaelskirche zufällig gefunden wurden.

Fulda - „Als Kunsthistoriker hat man einen anderen Blick auf Münzen. Die meisten Numismatiker sind Historiker“, erklärt Peter. In seiner Masterarbeit an der Uni Göttingen hat er sich mit den Fuldaer Brakteaten (von lateinisch bractea „dünnes Metallblech“) befasst – kleine Silberbleche, die in der Stauferzeit (1150–1325) auf nur einer Seite geprägt wurden. Die Fuldaer Brakteaten sind klein, und ihr Gewicht sank von anfänglich 0,9 auf 0,4 bis 0,5 Gramm im frühen 14. Jahrhundert, und ihr Durchmesser verkleinerte sich von zunächst 33 bis 42 Millimeter auf zuletzt 22 bis 25 Millimeter.

Kunsthistoriker Johannes Peter untersucht Fuldaer Brakteaten

Die Münzen sind für Peter ein Beleg für das wachsende Selbstbewusstsein der Fuldaer Äbte. Bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts zeigen die Münzen den Heiligen Bonifatius – oft als byzantinischer Herrscher dargestellt. Beginnend mit Abt Marquard I. (1150-1165) bilden die Münzen den Kopf des Abtes ab und nennen auch seinen Namen. Später werden die Namen der Äbte mit vier Buchstaben abgekürzt – etwa CUNR für Cunrado oder HENR für Heinrich. Diese Abkürzung war eine Fuldaer Spezialität. Zu dem Fuldaer Stil gehörte auch, dass der Abt als Halbfigur, also bis zur Hüfte, gezeigt wurde.

„Die Münzen stellen zudem zunehmend im Hintergrund eine Architekturkulisse dar. Auch wenn keine realen Gebäude gezeigt wurden, ist die Darstellung doch ein Zeichen dafür, dass Fulda auf dem Weg vom ummauerten Klosterbezirk zur Stadt war“, sagt der Numismatiker. Ein funktionierendes Münzwesen auf der Basis eigener, Fuldaer Münzen war auch Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Künstlerischer Höhepunkt der Fuldaer Brakteaten im späten 12. Jahrhundert

Im späten 12. Jahrhundert, einer Zeit der engen Bindung der Abtei Fulda an Kaiser Barbarossa, erreichten die Fuldaer Brakteaten ihren künstlerischen Höhepunkt. Die Münzen wurden bis zu 42 Millimeter groß, sind ausgesprochen detailreich und zeigen den Abt auf einem Bischofsstuhl oder einem Bogen thronend, zwischen Kirchengebäuden.

Eine wichtige Sammlung für mittelalterliche Münzen besitzt das Vonderau Museum. 1500 Fuldaer Münzen und weitere 1000 Nicht-Fuldaer Prägungen sind hier gesammelt, berichtet Peter. In dem Museum hat er in der Ausstellung Fulda handelt, Fulda prägt“ als Mit-Kurator für den Bereich Münzen, Medaillen und Geld gewirkt.

Münzen tauchen in Michaelskirche auf - Versteck vor Räuberbanden

Dass der Nachwelt viele Münzen überliefert sind, hat mit einem Zufall zu tun: 1897 wurde in der Michaelskirche unter einer Bodenplatte ein Schatz von 3000 Münzen gefunden, die das Kloster um 1116 vor bewaffneten Räuberbanden versteckt hatte.

Für seine Forschungen hat die Numismatische Kommission Johannes Peter seinen Nachwuchspreis „Walter-Hävernick-Preis“ verliehen. Die Kommission lobt Peters Arbeit als „beispielhaftes Werk, das wissenschaftliches Neuland erschließt, über die Fachgrenzen hinaus wirkt und in seiner sprachlichen Gestaltung vorbildhaft ist.“

Lesen Sie hier: Archäologen graben in der Langebrückenstraße. Die Neugestaltung der Fuldaer Stadtmauer ist fast abgeschlossen. Und: Alte Grenzsteine - Königreiche und Adelshäuser in Stein gemeißelt.

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