Der Heimattiergarten wird 2023 Teil der Landesgartenschau sein und dann Tiergarten Fulda heißen. Bis dahin wird in Neuenberg ein neues Konzept erarbeitet.
+
Der Heimattiergarten wird 2023 Teil der Landesgartenschau sein und dann Tiergarten Fulda heißen. Bis dahin wird in Neuenberg ein neues Konzept erarbeitet. (Archivbild)

Umbau läuft

Keine Futtertüten mehr: Tiergarten Fulda erklärt sein neues Konzept

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
    schließen

Der bisherige Heimattiergarten wird 2023 Teil der Landesgartenschaufläche sein und dann Tiergarten Fulda heißen. Bis dahin wird in Neuenberg ein neues Konzept erarbeitet. Schon jetzt läuft der Umbau.

Fulda - Eine grundlegende Frage steht über allem - auch beim Heimattiergarten Fulda. „Ist es überhaupt noch zeitgemäß, einen Tiergarten zu betreiben? Gesellschaftlich steht ein großes Fragezeichen dahinter“, sagt Alexander Sust, der sich als Landschaftsplaner und als Geschäftsführer des zuständigen Umweltzentrums mit dem Tiergarten befasst.

„In fast allen Tiergärten leben die Tiere nicht wie in ihrem natürlichen Lebensraum. Das kann zu einem Fehlverhalten und psychischen Erkrankungen führen. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir die entsprechenden Bedingungen schaffen“, so Sust weiter. Allein die topographischen Bedingungen stellen in der Hohle mit ihrem „Kleinklima“ in Fulda eine Herausforderung dar. „Schon deshalb konnte der Tiergarten früher nicht alles für das Tierwohl richtig machen.“

Fulda: Tiergarten erklärt sein neues Konzept zur Landesgartenschau - ohne Futtertüten

Im Fokus steht dabei die Begegnung von Mensch und Tier. „Diese erfüllt soziale Bedürfnisse. Das zeigt sich schon daran, dass Menschen Haustiere halten“, erläutert Sust. Die Planungen sehen vor, dass im Tiergarten die Besucher in direkten Kontakt mit den Tieren treten können. „Wir wollen zeigen, dass das mehr bedeutet, als mit der Futtertüte zu Gehegen zu gehen“, sagt der Planer.

Sust ist sich durchaus bewusst ist, dass die Umstellung gewöhnungsbedürftig wird. Bei den Tieren dauere das nur ein paar Monate, bis sie lernen, dass der Mensch nicht dazu da sei, ihnen Futter zu bringen, und sie das aggressive Betteln ablegten. „Bei den Menschen wird es wohl länger dauern, bis sie eine neue Einstellung gegenüber den Tieren entwickeln“, vermutet er und spricht von einer Transformation.

„Wir schauen gerade, welche Tiere überhaupt zum Gelände passen und bei welchen Tieren sich das Sozialverhalten für das Konzept eignet“, sagt der Regionalentwickler. Schafe und Ziegen, die dort beheimatet sein werden, etwa seien Herdentiere, die einen hohen sozialen Bezug untereinander und zu Menschen entwickelten. Gezeigt werden aber auch Lamas, obwohl diese eigentlich Einzelgänger seien.

„Ganz bewusst“, sagt Sust, „wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass alle Tiere auf Menschen zugehen.“ Gehalten werden sollen im Tiergarten künftig nur kleine Herden – schon allein aus Platzgründen. Dann sollen den Tieren große Weideflächen zur Verfügung stehen, sodass ein Zufüttern in großem Maße nicht notwendig wird. Dabei geht es laut dem Planer um die Tiergesundheit.

Der Heimattiergarten wird zum Tiergarten Fulda und erhält rechtzeitig zur Landesgartenschau, deren Teil er 2023 sein wird, ein neues Konzept. Auf dem Gelände sollen sich Menschen und Tiere begegnen können.

Ponys und Esel etwa sollen sich bewegen und sich nicht auf der Weide vollfressen. „Dazu greifen wir auf einen Trick zurück: Wir schaffen einen sogenannten Trail mit verschiedenen Stationen zum Spielen, Scheuern oder Knabbern. So legen die Tiere im Tagesverlauf mehrere Kilometer zurück“, erläutert Sust. In Begleitung könnten die Besucher direkt zu den Tieren gehen, denen aber auch ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stünden.

Leben werden Ponys, Esel, Lamas und Rinder auf einem Hochplateau. Emus, Kängurus, Eulen und Hühnervögel werden in der Hohle angesiedelt. Während Schafe und Ziegen in der Nähe des künftigen Torhauses, in dem neben Büro und Schulungsräumen auch eine Gastronomie samt Biergarten vorgesehen ist, ihren Platz finden sollen (lesen Sie auch hier mehr: Zuflucht für seltene Vogelarten: Neues Artenschutzhaus im Tiergarten Fulda).

Hintergrund: Historie

Der Heimattiergarten – künftig Tiergarten – liegt in einer Hohle im Stadtteil Fulda-Neuenberg. Die Lage ist laut Alexander Sust historisch bedingt und eng mit der Entwicklung Fuldas und des Stadtteils verbunden. In der Schneise an der Abbruchkante Richtung Fulda Galerie befand sich einst ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Schweinehaltung.

Der dortige Eichenbestand bot den Tieren eine gute Nahrungsgrundlage. „Das Areal ist ein hochinteressanter Landschaftsausschnitt: Hochplateau, Auen und die Hohle mit dem Schluchtwald bilden drei Landschaftsräume mit unterschiedlichen Ästhetiken“, sagt der Regionalentwickler. Dies soll sich in dem Gelände künftig widerspiegeln.

In diesem Bau werden die Besucher in Volieren die papageienartigen Vögel finden. Affen werden allerdings nicht mehr gehalten. „Wir mussten uns von einzelnen Tieren trennen, das war mitunter eine hochemotionale Entscheidung“, sagt Sust. Dass ein solches Konzept in die Landesgartenschau (LGS) einfließt, dürfte neu sein (lesen Sie auch hier mehr: Millionenprojekt mit Langzeitwirkung: Das Tor zum neuen Heimattiergarten Neuenberg).

„Uns ist keine Gartenschau bekannt, die einen Tierpark in dieser Größenordnung in das Ausstellungskonzept eingebunden hat. Andernorts gab es spezielle Flächen, in denen zum Beispiel Schafe und Ziegen in kleineren Gehegen zu sehen waren. Die Besonderheit hier ist der außergewöhnliche pädagogische Ansatz der Mensch-Tier-Begegnung“, betont LGS-Geschäftsführer Marcus Schlag.

Video: Safari-Erlebnis in Thüringen

Die Arbeiten des ersten Bauabschnitts am Wirtschaftshof und dem Hochplateau sind unterdessen bereits abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt, in dem die barrierefreie Erschließung der Hohle und der Bau des Torhauses anstehen, liege im Plan. Der dritte Bauabschnitt, in dem die Bestandsgebäude in der Hohle zurückgebaut werden sollen, ist bis 2023 angesetzt, könne aber auch noch während der laufenden Landesgartenschau fortgesetzt werden.

Finanziert wird der Umbau des Tiergartens mit Mitteln von Stadt und Landesgartenschau. Dazu würden verschiedene Fördertöpfe genutzt. Eine genaue Bezifferung der Investitionssumme ist laut Sust aufgrund der Mischfinanzierung schwierig. Insgesamt sei aber von einem „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ auszugehen .Betrieben wird der Tiergarten über das Umweltzentrum mit pädagogischer Leitung, Tierpflegern und Freiwilligen im Ökologischen Jahr sowie einem Stamm ehrenamtlicher Helfer, die alle im Mensch-Tier-Begegnungskonzept geschult sind.

Das könnte Sie auch interessieren