Strafgesetzbuch auf einem Tisch während einer Verhandlung
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Einer der beiden Angeklagten gelangte durch eine Verwechslung auf die Anklagebank. (Symbolfoto)

Urteil am Landgericht Fulda

Nach Überfall mit Axt und Messer: Angebliche Verwechslung beim zweiten Angeklagten

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Wegen Beihilfe zum Raub ist am Mittwoch ein 30-Jähriger vor dem Landgericht Fulda zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Ein zweiter 25-jähriger Angeklagter wurde freigesprochen.

Fulda - Zu Beginn des Verfahrens hatte die Anklage beiden Männern noch gemeinschaftlichen schweren Raub vorgeworfen. Wie die Staatsanwaltschaft eingangs ausführte, wurde den beiden Angeklagten vorgehalten, am 14. Juni 2016 ein Pärchen in Fulda maskiert mit einer Axt und einem Messer bewaffnet überfallen zu haben, wobei sie 575 Euro sowie 15 Gramm Marihuana erbeutet hätten.

Die beiden Opfer waren zumindest dem 30-jährigen Angeklagten, der zur Tatzeit in Fulda lebte und mittlerweile in Bad Camberg wohnt, bekannt: „Ich war ein Graskunde“, erläuterte er die Beziehung zu dem Pärchen, das vor Gericht aussagte, zur damaligen Zeit gelegentlich Marihuana an Freunde und Bekannte verkauft zu haben. Der Mann räumte ein, am Tatabend in der Wohnung der beiden gewesen zu sein, jedoch nur, um Drogen zu kaufen. Weil das Paar ihn aber nicht wie üblich anschreiben lassen wollte, sei er frustriert wieder abgezogen – an dem anschließenden Überfall sei er weder beteiligt gewesen noch habe er etwas davon gewusst.

Vor Fuldaer Landgericht: Angeklagter leugnet Absprache per SMS

Das nahm ihm der Vorsitzende Richter, Dr. Jochen Müller, nicht ab: „Wir haben hier jede Menge Telefondaten“, stellte Müller fest und hielt dem Angeklagten neben zahlreichen Anrufen bei den beiden Geschädigten, die am fraglichen Abend erfolgt waren, auch eine SMS vor. In der gelöschten und wieder rekonstruierten Nachricht wies der Angeklagte einen gewissen „Pipapup“ an: „Sofort einer zu dem Typ. Nicht vergessen. Oder zu der Frau, je nachdem, wer die Tür öffnet.“ Doch auch nach eingehender Befragung durch Richter Müller blieb der Angeklagte dabei, weder einen „Pipapup“ zu kennen noch zu wissen, was es mit der SMS auf sich habe. Für die Erinnerungslücken machte er seinen damaligen Drogenkonsum verantwortlich.

Fuldaer Richter redet dem Angeklagten ins Gewissen

Doch es gab noch mehr Ungereimtheiten, die das Gericht stutzig machten: So habe der damals chronisch klamme Angeklagte einen Tag nach dem Raub wieder über Geld verfügt. Zudem hatte das Pärchen bei der Vernehmung durch die Polizei, wenn auch zögerlich, die Vermutung geäußert, der 29-Jährige sei einer der Maskierten gewesen.

„Sie stecken in dieser Sache so dick drin, das wissen Sie gar nicht“, redete Richter Müller auf den Angeklagten ein, der schließlich gestand: Er sei wütend über den geplatzten Deal gewesen und habe direkt nach dem Verlassen des Hauses zwei Bekannte aus der Drogenszene getroffen. Diesen habe er erzählt, dass bei den beiden etwas zu holen sei. Er habe mit dem Paar einen zweiten Deal vereinbart und mit einem Anruf dafür gesorgt, dass die Tür geöffnet wurde, woraufhin die Bekannten die Tat begangen hätten. Die Beute sei nicht mit ihm geteilt worden. Der zweite Angeklagte habe jedoch nichts mit der Tat zu tun, es handle sich um eine Verwechslung wegen einer Namensgleichheit.

Urteil vom Landgericht Fulda ist rechtskräftig

Dieser Version der Verteidigung stimmten schließlich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Strafkammer zu. Nachdem beide Seiten für den 30-Jährigen eine Bewährungsstrafe von acht Monaten wegen Beihilfe zum Raub und für den 25-Jährigen einen Freispruch gefordert hatten, kam Richter Müller dem nach. Er verurteilte den 30-Jährigen außerdem zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der Jurist deutete bei der Urteilsverkündung zudem an, dass er die Version des Angeklagten nicht vollumfänglich glaubte: „Dass bei diesem Raub nichts für Sie herausgesprungen sein soll, ist die Schwachstelle Ihrer Argumentation. Aber wir können sie nicht widerlegen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

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