Im Altensteinschen Palais (oben) amtierte das Fuldaer Kreisamt von 1821 bis 1828.
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Im Altensteinschen Palais (oben) amtierte das Fuldaer Kreisamt von 1821 bis 1828 und dann nochmals von 1851 bis 1921.

Büro in Gastwirtschaft

Landkreis Fulda wird 200 Jahre alt: Friedrich Fondy war erster Landrat – mit vier Mitarbeitern

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Auch wenn es keine große Party gibt: Der Landkreis feiert heute Geburtstag. Er wird 200 Jahre alt. Am 1. Dezember 1821 nahm Friedrich Fondy, der erste Fuldaer Landrat, die Arbeit auf – mit gerade einmal vier Mitarbeitern. Sein Stellvertreter machte Karriere in der Stadt Fulda.

Kreis Fulda - Über Jahrhunderte hatte das Hochstift Fulda, regiert von Äbten und Bischöfen, die Region geprägt. In den Napoleonischen Kriegen wurde das geistliche Fürstentum 1803 aufgelöst. Nach den Kriegen kam das Fuldaer Land 1815 zunächst zu Preußen, 1816 dann zum Kurfürstentum Hessen-Kassel.

Als Kurfürst Wilhelm II. im Februar 1821 nach dem Tod seines Vaters die Macht übernahm, nahm er sich vor, eine moderne Verwaltung nach dem Vorbild Preußens aufzubauen. Dazu gehörte die Schaffung von Kreisämtern – im Fuldaer Land in Fulda und in Hünfeld.

Der erste Kreisrat – nach heutigem Verständnis Landrat – wurde Friedrich Fondy. Der Jurist wohnte zunächst noch in Hünfeld, wo er acht Jahre Amtmann (Justizbeamter) gewesen war. Schon vor Beginn seiner neuen Tätigkeit stellte sich ihm ein Problem, das ihn während seiner gesamten, 20 Jahre währenden Amtszeit beschäftigen sollte, wie in dem Buch „175 Jahre Landkreis Fulda“ beschrieben wird. (Lesen Sie auch: Wegen Corona: Landkreis Fulda verschiebt großes 200-Jahr-Jubiläum auf 2022)

Fulda: Landkreis wird 200 Jahre alt - Friedrich Fondy war erster Landrat

Fondy brauchte nicht viele Räume. Doch die Stadt Fulda – die bis 1927 nicht kreisfrei war, sondern dem Kreis angehörte – half nicht: Die Räume, auf die Fondy ein Auge geworfen hatte, erklärte sie für unverzichtbar. Fündig wurde Fondy nach langem Suchen im Altensteinschen Palais.

Der Gastwirt Valentin Schneider hatte das Haus 1816 gekauft und in ihr eine Gastwirtschaft untergebracht. Weil er nicht alle Räume brauchte und er sich von den Behördenbesuchern eine Umsatzsteigerung erhoffte, vermietet er dem Kreisamt drei Räume: den „Salon“ als das Arbeitszimmer der Behörde, einen Holzschuppen im Hof und die Privatwohnung für Fondy. Schneider vermietet auch Tische und Stühle.

Fondy hatte nicht viele Mitarbeiter: Sein Stellvertreter war Kreissekretär Franz Rang. Dabei handelt es sich nicht um den späteren Fuldaer Oberbürgermeister (der erst 1831 geboren wurde). Ferner waren zwei „Expedienten“ (Schreiber) beschäftigt und ein „Kreisbereiter“, der mit dem Pferd unterwegs war und in den Gemeinden nach dem Rechten schaute. Anfang Januar 1822 war das Kreisamt Fulda arbeitsfähig.

Friedrich Fondy war erster Landrat - und hatte gerade einmal vier Mitarbeiter

In Hünfeld nahm Landrat Aloys Maier am 28. Januar 1822 die Arbeit auf. Der Fuldaer Jurist war zuvor Amtmann in Fulda gewesen. Er blieb 30 Jahre lang im Amt. Er bezog in dem ehemaligen Dechanei-Gebäude südlich der heutigen evangelischen Kirche – wie sein Kollege in Fulda – ärmliche Räume. Auch Maier lebte mit seiner Familie im Dachgeschoss des Dienstgebäudes. 1853 bekam der Hünfelder Landrat einen Neubau in der Hauptstraße 29.

In Fulda musste Fondy 1828 neue Räume suchen, denn der kurhessische Staat hatte das Altensteinsche Haus gekauft und hier das Obergericht, die Provinzialregierung und weitere Behörden untergebracht. Der Kurfürst hatte die Kreisstädte verpflichtet, für die Landratsämter Räume zu stellen. So kam das Kreisamt im Mai 1828 im oberen Stockwerk des neuen Rathauses Unterm Heilig Kreuz unter.

Kreisverwaltung blieb bis 1851 im Altensteinsche Palais

Die Stadt wollte die Räume doch bald zurückbekommen. Die Kreisbehörde zog deshalb 1837 in die ehemalige fürstbischöfliche Landesbibliothek, die heutige Theologische Fakultät. Aber auch hier wurde es zu eng. Die Kreisverwaltung zog 1851 zurück ins Altensteinsche Palais, wo sie bis 1921 blieb.

Zuvor, im Jahr 1834, hatte der Kurfürst Städten und Gemeinde die Selbstverwaltung zugebilligt. Die Gemeinderäte und Bürgermeister wurden von den Bürgern gewählt. Die Kreisämter hatten die finanziellen Verpflichtungen der Gemeinden zu genehmigen und die Rechnungen zu prüfen. Am 14. November 1834 ordnete der Kurfürst an, dass ein Kreisrat ab sofort die Bezeichnung Landrat führte. Da hatte sich die Fuldaer Kreisverwaltung schon längst etabliert.

Ein Interview mit dem amtierenden Landrat Bernd Woide zum Jubiläum 200 Jahre Landkreis Fulda lesen Sie der Printausgabe der Fuldaer Zeitung vom 1. Dezember und im E-Paper.

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