Marcel Waber ist Landschaftsgärtner in Fulda. Im Frühjahr bepflanzt er unter anderem die Beete im Schlossgarten neu.
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Marcel Waber ist Landschaftsgärtner in Fulda. Im Frühjahr bepflanzt er unter anderem die Beete im Schlossgarten neu.

Opa gab den Impuls

Schlossgarten, Spielplatz, Schreibtisch: Das sind die Aufgaben von Landschaftsgärtner Marcel Waber

  • Jana Albrecht
    VonJana Albrecht
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Marcel Waber fühlt sich zum Landschaftsgärtner berufen. Seit vier Jahren ist der 32-Jährige als solcher beim Amt für Grünflächen und Stadtservice tätig. Gemeinsam mit einem Team aus Gärtnern kümmert er sich um rund 250 Grünflächen in der Stadt Fulda und 128 Spielplätze. Teil 7 unserer Berufe-Serie „Berufen zum...“

Fulda - Es ist Freitagmorgen, 9 Uhr. Der erste Frost liegt auf den Dächern und im Amt für Grünflächen und Stadtservice in Fulda herrscht reges Treiben. Marcel Waber, Landschaftsgärtnermeister für Garten- und Landschafts-, Spielplatz- und Sportplatzbau, checkt bereits seine Mails, hoch oben im Turm des Gebäudes.

Gärtnermeister Rolf Suchy (64) will dabei gleich einmal mit Klischees über seine Zunft aufräumen: „Gärtner ist nicht gleich Gärtner und nicht jeder, der einen Rasenmäher schieben kann, ist automatisch ausgebildeter Gärtner“, erklärt Suchy und lacht.

Lektion Nummer eins am heutigen Tag: Der Beruf des Gärtners unterscheidet sich je nach Fachgebiet. So gibt es unter anderem den Gärtner der Baumschule, der für die Aufzucht von Jungpflanzen zuständig ist, den Gärtner für Blumen- und Zierpflanzenanbau, den Friedhofsgärtner, den Obst- und Gemüsegärtner und andere Spezialisten, die sich zum Beispiel mit der Begrünung von Dächern beschäftigen.

Fulda: Unterwegs mit einem Landschaftsgärtner - Dieses Klischee stimmt nicht

Nach einem schnellen Kaffee und zwei kurzen Telefonaten beginnt Wabers straffer Zeitplan. Als Erstes wirft er einen Blick auf die Zeichnungen zur Bepflanzung der Terrasse der Orangerie für das kommende Jahr. „In Absprache mit meinen Kollegen habe ich einen Plan für die Bepflanzung entworfen“, sagt Waber und zeigt stolz eine bunte Skizze, die circa 4000 Pflanzen von klassischen Begonien über weiße Sonnenlieschen bis hin zu Silbereichen vorsieht. „Im Gegensatz zu früher, als man nur eine geringe Farbpalette mit Geranien und Begonien zur Verfügung hatte, können wir uns heute aus einem 250-seitigen Katalog bedienen“, erklärt der Gärtnermeister aus Leidenschaft.

Mit dem von Hand gezeichneten und beschrifteten Plan geht es in die Abteilung der technischen Zeichnung. Dort wird der Plan digitalisiert und die Art und Stückzahl der zu bestellenden Pflanzen dokumentiert. Für den Entwurf eines solchen Plans benötigt der 32-Jährige circa vier Wochen: „Zunächst muss das Budget ins Auge gefasst werden. Dann male ich mir vor meinem inneren Auge aus, wie es aussehen könnte und hole mir Inspiration in unserer Gärtnerei und im Katalog. Erst dann wähle ich die Pflanzen aus, um eine möglichst schöne Farbenpracht erzeugen zu können.“

Den künstlerischen Aspekt seines Berufes und ein Stück weit perfektionistisches Denken, damit zum Beispiel der Schlossgarten ein absoluter Hingucker wird, möchte der Mitdreißiger nicht missen, betont Waber.

Allein in den Sommermonaten ist Waber mit seinen Kollegen für rund 70.000 Pflanzen und circa 250 Blumenkästen und Pflanzkübel in der Stadtregion zuständig, die geplant, bepflanzt und im Herbst entweder in der Gärtnerei überwintern oder fachgerecht entsorgt werden müssen.

Einblicke in die Arbeit eines Landschaftsgärtners in Fulda

Auch in seiner Freizeit gehe Waber wachen Auges durchs Leben, um Ideen für neue Kreationen zu sammeln – da schweift der Blick während eines Spaziergangs auch hin und wieder in fremde Gärten. „Es ist immer traurig, zu sehen, wenn Leute das gesamte Laub aus dem Garten entsorgen. Das ist für Kleintiere und Insekten ein lebenswichtiger Raum, vor allem gerade jetzt zur Überwinterung“, sagt der Naturliebhaber, der in seinem eigenen Garten zwar auch penibelst auf seinen Rasen achte, aber immer auch Raum für Insekten und andere Kleintiere schaffe.

Der Impuls Gärtner zu werden, kam von seinem Großvater: „Mein Opa hat mich schon sehr früh im Garten mitarbeiten lassen - da habe ich die Natur lieben gelernt“, erklärt Waber den ersten Schritt hin zu seinem Traumberuf.

Seine heutige Mission führt Waber aber nicht nur in die Natur: Anstatt Blumenbeete umzugraben, zu bepflanzen oder Unkraut im Stadtpark zu jäten, geht es auf einen Rundgang durch einige Grünflächen und Spielplätze in der Stadtregion – zur Begutachtung und Kontrolle.

Telefonieren und Aufträge schreiben gehört auch zum Beruf

„Ich bin tatsächlich auch sehr viel mit Telefonieren und Aufträge schreiben beschäftigt“, erklärt er und wie auf Kommando klingelt sein Telefon und der erste Stopp für den heutigen Tag ist festgelegt: Biobauer Michael Bott, der gerade die Grünflächen in der Fulda-Galerie mäht, braucht einen fachmännischen Rat.

„Auch beim Mähen achten wir darauf, dass wir genug Naturwiese für die Bienen und Insekten stehen lassen“, erklärt Waber und betont: „Deshalb habe ich auch Herrn Bott mit dem Mähen beauftragt – mit einem Balkenmäher lässt sich das Gras mit einem besonders glatten Schnitt mähen, dadurch werden Insekten nicht geschreddert.“ Außerdem werde immer nur ein Drittel einer Parzelle gemäht, um Kleintieren wie Bienen und Insekten ihren Lebensraum zu erhalten.

Die Serie

In der Serie „Berufen zum ....“ stellen wir Berufe vor, die eher eine Berufung sind, und stellen den Alltag der Menschen vor, die sich berufen fühlen. Im ersten Teil der Serie ging es um den Beruf des Polizisten. Alina Komorek war nachts auf Streife mit zwei Beamten der Fuldaer Polizei. Im zweiten Teil der Serie begleitete Sophie Brosch einen Landwirt bei seiner Arbeit. Uwe Müller de Vries hat dabei unter anderem verraten, wie das Wetter seine Arbeit beeinflusst.

Der dritte Teil der Serie befasste sich mit dem Beruf des Profifußballers. Celina Lorei besuchte einen Tag Kenan Mujezinovic vom FSV Frankfurt. Im vierten Teil der Serie hat Noél Urner den Pfarrer Togar Pasaribu besucht. Außerdem erhielt Leon Weiser im fünften Teil der Serie Einblicke in die Arbeit von Richter Carsten Schütz, der verrät, dass ihn ein Fall lange begleitet hat. Im sechsten Teil der Serie erhielt Volontärin Alina Komorek Einblicke in die Arbeit einer Hebamme.

Doch nicht nur die Betreuung und Kontrolle der zu mähenden Wiesen gehört zur Aufgabe des Mitdreißigers, auch diejenige der stadteigenen Gärtnerei. Dort angekommen, werden gerade die ersten Kübel zur Überwinterung eingefahren. „Wir sind hier ein großes Team. Ich spreche mich immer mit den Kollegen vor Ort ab, welche Materialien sie für die Neubepflanzung im Frühjahr benötigen.“ Mit Handy und Maßband fotografiert der Gärtner die zu bestellenden Kübel. „Damit kann ich mir meine Aufgaben und Bestellungen, die ich tätigen muss, am besten merken“, sagt er.

Dass die Gewächshäuser momentan etwas verlassen wirkten, sei um diese Jahreszeit normal: „Das wird sich in ein paar Monaten ändern, dann herrscht hier eine Blumenpracht wie aus dem Bilderbuch und die Gewächshäuser platzen aus allen Nähten.“ Denn im Frühjahr werden auch die Grünflächen der Stadt Fulda neu bepflanzt – wie zum Beispiel die Terrasse der Orangerie oder der Schlossgarten, erklärt Waber. „Dort lege ich dann auch gerne mal selbst Hand mit an und helfe beim Beete pflanzen“, sagt er.

Video: Rasenpflege vor dem Winter: Darauf müssen Sie achten

Auch der Schlossgarten steht unter der Obhut Wabers – dort werde in der Herbstzeit „aufgeräumt“. Das heißt unter anderem: das Plateau am Teich saubermachen, den Teich von Pflanzenwucherungen befreien und die Mauer des Schlossgartens von Graffiti-Kritzeleien bereinigen. „Das mache ich nicht selbst, aber ich beauftrage die Zuständigen Personen mit den Arbeiten und muss immer im Blick haben, wann was gemacht werden muss“, sagt er und verweist auf ein weiteres Aufgabenfeld seines Berufs.

Als Naturliebhaber war Waber jedoch nicht nur als Kind im Garten seines Opas tätig, sondern auch auf Spielplätzen unterwegs – auch hier ist der 32-Jährige heute noch regelmäßig, wenn er und seine Kollegen die insgesamt 128 Spielplätze betreuen. Dabei ist das oberste Gebot des Landschaftsgärtners: „Spielgerät geht vor Blumenbeet“, denn die Sicherheit der Kinder stehe schließlich an erster Stelle.

„Ich kontrolliere regelmäßig die Spielplätze in und um Fulda. Damit generiere ich meine Arbeit quasi selbst – irgendetwas muss immer erneuert werden, sei es ein hakendes Spielgerät oder zu wenig Sand unter dem Klettergerüst“, sagt Waber, der jährlich circa 1000 Aufträge für die Spielplatzanlagen im Kreis schreibt.

Das sei eine Wissenschaft für sich, erklärt Waber, denn je nach Höhe des Spielgerätes variiere das Material des Bodenbelags von Rasen bis hin zu Sand und die Höhe der Schicht zwischen 30 und 40 Zentimetern. „Ist ein Spielgerät höher als vier Meter, muss das Spielgerät so gebaut sein, dass ein Kind nicht hinunterfallen könne, erklärt Waber den spielerischen Aspekt seines Traumberufs, im Wissen, dabei selbst immer ein Stück weit Kind zu bleiben.

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