Fulda: Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten - unter anderem bei der Kartoffelernte.
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Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten - unter anderem bei der Kartoffelernte.

Mehr als Tiere füttern

Einblicke in Alltag eines Landwirts: Wie das Wetter die Arbeit beeinflusst

Einer der ältesten Berufe: Seit jeher versorgen Landwirte die Menschen mit Grundnahrungsmitteln. Doch die Wenigsten wissen, dass zum Alltag eines Landwirts mehr gehört, als Tiere zu füttern und Traktor zu fahren. Teil 2 unserer Berufe-Serie „Berufen zum...“

Haimbach - Am Montagmorgen um 7.50 Uhr erwartet mich auf dem Antoniushof im Kreis Fulda ein nur mittelmäßig gelaunter Uwe Müller de Vries. Der Grund hierfür: Das schlechte Wetter. „Eigentlich wollte ich den Termin wieder absagen“, gesteht er missmutig. Die alte Bauernregel „Im August viel Regenschauer ist Verdruss für jeden Bauer“ scheint sich an diesem Tag zu bewahrheiten. Am Sonntag und an jenem Morgen hat es wieder geregnet, die Felder sind nass – und damit keine Ernte möglich. Dabei ist es genau das, was Müller de Vries an seinem Job am meisten Freude bereitet: Mit großen Maschinen über die Felder fahren.

Die erste Lektion lautet also: „Der Arbeitstag eines Landwirts richtet sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach dem Wetter“, erklärt der 21-Jährige. Also heißt es heute, das schlechte Wetter zu nutzen, um die Ernte an den kommenden Tagen vorzubereiten. Im Klartext bedeutet das: Maschinen warten und reparieren und sich dort auf dem Hof nützlich machen, wo man gebraucht wird. Denn im Laufe des Tages soll sich zeigen, dass der Landwirt unter anderem außerdem Techniker und Mechaniker ist.

Fulda: Wie das Wetter die Arbeit der Landwirte beeinflusst

Der erste Auftrag führt zur hofeigenen Biogasanlage. Um diese zu betreiben, bedarf es einer speziellen technischen Fortbildung. Denn die komplexe Anlage setzt ein besonderes Verständnis voraus. Eine digitale Anzeigetafel mit vielen Schaltflächen offenbart hohe Schwankungen im Gasvorrat und bereitet dem jungen Landwirt Kopfzerbrechen.

Biogas-Grünschnäbel verstehen bei solchem Fachgesimpel nur Bahnhof, sind aber von der Genialität der Anlage sichtlich beeindruckt. Beim Rundgang um das Gebäude mit der grünen Kuppel stiefeln wir an einem dampfenden Misthaufen vorbei. „Durch die Gärungsprozesse wird der Mist etwa 35 bis 40 Grad warm“, erklärt Uwe Müller de Vries. Der Mist werde in die Anlage gefüllt und daraus Biogas erzeugt, die Reste wanderten als Dünger auf das Feld. Simpel und doch faszinierend.

Einblicke in die Arbeit eines Landwirts: Unterwegs auf dem Antoniushof in Fulda

Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten
Sophie Brosch hat Einblicke in den Alltag eines Landwirts erhalten.  © Sophie Brosch

Im weiteren Verlauf des Tages zeigen sich neben technischem Verständnis eine Vielzahl anderer Fähigkeiten, die einen guten Landwirt ausmachen und die der Öffentlichkeit teilweise verborgen bleiben.

Auf einer zwölfminütigen, ruckeligen Traktorfahrt samt Anhänger, der vorher aus dem Schlamm befreit werden muss, begeben wir uns in Richtung Hochstift-Brauerei. Die Mission: Malzreste abholen, die nach dem Bierbrauen übrig geblieben sind und eine Delikatesse für die Kühe darstellen.

Hierbei offenbart Müller de Vries sein fachübergreifendes Wissen über Getreide: „Das Malz wurde aus unserer Sommergerste gewonnen. Diese wird absichtlich kaum gedüngt, da Proteine im Korn die Schaumbildung im Bier verursachen – und zu viel Schaum will ja keiner.“ Das Malz dampft wie der Mist, sein Geruch ist allerdings deutlich angenehmer. Es rinnt in den präzise geparkten Anhänger und erinnert an aufgeweichtes Müsli. Eine Leckerei für die Kühe, welche den ganzen Tag fressen sollen, um möglichst viel Milch zu geben.

Zurück am Hof wird der tatkräftige Müller de Vries freundlich an die Mittagspause erinnert. Es heißt also: Dreck von den Händen rubbeln und zu Tisch begeben. In dieser halben Stunde wird die soziale Seite des Berufslebens als Landwirt auf dem Antoniushof deutlich – denn man sitzt keinesfalls den ganzen Tag alleine auf dem Traktor.

Beim gemeinsamen Essen tauschen sich die Angestellten gegenseitig aus, untereinander werden Fachgespräche geführt oder Smalltalk gehalten. So bekommt man von allen Seiten etwas mit, sei es vom Kuhstall, der Verwaltung oder der anstehenden Biokontrolle.

Mit einer weiteren Facette des Berufs folgt die insgeheim kniffligste Aufgabe des Tages: Der 21-Jährige muss ein neues Ersatzteil in den Kartoffelroder einbauen und die Maschine dafür in ihre Einzelteile zerlegen. Beim Betreten der Hofwerkstatt steigt einem der beißende Geruch von Bremsenreiniger in die Nase. Dort befinden sich Chemikalien und Werkzeug, die auf dem Bauernhof Anwendung finden und mit denen der Landwirt umgehen können muss.

Die Serie

In der Serie „Berufen zum ....“ stellen wir Berufe vor, die eher eine Berufung sind, und stellen den Alltag der Menschen vor, die sich berufen fühlen. Im ersten Teil der Serie ging es um den Beruf des Polizisten. Alina Komorek war nachts auf Streife mit zwei Beamten der Fuldaer Polizei.

Für die anstehende Tätigkeit sind praktisches Denken und Handeln gefragt. Die Reparatur der technisch komplexen Maschine erfordert Fachkenntnis und Fingerspitzengefühl. Wer dies nicht besitzt, kann sich daran beteiligen, die Blätter des Roders von Unkraut zu befreien und so deren Verschleiß vorzubeugen. Keine anspruchsvolle Aufgabe, doch eine wichtige, wie Müller de Vries betont: „Das Blatt, das du gerade sauber machst, kostet allein ungefähr 7000 Euro.“ Den genauen Wert der Maschine kennt er nicht, vergleichbare Exemplare kosteten etwa 100.000 bis 120.000 Euro.

Am nächsten Tag beweist der wieder voll funktionstüchtige Kartoffelroder, dass der 21-Jährige auch als Mechaniker glänzen kann. Endlich darf er seiner Lieblingstätigkeit nachgehen. Denn das Wetter ist gut und dementsprechend auch die Stimmung des Landwirts: „Heute geht es richtig rund – wir sind seit 8 Uhr draußen auf dem Feld.“

Video: So funktioniert das Abdrehen der Sämaschine 

Oben auf der Erntemaschine strahlt er mit der Sonne und seinen fünf Kollegen um die Wette. Allen Beteiligten ist die Erleichterung über die guten Bedingungen anzumerken. Die unbeliebte Untätigkeit hat ein Ende und die Ernte geht voran. 30 bis 35 Tonnen Kartoffeln holen sie pro Hektar aus der Erde. „Im Vergleich zu den vergangenen trockenen Jahren, ist der Ertrag dieses Mal richtig gut“, freut sich Müller de Vries.

Bis in die späten Abendstunden wird gerodet und gedroschen – wieder bestimmt die Wetterlage, wann Feierabend gemacht wird. Staub und Dreck von Hof und Acker werden unter der Dusche abgewaschen. Doch nach der Ernte ist vor der Ernte, und der Blick auf die Wettervorhersage für die kommenden Tage zeichnet Sorgenfalten auf die Stirn des jungen Landwirts. (Von Sophie Brosch)

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