Die Geschwister Lukas Stock und Anne Reith stehen vor dem neuen Stall, in dessen Boden Schläuche liegen. In diesen fließt Wasser, das die bei der Gärung von Mist entstehende Wärme aufnimmt und im Technikraum des Stalls abgibt.
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Die Geschwister Lukas Stock und Anne Reith stehen vor dem neuen Stall, in dessen Boden Schläuche liegen. In diesen fließt Wasser, das die bei der Gärung von Mist entstehende Wärme aufnimmt und im Technikraum des Stalls abgibt.

Erfindergeist im Stall

Kuhfladen-Heizung: So funktioniert die innovative Anlage eines Landwirts aus Fulda

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Erfindergeist im Stall: Landwirt Lukas Stock (26) hat eine Fußbodenheizung der besonderen Art in dem Gebäude installiert. Sie wärmt den Technikraum – Energiequelle ist Kuhmist.

Bimbach - Mit etwa 37 Grad Celsius fallen die Hinterlassenschaften aus der Kuh in das Stroh. Bakterien im Dung lassen diesen natürlicherweise gären –, sodass die Kuhfladen lange nicht abkühlen. „Auf dem Boden im Stall dampft es manchmal richtig“, sagt Lukas Stock.

Der 26-Jährige betreibt mit seinem Vater einen Landwirtschaftsbetrieb im Großenlüderer Ortsteil Bimbach (Kreis Fulda). Sie züchten Rinder der Rasse Limousin und vermarkten deren Fleisch direkt in der Region. 2019 hatten die beiden einen neuen Stall am Ortsrand für rund 70 Kühe und Kälber gebaut.

Kreis Fulda: Landwirt aus Bimbach hat Kuhfladen-Heizung in Stall installiert

Es ist ein lichtdurchfluteter Hightech-Stall mit Ruhebereichen und Auslauffläche für die karamellbraunen Vierbeiner. Ein Automat unter der Stalldecke – er ist so groß wie ein Pkw-Anhänger – übernimmt das Einstreuen von Stroh; ausgemistet wird über einen vollautomatischen Schieber. Der Strom dafür stammt aus einer Photovoltaikanlage auf dem Stalldach. Menschliche Arbeitskraft ist nur noch bei der Fütterung nötig. „Wir haben versucht, unseren Stall möglichst energieeffizient zu gestalten“, sagt Stock. Das Gebäude am südwestlichen Ortsrand werde nahezu autark betrieben.

Da lag es nahe, auch in Sachen Heizung eine unabhängige Lösung zu finden. Schließlich darf die Technik und Wasserversorgung des weitgehend offenen Gebäudes im Winter nicht einfrieren. Statt dabei auf klassische Systeme wie Erdgas-, Öl- und Holzpellets-Heizung oder Solarthermie zu setzen, dachte Junglandwirt Stock weiter. Mit zwei Freunden aus dem Ort, die ausgebildete Anlagentechniker sind, erdachte er eine Heizung, die mit Kuhmist arbeitet. (Lesen Sie hier: Bio-Wein aus der Rhön: Hobby-Winzer Stefan Müller hat einen Weinberg bei Simmershausen angelegt)

So funktioniert die Kuhfladen-Heizung eines Landwirts aus Bimbach

„Ich habe mit ihnen zusammengesessen und wir haben in unserer Küche die Idee mit der Kuhfladen-Heizung besprochen“, erinnert sich der Bimbacher. Zwar finde sich zu dem Thema etwas im Internet; aber „eigentlich gibt es so etwas nicht“, sagt der 26-Jährige über die Heiztechnik. In der Region sind die Stocks wohl die einzigen; ihre Anlage ist ein selbst gebautes Unikat. Daher schauen immer mal Interessenten aus Nachbardörfern bei ihm vorbei, um sich die Technik anzuschauen.

Die Kuhfladen-Heizung funktioniert denkbar einfach, wie der Landwirt betont: In den Betonboden wurden beim Stallbau 600 Meter Schläuche verlegt. Rund ein Dutzend Helfer packten an einem Abend mit an – im Dorf hilft man sich; am Ende gab es ein kleines Heizfest. Wie in einer Fußbodenheizung eines Wohnhauses fließt durch die Schläuche Wasser. Es nimmt dabei die Wärme des körperwarmen und gärenden Dungs der Kühe auf; eine 20 Watt starke Pumpe bewegt das Wasser im Kreislauf.

Video: Kuhstall der Zukunft? Hightech-Bauernhof in Oberbayern

Weil auch im Boden des Technikraums des Stallgebäudes die Schläuche verlaufen, wird dieser mittels warmen Wassers geheizt. „Theoretisch wären 27, 28 Grad Heiztemperatur locker möglich“, erklärt Lukas Stock. Gebraucht würden jedoch nur 18 bis 20 Grad. Elektrik und Wasserleitungen sind damit im Herbst, Winter und Frühling vor Frost geschützt.

Obendrein kann ein kleiner Aufenthaltsraum temperiert werden. „Wenn eine Kuh in einer kalten Nacht kalbt und man warten muss, braucht man nun nicht mehr zu frieren“, erklärt Stocks Schwester Anne Reith, die immer mal auf dem Hof hilft. Die Heizung mache die Arbeit im Stall noch angenehmer. (Auch interessant: Im hohen Gras spüren Drohnen mit Wärmebildkameras junge Rehe auf)

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