Landwirtschaft/Grünfläche
Auch hier in Oberrode wäre es schon längst zum ersten Schnitt gekommen. In diesem Jahr sind die Landwirte jedoch zwei Wochen in Verzug.
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Auch hier in Oberrode wäre es schon längst zum ersten Schnitt gekommen. In diesem Jahr sind die Landwirte jedoch zwei Wochen in Verzug.

Bodentemperatur zu niedrig

Landwirte in Fulda in Verzug: Kälte macht Bauern zu schaffen - Es gibt aber „Raum für Hoffnung“

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Eigentlich könnte auf den Feldern derzeit Hochbetrieb herrschen. Doch Fehlanzeige. Die Landwirte sind unfreiwillig in Verzug. Ein Grund ist die anhaltende Kälte in den vergangenen Wochen.

Kreis Fulda - Die Maisaussaat neigt sich langsam dem Ende – in diesem Jahr ist es dafür jedoch schon fast zu spät. Den Grund dafür kennt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld: „Die Bodentemperatur ist einfach zu niedrig.“ Außerdem habe es in den vergangenen Wochen noch immer Nachtfröste gegeben. Optimal sind die Bedingungen in der Landwirtschaft derzeit also nicht. Für eine finale Prognose sei es aber noch zu früh: „Wir müssen abwarten. Erst Ende Juli kann man sagen, wie die Ernte in diesem Jahr ausfallen wird.“

Es gebe allerdings „Raum für Hoffnung, ich zeichne kein komplett düsteres Bild“, sagt Schramm, macht jedoch gleichzeitig deutlich, dass es unbedingt Niederschlag brauche. Zuletzt hat es in der Region viel geregnet, Meteorologen rechnen mit einem kalten und nassen Mai. Ein Hagel zur falschen Zeit hingegen könne wiederum einiges kaputt machen, weiß Schramm. Es sei von Jahr zu Jahr ein schmaler Grat.

Fulda: Kälte macht den Bauern zu schaffen

Peter Bleuel betreibt seine Landwirtschaft mit Sohn Gregor Bleuel in Oberrode. Er baut Weizen, Gerste, Roggen und Winterraps an. Der 53-Jährige ist in diesem Jahr optimistisch. „So weit ist alles in Ordnung.“ Sein Winterraps habe jedoch unter dem Frost gelitten. „Die Stängel sind aufgeplatzt“, berichtet er. Das sei vergleichbar mit einer offenen Wunde beim Menschen, die sich infizieren könne. In der Folge könne der Raps von innen heraus geschädigt werden – etwa mit einem Pilz.

Landwirt Norbert Krimmel aus Hünfeld ist ebenso optimistisch. Er baut Gerste, Roggen, Weizen und Raps an. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr sehen die Bestände gut aus, ich möchte nicht klagen“, sagt er. Dennoch: „Was am Ende rauskommt, kann ich noch nicht sagen. Das sehen wir in zwei bis drei Monaten.“

Ernte

Mais wird meist Ende April bis Anfang Mai ausgesät und im September oder Oktober geerntet. Getreidearten – wie etwa Weizen, Gerste, Roggen, Winterraps – werden schon im Vorjahr gesät und dann Ende Juli bis Anfang August geerntet.

Die Ernte von Grünland nennt man Schnitt. Der erste Schnitt fällt normalerweise auf Ende April bis Anfang Mai.

In höher gelegenen Gebieten wie etwa der Rhön können bis zu drei Schnitte im Jahr gemacht werden, in tieferen Regionen wie rund um Fulda sind vier bis fünf möglich.

Eine ähnliche Meinung hat auch der 25-jährige Lucas Schiebelhut, der einen Mutterkuhbetrieb in Dietges betreibt. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagt er. Ob er genug Futter für seine Tiere ernten werde, bleibe jedoch abzuwarten. Dennoch ist er optimistisch. „In diesem Jahr hatten wir einen besseren Niederschlag als in den vergangenen Jahren, in denen bereits der April sehr trocken war.“

Im Gründlandbereich wäre es in der ersten Maiwoche normalerweise zum ersten Schnitt gekommen. Doch: „Ich kenne niemanden in der Region, der den ersten Schnitt schon gemacht hat“, sagt Schramm. Zu warten sei auf die nächste Schönwetterphase. Die Landwirte befänden sich durch die Witterungsbedingungen etwa zwei Wochen in Verzug. Richten könne man sich beim ersten Schnitt etwa am Löwenzahn, sagt der Kreisbauernverbands-Geschäftsführer. Wenn dieser abblühe, dann nähere man sich der Silagereife.

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„Die Futterreserven werden von Jahr zu Jahr knapper“, sagt er außerdem. Daher müsse nun dringend neue Silage eingelagert werden. Dafür wäre der erste Schnitt vonnöten gewesen. Denn er bringe den meisten Ertrag und habe die beste Qualität. Der Grund: „Die Natur hat im Frühjahr die meiste Kraft.“

Werde das Futter knapper, müssten die Landwirte Futter zukaufen. Auch das könne sich flugs zum Problem entwickeln, denn es könnte zu einer erhöhten Nachfrage der Landwirte zur selben Zeit kommen, erklärt Schramm.

Auch Schiebelhut, der etwa 115 Hektar Grünland bewirtschaftet, hat den ersten Schnitt - Stand vergangenes Wochenende - noch vor sich. Er geht jedoch davon aus, dass dieser durchschnittlich ausfallen wird.

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