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Landwirte aus der Region Fulda spüren Folgen des Ukraine-Kriegs - Dünger-Preise verdreifacht

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Von: Suria Reiche

Seit Februar darf gedüngt werden. Was nicht zugekauft wird, stellt Christian Bug selbst her.
Seit Februar darf gedüngt werden. Was nicht zugekauft wird, stellt Christian Bug selbst her. © Suria Reiche

Der Winter war mild. Für Landwirt Christian Bug aus Petersberg-Böckels im Landkreis Fulda bedeutet das genau wie für die anderen Landwirte in der Region, dass das Wintergetreide keine Frostschäden abbekommen hat. Negatives kommt jedoch aus der Politik.

Petersberg - 140 Kühe stehen im Stall von Christian Bug und seiner Familie in Petersberg-Böckels im Landkreis Fulda. Einige liegen im Stroh, andere reiben sich an großen Bürsten, die an der Wand hängen. „Gestern hatten die Kühe eine Pediküre“, sagt Bug und erzählt lachend, dass ein Klauenpfleger da war, der das Horn an den Füßen gestutzt hat.

Nun stehen die Kühe wieder im Stall und fressen von der Futtermischung, die vor ihnen auf dem Futtertisch liegt. Bevor die Mischung hier gelandet ist, wuchs sie auf den Feldern und Wiesen, von denen 190 Hektar von Bugs Familie bewirtschaftet werden. Dort wird momentan damit begonnen, Düngemittel auszubringen. 

Fulda: Landwirte spüren Folgen des Ukraine-Kriegs - Dünger-Preise verdreifacht

Ab dem 1. Februar wäre das rein rechtlich möglich gewesen. Aber: „Es ist sinnvoll, erst damit zu beginnen, wenn die Pflanzen anfangen zu wachsen“, sagt der 34-Jährige. Der Boden sollte im besten Fall abgetrocknet sein, damit die schweren Maschinen, mit denen das Düngemittel ausgebracht wird, nicht steckenbleiben oder Schäden am Boden anrichten. 

Dank ihrer Biogasanlage können die Bugs aus den Futterresten und der Gülle der Kühe nicht nur Strom und Wärme erzeugen, sondern auch ihren eigenen Dünger produzieren. Die Preise für Mineraldüngemittel haben sich 2021 durch die Energiekrise etwa verdreifacht, weiß Bug. Nicht nur Autofahrer und „Häuslebauer“ haben also mit höheren Preisen zu kämpfen.

Der Dünger, der von Landwirten zugekauft wird, kommt laut Bug zum großen Teil aus China oder Russland. Also auch aus dem Land, das wegen des Kriegsgeschehen die Preise für viele Exporte verteuert hat. „Beim zugekauften Düngemittel ist mit einer weiteren Erhöhung der Preise zu rechnen“, so Bug.

Wenn Landwirte für den Dünger, den sie zukaufen, fortan tiefer in die Tasche greifen müssen, was bedeutet das dann für die Preise für Lebensmittel? „Wir müssen intensiv nach Lösungen suchen“, sagt Bug – und mit „wir“ meint er alle Landwirte. Eine mögliche Lösung sei, nachhaltig Humus aufzubauen.

Nach dem Beispiel der Natur werden organische Abfälle ausgebracht, damit sie von den Bodenorganismen zu Humus umgewandelt werden. Der Anbau von Zwischenfrüchten und der Einsatz von organischem Dünger hilft dem Boden dabei, Nährstoffe und Wasser zu speichern. Dafür habe jedoch nicht jeder Landwirt genügend Flächen.

Fulda: 140 Kühe stehen im Stall von Familie Bug

Mit dem Substrat aus seiner Biogasanlage und aus dem Zukauf sorgt der Böckelser dafür, dass das Getreide auf seinen Feldern optimal versorgt wird. „Sowohl der Boden als auch die organischen Dünger aus unserem Betrieb werden regelmäßig im Labor untersucht. Wir Landwirte wollen genau wissen, was in unserem Boden vor sich geht.“

Hier gehe es um eine zielgenaue Düngung, nicht um Entsorgung, erklärt Bug. In diesem Jahr könnte es mit dem Ernteziel weltweit kritisch werden, sagt er. Mit weniger Düngemittel gebe es weniger Ernte und die Qualität sei nicht sichergestellt. „Das ist ziemlich traurig. Aber wir leben eben in einer globalen Welt und in letzter Zeit sehen wir die Nachteile.“

Bug weiter: „Wir haben uns in vielen Bereichen wie Energie, medizinischer Versorgung und bald auch Ernährung abhängig gemacht.“  Für die 140 Kühe in Bugs Stall ist das Getreide von den Feldern Hauptnahrungsmittel. Wenn nun der Dünger knapp wird, heißt das aber nicht, dass die Tiere Hunger leiden müssen, betont er. Lediglich die Landwirte selbst würden merken, dass die Milchleistung ihrer Kühe nicht die gleiche sei, wenn die Qualität und die Menge des Futters nicht so gut ist, wie an anderen Tagen. 

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Zwar wurde die Aussaat in diesem Winter nicht von Frost beschädigt, etwaige Schädlinge aber auch nicht von ihm vernichtet. „Die Feldmäuse haben bei diesen milden Temperaturen nichts zu befürchten“, betont er.  Bug selbst hat genug Arbeit, auch wenn im Winter manches ruht. In der Regel seien der 34-Jährige und seine Familie auch in den Wintermonaten etwa sechs Stunden pro Tag im Stall und kümmern sich um „ihre Mädels“.

„Die kalten Monate werden zudem oft zur Wartung und Reparatur der Technik genutzt, um in den Arbeitsspitzen der nächsten Saison keine Zeit zu verschwenden“, erzählt der Junglandwirt.  Und dazu komme im Winter verstärkt die Arbeit im Büro, die sich in den wärmeren Monaten angehäuft hat. „Die Arbeit ist im Winter also etwa genau so aufwendig wie im Sommer, nur ein bisschen anders“, fasst der 34-Jährige zusammen. 

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