Erntereifes Getreide
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In der Region Fulda hat die Getreideernte begonnen. (Symbolfoto)

„Keine Super-Ernte“

Qualität lässt zu wünschen übrig: Landwirte in der Region Fulda haben mit Getreideernte begonnen

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Es ist wieder soweit: Auf den hiesigen Feldern herrscht Hochbetrieb – die Getreideernte hat begonnen. Landwirte der Region ziehen eine erste Bilanz. Die Erträge sind durchschnittlich, die Qualität schwächelt.

Kreis Fulda - „Es ist keine Super-Ernte“, sagt Landwirt Peter Bleuel aus Oberrode. Er hat in dieser Woche mit dem Dreschen der Wintergerste begonnen. Dennoch zeigt er sich nicht unzufrieden: „Der Ertrag ist durchschnittlich.“ Insbesondere für Futterbaubetriebe – also jene, die primär für das Füttern ihrer Tiere ernteten – sei es ein gutes Jahr, schließlich habe es genug geregnet. Seine Prognose für dieses Jahr ist dennoch eindeutig: „Es wird besser als im vergangenen Jahr.“

Fulda: Qualität der Getreideernte lässt zu wünschen übrig

Überrascht habe ihn in diesem Jahr das „schlechte Hektolitergewicht“. Das bedeutet, dass das Korn kleiner ist, als in den vergangenen Jahren. Dass das so ist, führt der Oberroder auf die hohe Regenmenge zurück. (Lesen Sie hier: Unwetter mit Starkregen und Hagel können Fulda treffen)

Norbert Krimmel aus Hünfeld hat ebenso bereits mit der Getreideernte begonnen. Auch er berichtet von einer schlechteren Qualität der Körner in diesem Jahr. Das Verhältnis zwischen Regen und Sonne habe nicht gestimmt. Dennoch spricht auch er von einem bis dato durchschnittlichen Ertrag.

Stichwort

Das Hektolitergewicht ist ein Wert, der die Dichte von Getreide bestimmt. Je geringer das Hektolitergewicht ist, desto geringer ist der Ertrag. Beim Verkauf muss das Hektolitergewicht mindestens 62 Kilogramm pro Hektoliter betragen, sagt Landwirt Peter Bleuel. Aktuell berichten hiesige Landwirte von einem geringeren Wert.

Besonders relevant ist die Qualität der Körner für den Hünfelder Landwirt, da er seine Erträge verkauft. Ob der schlechteren Qualität befürchte er Abzüge.

Über die Erträge der Raps-, Weizen- und Roggenernte, die erst in den kommenden Tagen und Wochen anstehen, könne Krimmel zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskunft geben. Er erwartet jedoch auch bei diesen Getreidesorten eine geringere Qualität. Aus diesem Grund ist der Landwirt bislang „nicht ganz zufrieden“.

Dass die Erträge regional sehr unterschiedlich ausfallen, zeigt sich im Gespräch mit Paul Jestädt, Landwirt aus Kleinlüder. Zwar erwarte auch er eine durchschnittliche Ernte. Dennoch empfindet er die Wachstumsbedingungen in diesem Jahr als günstig: „Die Gerste steht gut und hat genug Wasser abbekommen“, erklärt er. Zwar könne man eine aussagekräftige Bilanz erst ziehen, wenn die Ernte komplett abgeschlossen ist, doch der Kleinlüderer erwartet zufriedenstellende und höhere Erträge als in den vergangenen Jahren.

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Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld, erzählt von zahlreichen Rückmeldungen hiesiger Landwirte, die von „relativ starken Schwankungen im Ertrag“ sprechen.

Ähnlich wie die Landwirte berichtet auch er aufgrund des überdurchschnittlich hohen Niederschlags von kleineren Körnern bei der Gerste in diesem Jahr. „Die Gerste mag es einfach nicht zu nass“, erklärt er dazu. Der Regen habe diese Getreidesorte mitunter zum Umfallen gebracht, weshalb die Sonne die darunter liegenden Flächen nicht vollständig habe erreichen können. Schramm ist jedoch hoffnungsvoll, dass die Flächen wegen der positiven Wetterprognose in den kommenden Tagen weiter trocknen werden und die Erntebedingungen sich somit verbesserten. „Dennoch liegen die Erträge im Vergleich zu den trockenen vergangenen drei Jahren leicht über dem Durchschnitt“, sagt Schramm.

In den kommenden Wochen folgt die Ernte von Raps und Weizen. Ihr Ertrag ist aufgrund der regional starken Schwankungen im Niederschlag aktuell noch schwer vorherzusagen, sagt der Geschäftsführer. (Von Sarah Malkmus und Sophie Brosch)

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