Der 63-jährige Angeklagte wurde zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
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Der 63-jährige Angeklagte wurde zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Gefährliche Körperverletzung

„Ich bring‘ dich um, du Drecksack“: Fliedener (63) nach Radschlüssel-Attacke verurteilt

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Ein 63-Jähriger aus der Gemeinde Flieden stand wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Fulda. Einen Tötungsvorsatz sah die Kammer jedoch nicht. Der Mann wurde zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Fulda - Gefährliche Körperverletzung, versuchte gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und unerlaubter Waffen- und Munitionsbesitz – dafür wurde der 63-Jährige aus Flieden am Dienstag schuldig gesprochen. Damit ging ein umfangreicher Prozess vor dem Landgericht Fulda zu Ende. In seiner Urteilsbegründung fasste der Vorsitzende Richter Josef Richter zusammen: „An dieser Geschichte sieht man, zu was es kommen kann, wenn man nicht vernünftig miteinander redet.“

Die Verhandlung drehte sich hauptsächlich um eine Attacke mit einem eisernen Radschlüssel am 16. Januar 2019. „Die Tat hat eine lange Vorgeschichte“, erklärte der Richter, und berichtete, dass es zwischen der Raiffeisenbank in Flieden und dem Angeklagten bereits in der Vergangenheit „Differenzen wegen Grundstücksangelegenheiten“ gab. Nach einer Zwangsversteigerung eines Hofes ging dieser in das Eigentum der Fliedener Bank über.

Attacke mit Radschlüssel in Flieden: Auslöser war wohl eine Zwangsversteigerung

Der Angeklagte kümmerte sich an dem Hof um ein Dutzend Pferde. Als die Bank nach dem Versuch einer Zwangsräumung an einem Wintertag das Wasser abstellen ließ, konnte der 63-Jährige die Pferde nicht versorgen. Von der Zwangsräumung sei er laut eigenen Angaben von der verantwortlichen Person nicht informiert worden, was laut Richter, wenn dies stimmt, „Hauptgrund für die Eskalation“ gewesen war.

Der 63-Jährige fuhr mit seinem Traktor los. Er wollte die Bankangestellten aufsuchen und zur Rede stellen. Als er beim Ersten ankam, „schrie er lautstark und war sehr aggressiv“, erklärte der Richter. Er habe mit beiden Händen Richtung Hals und Gesicht des Mannes gegriffen, ihm eine Kratzwunde zugefügt und dann einen 40 Zentimeter langen, 850 Gramm schweren Radschlüssel aus Stahl aus der Tasche seiner Arbeitshose gezogen. Der 63-Jährige behauptete, dass er diesen nur zufällig bei sich trug, weil das Werkzeug zuvor aus dem Traktor gefallen sei. Dies sah die Kammer als nicht glaubwürdig an. Als der Angeklagte zum Schlag ausholte, konnte der Zeuge die Tür schließen. Der Radschlüssel traf die Tür „mit massiver Wucht“, was einen Schaden von 6500 Euro hinterließ.

Als der 63-Jährige mit seinem Traktor weiterfuhr und den zweiten Bankangestellten in seiner Wohnung antraf, schrie er nach Ansicht der Kammer: „Warum stellt ihr das Wasser ab? Ich bring’ dich um, du Drecksack.“ Auch dort holte er mit dem Radschlüssel zum Schlag aus. Die eiserne Stange löste sich dabei aus dem Gummigriff und flog „unkontrolliert“in Richtung des Mannes.

Radschlüssel trifft Bankangestellten am Kopf: Angeklagter zu Bewährungsstrafe verurteilt

Dies sei nicht bewusst lebensgefährlich gewesen. „Dass auf den Kopf gezielt wurde, ist nicht nachweisbar“, weshalb die Kammer keinen Tötungsvorsatz sehe, erklärte der Richter. Dennoch: Das Werkzeug traf den Bankangestellten seitlich am Kopf und verursachte eine leichte Schädelprellung. „In Todesangst rannte er zum Auto und fuhr zur Polizei“, erklärte der Richter. Für beide Opfer habe dies psychische Belastungen zur Folge gehabt.

Der Angeklagte habe sich einsichtig gezeigt und sich entschuldigt. Er sei zudem nicht vorbestraft. Außerdem sei er teilweise geständig gewesen, er räumte unter anderem ein, dass er den Revolver, der bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurde, unerlaubt besitze.

So sprach der Richter die Haftstrafe von 14 Monaten auf Bewährung aus. Hinzu kommen 1500 Euro, die er an einen Verein zahlen muss. Damit lag das Urteil zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft, die eine einjährige Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe gefordert hatte, und Verteidigung, die eine Geldstrafe für ausreichend hielt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. So lange darf er sich nichts zu schulden kommen lassen, ansonsten muss er ins Gefängnis.

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