Biobauer Christoph Jestädt und Gastro-Beraterin Sabine Steinbeck wollen Fulda zum „Grünen Silicon Valley“ machen.
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Biobauer Christoph Jestädt und Gastro-Beraterin Sabine Steinbeck wollen Fulda zum „Grünen Silicon Valley“ machen.

Beratung, Förderung, Austausch

Fulda soll „Grünes Silicon Valley“ werden: Unternehmer-Team will mit Lebensmitteln Klima retten

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Sie wollen die Region zu einem wichtigen Standort für nachhaltige Lebensmittel-Wirtschaft machen: Heiko Reinholz, Christoph Jestädt, Michél Günther und Sabine Steinbeck beraten, finanzieren und sind Netzwerk für Unternehmen.

Kreis Fulda - Ein Biobauer, ein Kaffeeröster, ein Eisverkäufer und eine Gastro-Beraterin haben sich zusammengetan, um Fulda zum Zentrum nachhaltiger Lebensmittel-Wirtschaft zu machen. Die Mission von Christoph Jestädt, Heiko Reinholz, Michél Günther und Sabine Steinbeck: Starthilfe geben für Unternehmen, die ihre Produkte ökologisch vermarkten wollen. Damit Fulda in zehn Jahren das „Silicon Valley“ für nachhaltige Lebensmittelwirtschaft ist.

Christoph Jestädt ist in der zehnten Generation Landwirt auf dem Hannheinehof in Niederrode. „Ich als Biolandwirt habe gemerkt, dass durch die Hitzesommer 150 Jahre alte Obstbäume sterben. Lebensräume sind nur schützbar, wenn wir gute Lebensmittel anbauen.“

Als Geschäftsführer der Kaffeerösterei Reinholz ist Heiko Reinholz bemüht, direkten Kontakt zu den Kaffee-Erzeugern zu pflegen. Er steht damit vor allem „für die soziale Komponente – für Fairness, um nachhaltig etwas für Kaffeebauern zu verändern“.

Fulda: Unternehmer-Team will mit Lebensmitteln Klima retten

Michél Günther ist Gründer der Eismarke „Die Eisheiligen“ aus Gersfeld und überzeugt, dass möglichst schnell möglichst viel gegen die Auswirkungen der Klimakrise getan werden muss. Seine Eissorten werden aus vorwiegend regionalen Produkten hergestellt, sie sollen fair und nachhaltig sein. Er findet: „Privaten Konsum einzuschränken, wird nicht reichen. Für eine große Wirkung müssen wir die Themen Lebensmittel und Region zusammenbringen.“ (Lesen Sie hier: Hochwasserkatastrophe auch in Fulda denkbar? Meteorologin, THW und Feuerwehr geben Einschätzung)

Sabine Steinbeck hat jahrelang ein Bistro in Bad Kissingen geführt und ist mittlerweile als Beraterin für Gastronomie-Betriebe tätig. Das Thema Klimakrise und ihre Folgen durchzieht ihre Haltung, sowohl als Privatperson als auch als Geschäftsfrau. „In meiner Generation haben wir viel angerichtet. Jetzt möchte ich meinen Beitrag gegen die Folgen des Klimawandels leisten. Ich möchte der Gastronomie helfen, den Sinn der Arbeit zu erkennen. Wenn das gelingt, ist nicht nur der Gast glücklich – dann bleiben auch die Mitarbeitenden.“

Die Idee

Vier Menschen aus der Region, die sich in der Lebensmittelbranche auskennen: Sie kommen von der Kaffeerösterei Reinholz, von der Eismarke „Die Eisheiligen“, von der Weinschorle „Lieber Schorli“ und aus der Gastronomie. Ihre Haltung zum Klimawandel: „Der Klimawandel hat weitreichende Folgen und wird unser Leben komplett verändern.“ Daher müsse die Lebensmittel-Wirtschaft so nachhaltig werden, dass nachfolgende Generationen gut leben können. Ihr Ansatz: Landwirtschaft, Gastronomie und Unternehmen auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit unterstützen – mit Beratung, Förderung und Austausch. Mehr Informationen unter foodiesmithaltung.de.

Was die vier „Foodies mit Haltung“ verbindet? Die Liebe zu guten Lebensmitteln. „Wir wollen eine Wende mit Genuss. Die Geiz-ist-geil-Mentalität wandelt sich gerade, seit der Corona-Pandemie kaufen die Menschen lokaler ein“, sagt Biolandwirt Jestädt und erklärt, dass sich die Region als Standort für nachhaltige Lebensmittel-Produktion nicht verstecken muss. Hier gebe es nicht nur viel Landwirtschaft, in der ökologisch und nachhaltig gearbeitet werde, auch die Lage in der Mitte Deutschlands sei ideal für die Vermarktung grüner Lebensmittel, die hiesigen Unternehmen im Lebensmittelbereich wirtschafteten regional und die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Hochschule funktioniere.

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Mit der Erfahrung, die die vier „Foodies“ in der Lebensmittelbranche gesammelt haben, wollen sie solche Unternehmen in der Gründungsphase unterstützen, die so regional, so natürlich und so fair wie möglich produzieren. „Wir sind ein Ökosystem für Gründer“, sagt Jestädt. Über Beratung, Netzwerkarbeit und finanzielle Förderung wollen sie „eine Plattform sein, die einen Bewusstseinswandel anstößt.“ Wenn die Situation bleibt, wie sie in der Lebensmittel-Industrie ist, „fahren wir komplett gegen die Wand – und die ist ziemlich hart“, sagt Günther.

Die aktuellen Projekte gehen über Produkte wie Kaffee, Weinschorle und Eiscreme hinaus: Gerade forschen sie mit Studierenden der Fuldaer Hochschule und Sterne-Koch Björn Leist aus der Rhön an einer Bratwurst, die durch einen geringen Fleischanteil besonders nachhaltig ist. Das Team will, dass man bald automatisch an Fulda als Stadt der grünen Lebensmittel-Wirtschaft denkt, die für Gastronomiebetriebe, Landwirtschaft und Unternehmen ein Leuchtturm ist – ein grünes Silicon Valley.

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