Concept Store im historischen Büttner-Haus: Das Lieblings in der Friedrichstraße.
+
Concept Store im historischen Büttner-Haus: Das Lieblings in der Friedrichstraße.

Veränderung in Fuldas Innenstadt

Die Lieblings-Inhaber hören auf – so geht es mit dem Laden in der Friedrichstraße weiter

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
    schließen

Auf Fuldas Shopping-Stadtplan ist das Lieblings in der Friedrichstraße ein Ort, der der Stadt in den vergangenen 15 Jahren Metropolen-Flair beschert hat. Jetzt haben sich die beiden Inhaber entschieden, aufzuhören. Gibt es für den Concept Store mit seinem ausgefallenen Sortiment dennoch eine Zukunft?

Fulda - Die Gerüchteküche brodelt seit Wochen – und Lars-Oliver Hergeth ist es leid, immer wieder mit „absonderlichen Mutmaßungen“, wie er es formuliert, konfrontiert zu werden. „Wir sind weder pleite oder insolvent, noch hat uns Corona das Genick gebrochen, noch haben wir uns mit unserem Vermieter überworfen“, erklärt der Lieblings-Chef

Er führt das 850 Quadratmeter große Kaufhaus im Herzen der Innenstadt von Fulda mit seinem Partner Dr. Joachim Kleinert. Der Grund für die Entscheidung, 15 Jahre nach Gründung als Inhaber der Lieblings GmbH & Co. KG aufzuhören, sei ein anderer, sagt Hergeth: Der Mietvertrag laufe Ende Januar 2021 aus.

Die Frage, den Vertrag um fünf oder zehn Jahre zu verlängern oder nochmal eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen, hat Hergeth lange umgetrieben – und er bittet um Verständnis, dass die Fuldaer nun „die Entscheidung heute aus der Zeitung erfahren“.

Die Lieblings-Inhaber hören auf - doch der Laden in der Friedrichstraße soll nicht geschlossen werden

Letztlich hat ihn eine neue Aufgabe, über die er noch nichts verraten will, gereizt: „Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?“, sagt der 51-Jährige, der als Visagist und Stylist auf der ganzen Welt tätig war und vor 17 Jahren eher zufällig nach Fulda kam. Mit seinem damals avantgardistischen Konzept, Blumen, Kosmetik, Kleidung und viele besondere Dinge unter einem Dach anzubieten, hat das Lieblings Strahlkraft über die Region hinaus entwickelt.

„Eine Kundin hat uns mal geschrieben, wir hätten es geschafft, ein Stück weite Welt nach Fulda zu bringen und das Leben hier bunter zu machen. Das hat mich sehr berührt“, sagt Hergeth.

Mit der 300 Quadratmeter großen Ladenfläche, die die Gründer 2005 in der ehemaligen Bank Schilling in der Friedrichstraße 13 anmieteten, stieß das Lieblings schnell an seine Grenzen, so dass 2011 der Umzug in die gegenüberliegende, mehrgeschossige Immobilie erfolgte.

Das denkmalgeschützte, ehemalige Modehaus Büttner war damals für den Textil-Filialisten Olymp & Hades zu groß geworden – nicht für das Team um Hergeth, das mit frischen Ideen und stetigen Mut zum Wandel zeigte, wie stationärer Einzelhandel sich gegen die Amazons und Ebays dieser Welt behaupten kann.

Lieblings hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten

Im Lieblings kann man viele Dinge kaufen, die es nirgendwo sonst in der Stadt gibt, aber im Lauf der Jahre konnte man dort eben auch die Frisur verändern lassen, Anti-Aging-Behandlungen buchen, Sport treiben, essen gehen – und einen Porsche, der in einer spektakulären Aktion im Laden platziert wurde, erwerben.

Zahlreiche Auszeichnungen – darunter „Store of the Year“, „Lieblings-Ladenlokal Hessens“ und der Handelsinnovationspreis – zeugen von der Bedeutung des Geschäfts für die Entwicklung des Einzelhandels. Nach der Gründung eines zweiten Lieblings-Stores in Frankfurt, der mit einem ähnlichen Konzept nicht den gewünschten Erfolg brachte, konzentrierten sich Hergeth und Kleinert voll auf den Standort Fulda.

Wenn sich die Inhaber jetzt auch zurückziehen werden – in dem von Lieblings angemieteten drei Geschossen werden die Lichter nicht ausgehen, kündigt Hergeth an. „Es wird ein neues altes Lieblings geben, nur eben ohne meinen Partner und mich.“

Derzeit führe man Verhandlungen mit zwei Interessenten, die den Store weiterführen wollen. Auch für das rund 20-köpfige Team wird es eine Zukunft am Standort geben, verspricht der Lieblings-Chef. „Unser Team wird die Kunden auch weiter begeistern und mit schönen Dingen verwöhnen.“

Die Zeichen in der Friedrichstraße in Fulda stehen auf Wandel

Zugleich stellt er klar: Bis in den Januar hinein wird für die Kunden alles beim Alten bleiben, nur der Advents- und Weihnachtsmarkt soll aufgrund der Covid-19-Regelmentierungen schon früher als sonst beginnen. Und es wird spezielle „Dankeschön-Aktionen“ geben.

Auch wenn die Gründe unterschiedlich sind: In der gesamten Innenstadt, aber besonders in der Friedrichstraße stehen die Zeichen auf Wandel. In die ehemalige Drogerie Müller wird 2021 ein Restaurant von Sternekoch Patrick Spies einziehen. Die Benetton-Filiale sowie Leder Meid schließen, voraussichtlich wird es an beiden Standorten wieder Einzelhandel geben – so wie ganz vorne in der Straße, wo „No. 13“ ausgezogen und der Fashion-Store Feinsinn eingezogen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema