Heiko Wingenfeld (rechts) überreicht den Literaturpreis 2021 der Stadt Fulda an Timon Karl Kaleyta.
+
Heiko Wingenfeld (rechts) überreicht den Literaturpreis 2021 der Stadt Fulda an Timon Karl Kaleyta.

Auszeichnung mit 10.000 Euro dotiert

Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 verliehen: Laudatorin würdigt Autor Timon Karl Kaleyta

Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. Am Mittwochabend nahm der Autor die Auszeichnung entgegen.

Fulda - Für sein Romandebüt „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ ist der Autor Timon Karl Kaleyta am Mittwochabend, 8. September, im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses von Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 ausgezeichnet worden. Das berichtet die Stadt in einer Pressemitteilung. „Unter dem Applaus des Publikums nahm der Preisträger die Urkunde entgegen.“ Als Laudatorin würdigte Jury-Mitglied Insa Wilke das Werk und attestierte dem Autor, „eine literarische Form für kritische Reflexion“ gefunden zu haben. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, erklärt die Stadt.

„Der 2019 erstmals vergebene Preis für ein literarisches Debüt unterstreicht Fuldas Bedeutung als Stadt der Literatur“, unterstrich Oberbürgermeister Wingenfeld. Das Stadtoberhaupt erinnerte daran, dass das 744 errichtete Kloster Fulda unter Abt Rabanus Maurus eine vielfältige literarische Tradition begründet habe. Er verwies auf Veranstaltungsreihen wie „Literatur im Stadtschloss“ und der aktuellen Bewerbung „Fulda und Petersberg. Orte der karolingischen Bildungsreform“ um das Europäische Kulturerbe-Siegel - Dinge, die an dieses kulturelle Erbe erinnern, daran anknüpfen und es pflegen sollen.

Fulda: Literaturpreis verliehen - Laudatorin würdigt Autor Timon Karl Kaleyta

Erste Preisträgerin im Jahr 2019 war Johanna Maxl für ihren Roman „Unser großes Album elektrischer Tage“. 2020 ging die Auszeichnung zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für ihr Debüt „Drei Kilometer“ und an Olivia Wenzel für ihr Buch „1000 Serpentinen Angst“. „In diesem Jahr erhält nun erstmals ein männlicher Vertreter der deutschen Gegenwartsliteratur die Auszeichnung“, sagte der Oberbürgermeister.

Fotostrecke: Literaturpreis der Stadt Fulda an Autor Timon Karl Kaleyta verliehen

Im Beisein von Laudatorin Insa Wilke überreichte Heiko Wingenfeld (rechts) den Literaturpreis 2021 der Stadt Fulda an Timon Karl Kaleyta.
Im Beisein von Laudatorin Insa Wilke überreichte Heiko Wingenfeld (rechts) den Literaturpreis 2021 der Stadt Fulda an Timon Karl Kaleyta. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen.
Timon Karl Kaleyta hat den Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 gewonnen. © Mediennetzwerk Hessen

Die fünfköpfige unabhängige Jury hatte Kaleyta im Februar den Literaturpreis Fulda 2021 für sein Romandebüt zugesprochen, so die Stadt. Im Juni gewann der Autor bei den 45. Tagen der deutschsprachigen Literatur im Rahmen des Wettlesens um den Bachmannpreis den 3sat-Preis für seinen Beitrag „Mein Freund am See“. Mit Blick auf diese Entwicklung und auf die Erfolge von Olivia Wenzel merkte Wingenfeld mit einem Augenzwinkern an: „Wer den Literaturpreis der Stadt Fulda gewinnt, der kann ganz groß rauskommen.“

Der Autor

Timon Karl Kaleyta (Jahrgang 1980) wuchs in Bochum auf, studierte in Bochum, Madrid und Düsseldorf Medienwissenschaften, Literatur und Soziologie und gehört zu den Gründern des Instituts für Zeitgenossenschaft IFZ. Mit seiner Band „Susanne Blech“, für die er die Songtexte schreibt und als Sänger auf der Bühne steht, hat er bislang vier Alben veröffentlicht und Hunderte von Konzerten gespielt. Als Autor arbeitet er unter anderem als Kolumnist für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und ist als Drehbuch- und Fernsehautor tätig.

Worte des Dankes richtete Wingenfeld an Uwe Marohn, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fulda, deren Jubiläumsstiftung nicht nur die städtischen Literaturreihen und Kunstwerke großzügig fördere, sondern auch Hauptsponsor des Literaturpreises Fulda sei und das Preisgeld zur Verfügung stelle. Ebenso dankte das Stadtoberhaupt Silke Hartmann von der Agentur Kulturperle, die den Literaturpreis Fulda im Auftrag der Stadt Fulda organisiert, sowie den Mitgliedern der Jury: dem Literaturkritiker Christoph Schröder, den Schriftstellern Jan Brandt und Frank Witzel, der Autorin Verena Güntner und der Literaturkritikerin Insa Wilke.

Wilke hielt die Laudatio auf Timon Karl Kaleyta und überschrieb sie mit „Ein Held unserer Zeit“. Im Namen der Jury unterstrich sie: „Uns haben die Bewegungen in seinem Roman interessiert und wie sie sich durch die Literaturlandschaft unserer Tage schlängeln, wie sie sich in dieser Landschaft bewegen.“ Der Debütroman habe eine literarische Form für kritische Reflexion gefunden, eine Form, die Beziehungen herstelle zwischen Text, Leserschaft und Zeitgeschehen. „Man geht nicht ungerührt aus dem Buch“, konstatierte sie.

Laudatorin Insa Wilke würdigt Autor Timon Karl Kaleyta

„Die Formen, die Timon Karl Kaleyta für sein Passionsspiel um einen jungen Aufsteiger verwendet, führen in das frühe 20. Jahrhundert zurück. Sie heißen Stationendrama, Neue Sachlichkeit und Groteske“, erklärte die Laudatorin. „Natürlich sprangen wir auch sofort auf die scheinbar gegen den Trend sozialkritischer Romane gerichtete Figur und Dramaturgie an. Aber es ist die Sprache, die sich deutlich Referenzräume quer durch die Literaturgeschichte erschließt und den Roman über eine pure, auf Rezeptionsmoden bezogene Provokation weit hinauswachsen lässt.“ Kaleyta schreibe keineswegs als reiner Ironiker der Pop-Kultur. Dazu wirke der Text viel zu sehr wie der eines passionierten Lesers mit viel zu großem Vergnügen und Anteilnahme an der Literatur und dem, wofür er eine Sprache zu finden suche.

Kaleytas Erzähler, Sohn einer Arbeiterfamilie, der am Ende der Kohl-Ära 1998 zur Schule geht und nach dem Abitur seinen Weg sucht, glaubt an das Versprechen der „hartleibigen Bonner, dann Berliner Politik“, dass Aufstieg für jeden, überall und jederzeit möglich und selbstverständlich sei. Der „tumbe Tor auf der Suche nach dem Gral, also seiner Bestimmung“, lerne auf seinem Weg nichts dazu, so die Laudatorin: „Sein Blickwinkel bleibt beschränkt, er entwickelt kein Bewusstsein für die verinnerlichte Leistungsideologie und Klassengesellschaft, die ihn am Ende wieder auf seinen Platz verweist.“

Insa Wilke über Debütroman von Kaleyta: Es ist ein Roman über das Lesen

„,Die Geschichte eines einfachen Mannes‘ handelt, zugespitzt gesagt, nicht von dem einfachen Mann, von dem sie erzählt. Es ist auch kein Schelmenroman, denn die Figur treibt keinen Schabernack mit ihrem Leser, sondern ist Demonstrationsobjekt des Autors. Es ist ein Roman über das Lesen. Das Lesen von Verhältnissen, das Lesen von Literatur.“ Kaleyta nutze literarische Mittel, um aus der Ohnmacht des Individuums heraus, der Resignation etwas entgegenzusetzen. Insa Wilke schloss: „Lieber Timon Karl Kaleyta, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Literaturpreis der Stadt Fulda und zu einem solchen Buch.“

Von der Qualität des Romans konnte sich das Publikum im Fürstensaal bei der anschließenden Lesung überzeugen, erklärt die Stadt. Timon Karl Kaleyta präsentierte Passagen aus seinem Romandebüt, das im Münchner PIPER-Verlag erschienen ist. Auch Kaleytas Lektor Hannes Ulbrich sowie wie die aus Dortmund angereisten Eltern und die Frau des Preisträgers sowie der erst wenige Monate alte Nachwuchs des Paares zählten zu den Gästen der Preisverleihung, die von Ferdinand Wehner am Saxophon und Natalia Geras am Klavier musikalisch umrahmt wurde. (lea)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema