In der Gerbergasse am Löhertor-Gelände in Fulda soll sich der Raubüberfall im Juni 2019 ereignet haben. Dass der Angeklagte der Täter war, konnte nicht bewiesen werden.
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In der Gerbergasse am Löhertor-Gelände in Fulda soll sich der Raubüberfall im Juni 2019 ereignet haben. Dass der Angeklagte der Täter war, konnte nicht bewiesen werden.

Eindeutige Beweise fehlen

Freispruch: Raubüberfall auf Fahrradfahrer bleibt ungeklärt

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Im Zweifel für den Angeklagten: Weil nicht erwiesen werden konnte, dass es der vor Gericht stehende 37-Jährige war, der im Juni vor einem Jahr versucht hatte, einen Radfahrer auszurauben, sprach ihn Richter Ulrich Jahn frei.

  • Der Raubüberfall, der im Juni letzten Jahres in der Fuldaer Löherstraße verübt wurde, bleibt ungeklärt.
  • Der Angeklagte wurde am Dienstag freigesprochen.
  • Laut Richter Ulrich Jahn sei der Täter nicht einwandfrei identifiziert worden.

Fulda - Der versuchte Raubüberfall, der sich im Juni 2019 in der Gerbergasse in Fulda ereignet hatte, wird wohl nicht mehr aufgeklärt werden. Während der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht konnte nicht bewiesen werden, dass der angeklagte 38-Jährige damals tatsächlich der Täter war. Er bestritt, überhaupt in der Nähe des Tatorts gewesen zu sein.

Dabei war sich das Opfer, ein 54-Jähriger aus Fulda, „hundertprozentig sicher“. Seine Angaben waren jedoch der einzige Beweis, auf den sich die Staatsanwaltschaft stützen konnte. Der Geschädigte berichtete, dass er damals nachts gegen 2 Uhr mit dem Fahrrad in Richtung Löherstraße unterwegs war, als er von hinten gepackt und vom Rad gerissen wurde. Am Boden liegend habe er heftige Tritte abwehren müssen: „Hätte ich nicht meine Hände vors Gesicht gehalten, wären meine Zähne rausgeflogen“, erklärte der 54-Jährige.

Raubüberfall auf Fahrradfahrer in Fulda: Täter lässt erst nach Rufen vom Opfer ab

Das Ziel des offensichtlich alkoholisierten Angreifers sei es gewesen, ihm das Portemonnaie zu entwenden. Der Täter habe erst von ihm abgelassen, als ein Arbeiter, der in einem der dort aufgestellten Baucontainer wohnte, gerufen habe, dass die Polizei unterwegs sei. Tatsächlich waren die Beamten aber gar nicht verständigt worden – der Geschädigte zeigte die Tat erst eineinhalb Tage später bei der Polizei an. Zuvor hatte er sich selbst auf die Suche nach dem Täter begeben, den er vom Sehen kenne.

Den Bauarbeiter, den einzigen weiteren Zeugen der Tat, konnte die Polizei nicht mehr ausfindig machen. Von den Verletzungen des Opfers – unter anderem Hautabschürfungen und Prellungen an Oberschenkeln, Knien und Armen – wurden Lichtbilder angefertigt.

Überfall in Löherstraße: Angeklagter schon früher auffällig

Der Beschuldigte, der zu dieser Zeit obdachlos war und erst seit Kurzem einen festen Wohnsitz hat, beteuerte seine Unschuld: „Ich habe und hatte keinen Grund, jemanden auszurauben.“ Allerdings war der Angeklagte wegen Schlägereien in alkoholisiertem Zustand schon in der Vergangenheit auffällig gewesen, berichtete Richter Ulrich Jahn.

Der Täter müsse „eine Enthemmung aufgewiesen“ haben, da er auf den am Boden liegenden Mann eingetreten habe, erläuterte der psychiatrische Sachverständige Dr. Rainer Hoffmann. Das sei mit dem Bild des Angeklagten, der sich im Gerichtssaal „friedfertig“ gezeigt habe, nur schwer in Einklang zu bringen.

Trotz Freispruch ist der Richter überzeugt: Dem Angeklagten sei tatsächlich etwas passiert

In seinem Plädoyer wies Verteidiger Marc-Thilo Müller auf die fehlenden Beweise hin und sprach von Unstimmigkeiten in der Aussage des Opfers. Er machte auch auf die Art der Verletzungen aufmerksam: Seiner Meinung nach sei ein Fahrradsturz plausibel, ein heftiger Angriff hätte aber ein ganz anderes Verletzungsmuster ergeben müssen. Staatsanwalt Patrick Greyer hingegen erklärte: „Der Tatnachweis ist geführt.“ Der Angeklagte sei des versuchten Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Greyer plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Richter Jahn sprach den Angeklagten letztlich frei. „Ich gehe nicht von einer erfundenen Geschichte aus. Dem Geschädigten ist in dieser Nacht tatsächlich etwas passiert“, sagte er. Es seien aber turbulente Szenen gewesen, in denen der Täter nicht einwandfrei habe identifiziert werden können.

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