In einem Wiesbadener Seniorenheim haben Mitarbeiter trotz eines positiven Coronatests weitergearbeitet (Symbolbild).
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Deutschlandweit haben sich so viele Menschen wie nie zuvor für eine Ausbildung als Pfleger oder Pflegerin entschieden.

Auch hessenweit eine Zunahme

Mehr Azubis in der Pflege: Deutschlandweiter Trend ist in der Region nur teilweise zu erkennen

  • Daniela Petersen
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Gute Nachrichten aus dem Pflegebereich: Deutschlandweit haben sich so viele Menschen wie nie zuvor für eine Ausbildung als Pfleger oder Pflegerin entschieden. Dieser Trend zeigt sich in der Region nur zum Teil.

Region - Manch einem wird dieser Fernsehmoment aus dem Jahr 2017 noch im Gedächtnis sein: In der ARD-Wahlarena kritisierte Krankenpfleger Alexander Jorde Angela Merkel, sie habe in zwölf Jahren als Kanzlerin „nicht viel für die Pflege getan“. Damals sagte Merkel, dass sich auf dem Gebiet etwas tun werde. Sie hoffe, dass sich in zwei Jahren mehr Menschen als Pflegekräfte ausbilden lassen.

Jetzt, fast drei Jahre später, scheint das wirklich eingetroffen zu sein: 2019 haben sich so viele Menschen in Deutschland wie nie zuvor für eine Ausbildung in Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege entschieden. Das schreibt die KNA und beruft sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach traten 8,2 Prozent mehr Menschen eine Pflegeausbildung an als 2018. Insgesamt waren es 71.300 Auszubildende und damit 5400 Menschen mehr. Gegenüber 2009 war das sogar ein Plus von 39 Prozent. Zugleich schlossen 2019 rund 44.900 Personen ihre Ausbildung in einem Pflegeberuf erfolgreich ab – ein Plus von 25 Prozent gegenüber 2009.

Deutschlandweit gibt es mehr Azubis in der Pflege - In der Region ist dieser Trend nur teilweise zu sehen

Reform

Zum Auftakt des Deutschen Pflegetags gestern ruft die Branche nach Hilfe. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt 2021 auf eine große Pflegereform. Für die Beitrags- und Steuerzahler dürfte diese Reform spürbare Mehrkosten bringen. Erste Eckpunkte wurden bekannt: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen künftig maximal 700 Euro pro Monat Eigenanteil für die Pflege in einem Heim bezahlen, begrenzt auf 36 Monate. Und der Zuschlag auf die Pflegebeiträge für Versicherte ohne Kinder soll um 0,1 Prozentpunkte steigen. Mit Billiglöhnen für Pflegekräfte soll Schluss gemacht werden.

Auch hessenweit ist eine Zunahme zu erkennen: Die Bundesagentur für Arbeit zählt zum Stichtag 31. März 2020 insgesamt 107.031 Auszubildende, die einen Pflegeberuf ausüben. Das sind 1,5 Prozent mehr als zum Vorjahresstichtag. Im Vergleich zu 2015 ist sogar eine Steigerung um 3,5 Prozent zu erkennen. Mit eingerechnet wurden Berufe in den Bereichen Gesundheit, Krankenpflege, Rettungsdienst, Geburtshilfe und Altenpflege. Auch im Main-Kinzig-Kreis ist dieser Trend zu erkennen: 2020 werden in der Statistik 6492 Azubis aufgeführt, 69 mehr als 2019 und sogar 304 mehr als 2015.

Im Landkreis Fulda zeigt sich ein etwas anderes Bild. Zwar gibt es im Vergleich zu 2015 in diesem Jahr mehr Menschen, die eine Ausbildung im Pflegebereich machen, betrachtet man jedoch 2019, so ist eine leichte Abnahme von 0,5 Prozent zu verzeichnen. 2020 sind es 5428 Auszubildende, 29 weniger als 2019, aber 117 mehr als 2015. „Im Vergleich zu 2015 gibt es nun mehr Azubis in der Altenpflege. Wir haben da eine Zunahme um 58 Prozent“, erklärt Luzia Kremser, Pressesprecherin bei der Bundesagentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

2020 gibt es 0,5 Prozent weniger Azubis in der Pflege im Landkreis Fulda als 2019

Landkreis Fulda

Die Pflegeschule BildungsZentrum Klinikum Fulda ist mit 216 Ausbildungsplätzen die größte Pflegeschule im Landkreis Fulda.

Ingrid Schroeder, die Leiterin des BildungsZentrums, erkennt auch in ihrer Einrichtung den Trend, dass die Nachfrage für einen Ausbildungsplatz im Pflegebereich steigt. „Von einem großen Durchbruch möchte ich aber nicht sprechen“, sagt sie. Die Tatsache, dass Pflege und Systemrelevanz in den Medien immer wieder thematisiert werden, habe für einige Interessenten den Ausschlag gegeben, sich für diesen Beruf zu bewerben. Das gehe aus den Rückmeldungen in Bewerbungsgesprächen hervor. Insgesamt habe sich die Situation in der Pflege aber nicht verbessert.

Das ist auch bundesweit zu erkennen. Den stärksten Zuwachs an Nachwuchs verzeichnet die Altenpflege: von 19.400 im Jahr 2009 auf 27.300 im Jahr 2019 (plus 41 Prozent). Auch der Ausbildungsgang der Gesundheits- und Krankenpflege hat mit 26.600 Anfängern 2019 rund 5200 mehr Menschen als zehn Jahre zuvor (21.400).

Video: Sarah Rimbach ist Pflegeschülerin in der Gynäkologie des Leipziger Klinikum

Main-Kinzig-Kreis

Im Main-Kinzig-Kreis ist die Akademie für Gesundheit die einzige Pflegeschule. Es werden dort derzeit 233 Frauen und Männer in einem Pflegeberuf ausgebildet.

Anders als die Zahlen im Main-Kinzig-Kreis es vermuten lassen, kann Alexandra Pröhl, Pressesprecherin der Main-Kinzig-Kliniken, eine Zunahme der Schülerzahlen in der Akademie für Gesundheit der Main-Kinzig-Kliniken nicht bestätigen. Die Schule freue sich über jeden Bewerber und zähle zu den großen Schulen im Gesundheitswesen. Auch über die Kreisgrenzen hinaus werde ausgebildet.

Dass Pflegeberufe, die zu 75 Prozent von Frauen ergriffen werden, offenbar beliebter geworden sind, könnte auch mit einer Initiative zusammenhängen, die die Bundesregierung im Oktober 2019 gestartet hatte. In einer breiten Werbekampagne warb sie dafür mit den Worten: „Mach Karriere als Mensch“. Die Kampagne begleitete die Einführung der neuen Pflegeausbildung, die am 1. Januar in Kraft trat: Seitdem erhalten die bisher getrennt ausgebildeten Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger eine gemeinsame Ausbildung – zumindest in den ersten beiden Jahren.

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