Eine Stromleitung über einem Feld.
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Die Gemeinde Eichenzell wehrt sich gegen den Bau der Fulda-Main-Leitung über Eichenzeller Gebiet. (Symbolfoto)

Fulda-Main-Leitung

„Erhebliche Sichtverschmutzung“ - Eichenzell wehrt sich gegen Stromleitung von Tennet

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Die Gemeinde Eichenzell wehrt sich gegen mögliche Pläne des Unternehmens Tennet, die Fulda-Main-Leitung über Eichenzeller Gebiet zu bauen. Noch hat Tennet aber seine Vorzugsvarianten südlich von Dipperz nicht vorgestellt.

Eichenzell - Das Unternehmen Tennet hat vor einigen Wochen skizziert, wo die 380.000-Volt-Leitung im Bereich zwischen Mecklar und dem Umspannwerk Dipperz verlaufen soll. Die betroffenen Kommunen meldeten sofort Protest an, der Landkreis will die Positionen der Kommunen koordinieren. Im südlichen Bereich zwischen dem Umspannwerk Dipperz und Bergrheinfeld bei Schweinfurt will Tennet seine Vorzugsvarianten im Herbst vorstellen. Wo Tennet derzeit einen Korridor sucht – auch im Bereich Eichenzell –, das ist allerdings bekannt.

Im Bereich der Gemeinde Eichenzell ist jedenfalls kein Platz für die Leitung. Davon ist Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU) überzeugt, und das hat er dem Unternehmen bereits geschrieben. Das berichtet der Rathauschef in Beantwortung einer Anfrage der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung.

Fulda: Eichenzell wehrt sich gegen Stromleitung von Tennet

Zunächst fragt Rothmund Tennet, ob die Fulda-Main-Leitung überhaupt notwendig ist, oder ob dezentrale Energieerzeugung und dezentrale Energiespeicher nicht zu einer besseren Energiebilanz führten. Zusätzliche Stromkorridore führten „zu einer erheblichen Sichtverschmutzung“, griffen in den Lebensraum der Bürger ein, zerschnitten Landschaften, schränkten Erweiterungspotenziale von Gemeinden und Orten ein und griffen erheblich in die wertvollen naturnahen Gebiete der Region ein.

Eichenzell stelle sich mit dem Projekt Smart City jetzt an die Spitze der technischen Entwicklung. Rothmund:„Es macht keinen Sinn, alten Hüten hinterherzulaufen und auch an solchen Monstertrassen festzuhalten, die gegebenenfalls durch alternative Energieformen oder einen vernünftigen und zukunftsfähigen Energiemix obsolet wären.“

Leitung

Die 130 Kilometer lange Fulda-Main-Leitung ist eine 380kV-Wechselstromleitung, die ab 2031 von Hessen nach Bayern führen soll. Geplant ist, dass sie das Umspannwerk Mecklar in Ludwigsau über das Umspannwerk Dipperz bei Fulda mit dem Umspannwerk Bergrheinfeld/West bei Schweinfurt verbindet. Sie soll oberirdisch verlaufen. Bauherr ist Tennet.

Der Bürgermeister warnt, dass Eichenzell entlang der Autobahnen A 7 und A 66 schon heute einer Überbündelung unterliege. Die Gemeinde lehne eine Linienführung in diesem Bereich ausdrücklich ab. „Neben der Überbündelung gibt es hier nach unserer Meinung Riegel, die weder mit Oberleitungen noch mit Erdverkabelung zu überwinden sind“, erklärt Rothmund. Dieser Bebauungsriegel reiche von Eichenzell über Welkers und Rönshausen bis nach Lütter. Dieser Riegel sei dicht besiedelt, beinhalte ein großes Industriegebiet und erhebliche Berg- und Tal-Einschnitte. „Eine Oberleitung macht hier weder ästhetisch noch technisch Sinn“, schreibt Rothmund.

Eine Verlegung von Erdkabeln sei wegen fehlender Korridore, vorhandener Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie wichtiger Quellenbereiche für zwei große Mineralbrunnen problematisch. Eine Möglichkeit gebe es aber doch:„Sollte es unvermeidbar sein, diese Trasse durch unser Gemeindegebiet zu führen, dürfte dies grundsätzlich nur zwischen Lütter und Weyhers Sinn machen und weitestgehend technisch und wirtschaftlich darstellbar sein“, schreibt Rothmund. (Lesen Sie hier: Protest gegen Stromleitung: Widerstand gegen Pläne aus Nüsttal, Hofbieber und Petersberg)

„Erhebliche Sichtverschmutzung“ - Bürgermeister gegen Fulda-Main-Leitung

Wegen der landschaftlichen Gegebenheiten und des angrenzenden Biosphärenreservats komme hier aber ausschließlich ein Erdverkabelung in Betracht, um eine erhebliche landschaftliche Sichtverschmutzung zu verhindern. Das Gleiche gelte für den Bereich zwischen Lütter und Ried. Im weiteren Verlauf könnte dann im Bereich de Waldes eine Bündelung mit den Freileitungen östlich der A 7 erfolgen.

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