Stromleitung
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Tennet will eine Starkstromleitung im Kreis Fulda bauen. Betroffene Bürger konnten gestern Bedenken vorbringen. (Symbolbild)

Mehr als 100 Interessierte

Info-Markt zur geplanten Fulda-Main-Leitung - Viele Bürger in Sorge

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Der Netzbetreiber Tennet will in zehn Jahren eine Starkstromleitung von Mecklar über Dipperz nach Bergrheinfeld bauen. Betroffene Bürger konnten gestern Bedenken vorbringen – und machten davon kräftig Gebrauch.

Petersberg - Die Fulda-Main-Leitung soll im Wesentlichen entlang der A 7 gebaut werden. Für den nördlichen Abschnitt A zwischen Mecklar und Dipperz, in dem Tennet mögliche Korridore schon im Frühjahr veröffentlicht hatte, fand ein erster Info-Markt bereits im Sommer statt – wegen der Corona-Pandemie nur virtuell. Gestern im Propsteihaus Petersberg konnten Bürger ihre Fragen und Bedenken für den südlichen Abschnitt B vorbringen.

Mehr als 100 Bürger machten von dem Angebot Gebrauch. „Wir hatten sehr konstruktive Gespräche“, berichtete Cindy Schemmel, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet. Gestern Vormittag gab es eine ähnliche Veranstaltung für die Vertreter von Kommunen, Behörden und Bürgerinitiativen. „Einige der Initiativen, die sich gegen die früher in Osthessen geplante Gleichstromleitung Suedlink gebildet hatten, haben sich jetzt reaktiviert“, berichtete Schemmel.

Fulda-Main-Leitung: Viele Bürger äußern Ängste bei Info-Markt

Zehn Informationsinseln mit genauen Karten waren im Propsteihaus aufgebaut. Zwölf Mitarbeiter von Tennet beantworteten Fragen. Die Diskussionsbeiträge der Bürger waren alle sachlich. Die am häufigsten gestellte Frage war, ob sich Tennet bereits auf eine Trasse festgelegt hat. Antwort des Unternehmens: Tennet hat zwar eine Vorzugstrasse benannt, aber die Alternativtrassen werden jetzt genau intensiv geprüft.

An einer solchen Alternativtrasse liegt Hettenhausen mit seinem Modellflugplatz. Vorsitzender Stefan Hornfeck aus Weyhers und Berthold Dietrich aus Pilgerzell vom Modellsportverein schauten sich an, wo genau die Masten gebaut würden. „Wir haben mit Erschrecken festgestellt, dass uns die Trasse voll treffen würde. Wir müssen uns jetzt regen, wenn wir den Flugplatz behaupten wollen“, sagte Hornfeck unserer Zeitung.

In Sorge ist auch Anja Lindner, Geschäftsführerin des Biohotels Lindengut. „Wir haben eine Alternativroute direkt vor der Haustür. Würde sich die Bundesnetzagentur am Ende tatsächlich für diese Trasse entscheiden, hätte das enorme Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir müssen uns jetzt schon überlegen, wie wir einer solchen Trasse, wenn sie käme, umgehen wollen.“

Zeitplan

Die Bundesnetzagentur wird für den Abschnitt B zwischen Dipperz und Bergrheinfeld wohl Mitte Dezember – Ort und genauer Termin stehen noch nicht fest – eine Antragskonferenz durchführen. Dabei können Bürger Einwände vorbringen. Unter deren Berücksichtigung legt die Agentur Anfang 2022 den weiteren Untersuchungsrahmen fest. Dabei könnte es kleine Abweichungen von den jetzt diskutierten Korridoren geben. Ende 2023 wird der tatsächliche, 1000 Meter breite Korridor festgelegt. 2027 steht fest, wo genau gebaut wird. 2031 soll der Strom fließen.

Sich frühzeitig informieren, das war auch das Ziel von Volker Rützel (CDU), Mitglied im Künzeller Gemeindevorstand. „Die Trasse wird kommen – so oder so. Wer Einfluss auf den Verlauf nehmen will, muss sich frühzeitig einschalten.“ Mit Sorgen sah sich Oskar Kanne, Ortsvorsteher von Rothemann, die Pläne an: „Wir sind heute schon massiv belastet. Da brauchen wir nicht noch die Fulda-Main-Leitung.“ (Lesen Sie hier: Eichenzell wehrt sich gegen Stromleitung von Tennet)

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Martin Lugauer vom Dicken Turm in Künzell räumte ein: „Eigentlich muss die Leitung eher früher als später kommen. Aber ich finde es nicht toll, von meiner Terrasse auf diese Leitung zu sehen.“ Sich früh ansehen, wo mögliche Trassen verlaufen können, und sich dann rechtzeitig in die Diskussion einschalten – das waren auch die Motive von Tobias Wischermann aus Ried, Erwin Pappert aus Schweben und Stefanie Mohr aus Sargenzell, zu dem Info-Markt zu kommen.

Eva-Maria und Arnold Gutberlet von der BI gegen Windräder im Gieseler Wald wollten sich einen Eindruck von den Planungen machen.

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