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„Man muss etwas tun“: Neunjährige verkauft selbst geflochtene Bänder für Ukraine-Hilfe

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Von: Jessica Vey

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Maja Detig hat eine Spendenaktion initiiert. Dafür hatte sie eine Spendenbox an einem Wanderweg in Poppenhausen aufgestellt. © Uli Detig

Auch an Kindern gehen der Krieg und das Leid der Bevölkerung in der Ukraine nicht spurlos vorüber. Maja Detig (9) aus Poppenhausen wollte etwas tun. So kam sie auf die Idee, 150 selbst geflochtene Bänder an einem Wanderweg zu verkaufen. 

Poppenhausen - Manche Kinder verstehen nicht, was gerade in der Ukraine passiert oder Eltern halten sie bewusst davon fern. Maja hingegen beschäftigt sich mit dem Angriffskrieg Russlands. „Ich schaue mir viele Videos an“, erzählt die Neunjährige. Auch in der Schule haben die Kinder in der fünften Klasse der Winfriedschule in Fulda, die die Poppenhausenerin besucht, das Thema aufgegriffen und darüber gesprochen.

Fulda: Maja Detig (9) aus Poppenhausen verkauft Armbänder für Ukraine-Hilfe

„Maja ist entsetzt über den Krieg“, beschreibt ihr Vater Uli Detig. Die Neunjährige selbst wirkt nachdenklich, wenn sie überlegt, wie sie auf die Idee einer Spendenaktion gekommen ist. „Ich dachte, man muss da was ändern. Man muss etwas tun“, erklärt sie. Die Corona-Pandemie half ihr dabei, eine passende Aktion zu starten. (Lesen Sie auch: Mithilfe von Kreistalern: 2700 Euro Spenden für Menschen in der Ukraine gesammelt)

Denn schon im Lockdown, als die Schulen geschlossen waren, war Maja umtriebig und begann, bunte Bänder zu flechten. Sie nutzte den Wanderweg Dixe Birke, der direkt an ihrem Elternhaus in Poppenhausen vorbei zum Guckaisee führt. Dort hatte sie die Bänder an einem hölzernen Stand, den ihr Papa gebaut hatte, angeboten. 275 Euro kamen schließlich einer Waisenschule in Kenia zugute, wo davon vier Schülern das Schulgeld bezahlt werden konnte.

Jetzt feierte dieser Selbstbedienungsstand ein Comeback. Maja machte sich erneut daran, Bänder zu flechten – diesmal in den ukrainischen Nationalfarben Gelb und Blau. Sie bastelte 150 Bändchen, für eines brauchte sie fünf Minuten, so war sie damit in Summe 12,5 Stunden beschäftigt.

Spendenbox für Ukraine-Hilfe: 9-Jährige bastelt 150 blau-gelbe Armbänder

Eine Kaffeedose in Ukraine-Farben wurde als Spendenbox mit einem Schloss an den Stand angebracht und Maja formulierte eine laminierte Info für die Wanderer, damit sie wussten, was zu tun ist: „Dies sind Armbänder als Zeichen der Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung. Sie dürfen gerne eins mitnehmen. Ich freue mich über eine Spende. Alle Einnahmen spende ich für die Ukraine. Liebe Grüße.“

Ziemlich bald, nachdem der Krieg Ende Februar ausgebrochen ist, stellte Maja ihren Spendenstand an dem Wanderweg auf. „Das war im März“, sagt die Neunjährige. Bis Juli ließ sie ihren Stand nun am Wanderweg stehen. „Abends haben wir die Dose abgenommen und geschaut, was drin liegt“, beschreibt sie.

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Abends haben Maja, Papa Uli Detig und Schwester Marie immer nachgeschaut, ob Wanderer etwas für die Ukraine gespendet haben. An dem Selbstbedienungsstand gab es für jeden Spender ein selbstgeflochtenes gelb-blaues Bändchen zum Mitnehmen. © Jessica Vey

Manchmal sei nichts drin gewesen, vor allem werktags, wenn wenig Wanderer dort vorbeikommen. „Dann war Maja immer enttäuscht, aber ich habe gesagt: Warte mal ab“, erklärt Papa Uli. „Und an den Wochenenden und Feiertagen war dann mehr los.“

Die Familie konnte hin und wieder Gespräche der Wandergruppen hören, die an dem Stand unweit des Hauses Halt machten. „Die waren begeistert“, sagt Uli Detig. Viele Münzen, aber auch einige Scheine landeten in der Dose – das Ergebnis im Juli belief sich schließlich auf 400 Euro. „Wir haben das Geld an die SOS-Kinderdörfer gespendet, die sich um ukrainische Kinder kümmern“, erklärt der Vater von Maja.

Fulda: Wanderer von Aktion begeistert - Maja Detig (9) sammelt Spenden für Ukraine

Auf die Frage, ob sie stolz auf sich ist, sagt Maja leise und ganz bescheiden: „Nur ein bisschen stolz.“ Und ihr Papa fügt hinzu: „Wir als Eltern sind auf jeden Fall sehr, sehr stolz auf sie.“

Jetzt lassen sie die Aktion erst einmal ruhen. Aber wer weiß. Vielleicht hat die neunjährige Poppenhausenerin bald die nächste Idee, wie sie etwas Gutes tun kann. Dass das junge Mädchen schon jetzt mitfühlend und hilfsbereit ist – das hat sie auf jeden Fall bewiesen.

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