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Wegen Beleidigung stand ein Mann in Fulda vor Gericht. Bei der Urteilsverkündung platzte ihm die Hutschnur.

Geldstrafe

„Kurze Hutschnur“: 23-Jähriger wegen Beleidigung angeklagt - Im Gerichtssaal platzt ihm der Kragen

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Weil er einen Bäckerei-Mitarbeiter beleidigt haben soll, ist ein 23-Jähriger vom Amtsgericht Fulda zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Bei der Urteilsverkündung verlor der Mann die Fassung – und muss nun außerdem eine Ordnungsstrafe zahlen.

Fulda - Es ist ein Sonntagmorgen im September des vergangenen Jahres, als der junge Mann mit seiner Lebensgefährtin und seiner kleinen Tochter in das Bäckerei-Geschäft in Fulda kommt. Die Frau nimmt an einem Tisch Platz, der eigentlich aufgrund der Corona-Abstandsregeln gesperrt ist. „Meine Lebensgefährtin war im siebten Monat schwanger und ihr ging es nicht gut“, berichtet der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand vor Gericht erschienen ist. Deshalb habe sie sich kurz setzen wollen.

Dann sei sie von einer Bäckerei-Mitarbeiterin angesprochen worden: Der Platz sei gesperrt, sie könne dort nicht sitzen. Der Angeklagte, der ein Stück weiter an der Theke des Ladens einkauft, spricht die Mitarbeiterin an: Ob sie das nicht höflicher formulieren könne. Ein lauter werdendes Wortgefecht sei entstanden, das der Chef der Filiale mitbekommt. Er erklärt, wenn ihm etwas nicht passe, könne der junge Mann ja auch die Filiale verlassen.

Fulda: 23-Jähriger steht wegen Beleidigung vor Gericht

Laut Anklage hat der 23-Jährige den Chef an dieser Stelle angegangen und beleidigt – das bestreitet der Angeklagte jedoch vehement. Schließlich frühstückt die Familie auf der Terrasse des Ladens. Doch dann, so schildern es die Verkäuferin und ihr Chef als Zeugen vor Gericht, kam der Mann noch einmal in den Laden. Er habe sich von der Verkäuferin verabschiedet; dem Chef aber gedroht, gegen seinen Kopf zu treten wie gegen einen Fußball. Dann sei die Familie mit dem Auto davongefahren.

Der Chef habe das Kennzeichen des Wagens notiert und die Polizei alarmiert. Beide Zeugen gaben an, nicht bemerkt zu haben, dass die Lebensgefährtin des Angeklagten schwanger war. „Wenn ich gesehen hätte, dass die Frau schwanger ist, hätte ich mich sicher anders verhalten“, erklärt die Zeugin. Was wortwörtlich gesagt worden sei, daran könne sie sich aber nicht mehr genau erinnern. Die Lebensgefährtin des Angeklagten erscheint nicht vor Gericht. (Lesen Sie hier: 51-jährige Mutter muss ins Gefängnis: Immer wieder Diebstähle und Verkehrsdelikte).

Der 23-Jährige wirkt aufgebracht und emotional – er könne nicht verstehen, dass „so ein Theater gemacht wird wegen nichts“. Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass er vor Gericht erscheinen muss – schon einmal musste er eine Strafe zahlen. Seine finanzielle Situation ist angespannt, er ist verschuldet, wie er schildert: Er sei in der Gastronomie tätig, und habe aufgrund der Corona-Pandemie seit November in seinem Beruf nicht arbeiten können. Die Dezemberhilfen zur Unterstützung habe er erst vor zwei Wochen erhalten.

Mann steht wegen Beleidigung vor Gericht: Richter verurteilt zu 25 Tagessätzen zu je 20 Euro

Der Richter erklärt in seiner Urteilsbegründung, er halte die Aussagen der beiden Zeugen für glaubhaft. Der Angeklagte bestreite zwar die beleidigenden Aussagen, habe aber eine „unglaublich kurze Hutschnur“. Er verurteilt den Mann zu 25 Tagessätzen zu je 20 Euro. Er folgt damit weitgehend der Staatsanwältin, die 25 Tagessätze zu je 25 Euro gefordert hatte.

Bei der Urteilsbegründung platzt dem Angeklagten endgültig der Kragen: Er wird laut, bekräftigt seine Unschuld und äußert völliges Unverständnis für das Urteil. Der Richter beordert daraufhin nicht nur mehrere Wachtmeister in den Saal, sondern legt dem 23-Jährigen auch noch ein Ordnungsgeld von 150 Euro auf. Doch da ist dieser schon aus dem Saal gestürmt.

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