Dank der Mehrwertsteuersenkung weniger bezahlen? Das gilt nur für ein paar Branchen und wird auf dem Kassenzettel bei den Einkäufen vermerkt.
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Dank der Mehrwertsteuersenkung weniger bezahlen? Das gilt nur für ein paar Branchen, wie unser Artikel zeigt. (Symbolbild)

Konjunkturpaket des Bundes

Mehrwertsteuer sinkt: Wo in der Region winken den Kunden Ersparnisse? 

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  • Marius Scherf
  • Michel Ickler
    Michel Ickler
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    Bernd Loskant

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Corona-Krise soll die Kaufkraft der Deutschen anregen. Dazu fallen ab Mittwoch nur noch 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer beim Einkauf an. Doch wo in Fulda sparen die Kunden bares Geld? In unserer Zusammenfassung finden Sie die Antwort.

  • Am Montag hatte die Bundesregierung das neue Corona-Konjunkturpaket beschlossen.
  • Dieses zieht eine Senkung der Mehrwertsteuer und des Satzes für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs nach sich.
  • Doch nicht alle Geschäfte in Fulda geben die Senkung an ihre Kunden weiter.

Fulda - Beim Kauf von Brot und Brötchen steht bei den beiden „Platzhirschen der Region, „Pappert“ und „Happ" fest: Eine Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an Kunden wird es nicht geben. Dafür sollen die Mitarbeiter beider Unternehmen profitieren. Pappert teilt mit: „Da es sich bei unseren Verkaufspreisen nur um Cent-Beträge handelt, die dann beim Endverbraucher ankommen würden, haben wir uns entschlossen, die Ersparnis an unsere Mitarbeiter weiterzugeben. Als Dankeschön für ihren täglichen Einsatz in dieser schweren Zeit.“

Happ kündigte gegenüber unserer Zeitung einen „befristeteten Lohnzuschlag von Juli bis Dezember für alle Mitarbeiter“ an. Für die Kunden werde es in den nächsten Monaten besondere Preisaktionen geben.

Mehrwertsteuersenkung in Fulda: Lebensmittelmärkte führend bei der Weitergabe an die Kunden

Im Lebensmittelhandel gibt Tegut seit Montag den Mehrwertsteuervorteil direkt an seine Kunden weiter: Dieser wird in Höhe von 2 Prozent als Rabatt auf Lebensmittel sowie in Höhe von 3 Prozent auf Drogerie- und Nonfood-Produkte an der Kasse abgezogen. Damit geht Tegut einen ähnlichen Weg wie Aldi und gewährt dem Kunden einen höheren Rabatt, als die einfache Weitergabe des Mehrwertsteuervorteils über den Verkaufspreis ausmachen würde. Auch Lidl hat bereits Preissenkungen vorgenommen.

Auch die anderen großen Lebensmittelhändler haben angekündigt, die Mehrwertsteuersenkung komplett an die Kunden weiterzugeben. Edeka Hahner in Künzell beispielsweise hat sich entschieden, alle Preise neu auszuzeichnen und die Mehrwertsteuersenkung komplett an den Kunden weiterzugeben.

Fulda und Hünfeld: Verluste durch Corona-Lockdown wiegen bei den meisten Gastronomen zu schwer

Restaurants, Kneipen und Cafés haben besonders unter dem Lockdown gelitten. Unsere Umfrage ergab: Die große Mehrheit wird die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Gäste weitergeben, sondern sieht sie als kleine finanzielle Spritze, um die eigene Lage zu verbessern. Gaststätten und Cafés wie das Cafe Ideal, der Italiener Bellini in Fulda und das Café Kultur werden die Senkung nicht an die Kunden weitergeben.

Fatmir Gjocaj, Geschäftsführer der Havanna-Bar, begründet: „Ein Cocktail würde nur 20 bis 30 Cent billiger. Die Preise bleiben bei uns gleich.“ Er betont noch etwas anderes: „Viele Restaurants hatten eine Servicepauschale eingeführt. Der Gast hat mehr davon, wenn er diese nicht zahlen muss, als dass er durch die Mehrwertsteuersenkung sparen würde.“

Zu den wenigen Gastronomen, die die Senkung weitergeben, zählt Marc Zuspann von der Waldgaststätte Praforst in Hünfeld. Zunächst werde man Gästen drei Prozent von der Gesamtrechnung abziehen, später dann soll es neue Speisekarten mit neuen Preisen geben. Auch beim Caterer Genusshoch3 wird die gesenkte Steuer an den Kunden weitergegeben. Chef Patrick Bohl sagt: „Wir berechnen auch sonst die Nettoeinzelpreise, daher ist es jetzt nicht schwieriger, den verminderten Steuersatz aufzurechnen.“

Fuldaer Modehandel: Einige Läden geben die Senkung an die Kunden weiter

Im hiesigen Modehandel steht häufig noch ein Fragezeichen vor der Entscheidung. Die größeren Läden in der Region werden die Mehrwertsteuersenkung weitergeben, so etwa C&A oder Hohmann & Heil.

Markus Vogt von Mode Vogt in Hünfeld verweist auf laufende Rabattaktionen: „Wir sind derzeit schon halb im Schlussverkauf-Modus und haben viele Rabattaktionen, die erheblich weiter gehen als die Prozente aus der Mehrwertsteuersenkung.“ Unternehmen wie der Fuldaer Herrenausstatter Köhler, das Modegeschäft Feinsinn, das Schuhgeschäft Ebert oder Taschenwelten in Fulda ist noch unklar, ob die Senkung an die Kunden weitergegeben wird.

Einige kleine Läden in Fulda, wie Rhönblut, Ellason Fashion oder Peters, geben die Senkung an ihre Kunden weiter, reduzieren ihre Preise oder gewähren Rabatt. Beim Sneaker-Store 43einhalb werden die 3 Prozent manuell an der Kasse abgezogen.

Fulda: Große und langfristige Anschaffungen profitieren eher von der Mehrwertsteuersenkung

Überall dort, wo es um größere Neuanschaffungen geht, können die Kunden davon ausgehen, dass der Mehrwertsteuervorteil auch weitergegeben wird. Für Elektromärkte wie MediaMarkt, aber auch Fachgeschäfte wie HiFi-Gärber ist es keine Frage, dass der Kunde profitieren soll. Udo Müller vom Euronics XXL EFM Müller sagt: „Der Kunde kommt bei uns in irgendeiner Form in den Genuss der Senkung. Wahrscheinlich werden wir Nettopreise ausschreiben und die 16 Prozent dann drauf rechnen.“ Aber auch bei Möbelhäusern wie XXXL Buhl oder Möbelpunkt Thalau können sich die Kunden über günstigere Preise freuen. In Thalau sind die Kassensysteme bereits umgerüstet.

Die beiden großen Baumarktketten in Fulda, Obi und Globus, werden die Senkung eins zu eins an ihre Kunden weitergeben, wie es in Pressemitteilungen heißt. Globus will dabei aber nicht Hand an die einzelnen Preise anlegen, sondern vielmehr direkt an der Kasse die entsprechend gesenkten Mehrwertsteuersätze anwenden. Obi will ebenfalls nicht umetikettieren, sondern zieht an der Kasse 2,52 Prozent vom Einkauf ab – das entspricht exakt den 3 Prozentpunkten Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent.

Mehrwertsteuer: RhönEnergie gibt Entlastung an Kunden weiter

Die RhönEnergie Fulda gibt die zeitlich begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer komplett an ihre Kunden weiter. Das teilt das Unternehmen mit. Der reguläre Mehrwertsteuersatz wird von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Dies trifft etwa auf Strom, Erdgas und Fernwärme zu. Beim Trinkwasser sinkt die Steuer von regulär 7 auf 5 Prozent. Die Abwassergebühren sind ohnehin von der Mehrwertsteuer befreit.

Die Einsparung für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Strom-Verbrauch von 3.500 kWh im Jahr beträgt etwas mehr als zwei Euro pro Monat. Beim Trinkwasser spart ein Durchschnitts-Haushalt mit einem Jahres-Verbrauch von 120 Kubikmeter etwa 0,40 Euro pro Monat.

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