1. Fuldaer Zeitung
  2. Fulda

Messer-Attacke im Schlossgarten: Bewährungsstrafe für 20-jährigen Täter

Erstellt:

Von: Jessica Vey

Der 20-jährige Täter wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
Der 20-jährige Täter wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. © Jessica Vey

Im Prozess um die Messer-Attacke im Fuldaer Schlossgarten ist am Montag das Urteil gesprochen worden. Der 20-jährige Täter wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Im Gerichtssaal flossen Tränen der Erleichterung.

Fulda - In Handschellen wurde der junge Mann aus Fulda am Montag in den Gerichtssaal geführt - und ohne Fesseln konnte er diesen wieder verlassen. Seit fünf Monaten saß er in Untersuchungshaft und hat dort kürzlich seinen 20. Geburtstag verbracht.

Sofern er sich an die Bewährungsauflagen hält - er muss unter anderem zwei Jahre lang nachweisen, dass er auf Alkohol und Drogen gänzlich verzichtet -, ist das Gefängnis für ihn Geschichte. Nach der Verhandlung am Fuldaer Landgericht fiel er seinen Eltern und Großeltern im Zuschauerraum in die Arme. Tränen der Erleichterung flossen. 

Fulda: Messer-Attacke im Schlossgarten - Milde Strafe für 20-jährigen Täter

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt vor Gericht zugegeben, im September vergangenen Jahres einen 18-Jährigen mit Messerstichen verletzt zu haben, der im Schlossgarten auf einer Bank saß.

Der Vorwurf des versuchten Totschlags wog schwer. Dass er seinen einstigen Kumpel mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte, wertete die Kammer nun jedoch nicht als versuchten Totschlag, sondern als gefährliche Körperverletzung.

Weil außerdem das Jugendstrafrecht angewendet wurde und weil man von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgeht - der junge Mann hatte bei der Tatzeit gut 2,3 Promille -, erhielt der 20-Jährige eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird.  

Zwei Messerstiche: 18-Jähriger musste mit Not-Operation gerettet werden

Richter Joachim Becker zeichnete in seiner Urteilsbegründung ein Bild von einem Jugendlichen, der auf die schiefe Bahn geraten war: Bereits in der achten Klasse kam es zu schulischen Schwierigkeiten, der Angeklagte spielte Videospiele, konsumierte erstmals Cannabis und Alkohol. Mit 17 Jahren kiffte und trank er regelmäßig und geriet in einen neuen Freundeskreis, dem das spätere Opfer angehörte. In der elften Klasse brach er die Schule ab, nach einer Trunkenheitsfahrt verlor er seinen Führerschein. Er trank bis zu eine Flasche Korn am Tag, schilderte der Richter.

Die Probleme in der Familie nahmen dadurch zu. Er wollte einen Entzug machen, wurde aber von der Klinik zunächst abgewiesen. Im März 2021 zerbrach die Beziehung mit seiner Freundin. Im Juli endete die Freundschaft zu dem späteren Opfer nach einem Streit auf einer Party. Übers Handy folgten Beleidigungen und Bedrohungen zwischen beiden.

Ende September 2021 traf der damals 19-Jährige im Schlossgarten auf seinen einstigen Freund. „Er wollte ihm wehtun“, wertete der Richter. Der Angeklagte stach „unvermittelt und hinterrücks“ auf den 18-Jährigen ein, der mit Freunden auf einer Bank saß und den Angreifer nicht kommen sah. Die zwei Stiche mit einem zehn Zentimeter langen Butterflymesser hätten den 18-Jährigen umbringen können, erklärte Richter Becker. „Eine Not-Operation war lebensrettend.“

Staatsanwaltschaft und Nebenklage behalten sich Revision vor

Den Tod seines Freundes nahm der Angeklagte „zumindest billigend in Kauf. Weil er jedoch die Tat abbrach und ihn nicht weiter verletzte, baut der Gesetzgeber in diesem Fall eine goldene Brücke“, erläuterte Becker. Aufgrund des Abbruchs der Tat geht die Kammer von gefährlicher Körperverletzung aus und nimmt eine verminderte Steuerungsfähigkeit durch den hohen Alkoholpegel an.

Der 20-Jährige habe bereits vor der Verhandlung 6000 Euro an das Opfer gezahlt, er habe die Tat gestanden und das Opfer um Entschuldigung gebeten, er sei nicht vorbestraft und er habe bereits in U-Haft mit einer Drogenberatung begonnen, hielt ihm Becker zugute. Er sehe eine „günstige Sozialprognose“, doch er mahnte an: „Wenn Sie in der zweijährigen Bewährungszeit Alkohol oder Drogen zu sich nehmen, wenn Sie eine neue Straftat begehen oder zu Ihrer Arbeit nicht antreten, dann wird die Haftstrafe vollstreckt.“ Der Angeklagte muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Mit dem Urteil folgt die Kammer der Forderung von Verteidiger Jörg-Thomas Reinhard, der sich gegenüber unserer Zeitung rundum zufrieden äußert. Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban und Nebenklagevertreter Knut Hillebrand hatten eine drei Jahre Jugendhaft gefordert und eine verminderte Schuldfähigkeit ausgeschlossen. Sie behalten es sich vor, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Auch interessant