Die Angeklagte bespricht sich im Gerichtssaal mit Rechtsanwalt Jochen Kreissl.
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Die Angeklagte bespricht sich im Gerichtssaal mit Rechtsanwalt Jochen Kreissl.

39-Jährige bestreitet Vorwürfe

Fulda: Fünffache Mutter soll ihren Sohn (12) sexuell missbraucht haben

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Eine 39-Jährige soll ihren Sohn mehrfach sexuell missbraucht haben. Sie und ihr Ex-Freund wurden am ersten Verhandlungstag am Mittwoch angehört. Der Sohn, der bei den ersten Handlungen zwölf gewesen sein soll, sagte als Zeuge aus.

Fulda - Eigentlich soll der erste Verhandlungstag unter Vorsitz von Richter Joachim Becker mit der Verlesung der Anklageschrift um 9 Uhr beginnen. Doch weil die Angeklagte die Vorladung nach eigener Aussage nie erhalten haben soll, muss sie von der Polizei von ihrem Wohnort in der Rhön (Kreis Fulda) abgeholt werden.

Gegen 11 Uhr dann verliest die Staatsanwältin die Anklage: Der heute 39-Jährigen wird vorgeworfen, ihren ältesten Sohn im Zeitraum von 2014 bis 2017 mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie soll an dem 2002 geborenen Jungen fünfmal den Beischlaf ungeschützt vollzogen und drei weitere sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen haben. Dies soll sich im Schlafzimmer der Beschuldigten in einem gemieteten Haus in Petersberg abgespielt haben. „Ich kann gar nichts sagen“, sagt die Angeklagte und ihr Anwalt Jochen Kreissl rät: „Dann sagen Sie auch nichts.“

Fulda: Missbrauch an Sohn? - Fünffache Mutter bestreitet Vorwürfe

Als der 20-jährige Sohn und Zeuge den Gerichtssaal betritt, sackt die Angeklagte in sich zusammen. Der Sohn wünscht sich, dass seine Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen wird. Nachdem er wieder den Saal verlassen hat, äußert sich die Angeklagte zu den Vorwürfen. Als weiterer Zeuge wird ihr Ex-Freund angehört.

Wie schon in den polizeilichen Vernehmungen weist die 39-Jährige die Vorwürfe, die ihr Sohn erstmalig seinen Betreuern aus einem Wohnheim in Wetzlar gegenüber geäußert hat, von sich: „So eine Situation gab es niemals.“ Die gelernte Altenpflegerin berichtet nach einer Besprechung mit dem Anwalt von dem Zeitraum zwischen 2014 und 2017, auf den sich die Vorwürfe beziehen.

Sie habe nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Ex-Mann die fünf Kinder in Obhut gegeben und ihr Sohn habe sie regelmäßig an den Wochenenden besucht. Dem Gericht zufolge schaltete sich damals das Jugendamt ein, weil die Mutter mit den fünf Kindern überfordert war. Die Angeklagte selbst spricht auch von Drogenkonsum, sie habe hin und wieder einen Joint geraucht und im vergangenen Jahr den Speed-Konsum eingestellt. Aufgrund ihres unsteten Lebens habe sie den Kontakt zu ihren fünf Kindern zur Zeit eingestellt.

Missbrauchsvorwürfe gegen 39-Jährige - Ex-Freund sagt aus

Zwischen 2014 und 2017 habe sie mit ihrem Ex-Freund zusammen ein Haus in Petersberg gemietet, in dem der Sohn zu jeder Zeit ein eigenes Zimmer hatte. „Ich habe damals versucht, die Wochenenden so zu gestalten, wie er es gern wollte.“ Sie habe zu Anfang der Besuche nachts mit ihm einen Raum geteilt, er habe aber im Bett und sie auf der Couch geschlafen.

Auf den Hinweis der Staatsanwältin, dass die Betreuer die Angeklagte mal hätten sagen hören, ihr Sohn sei so hübsch, dass sie sich glatt in ihn verlieben könne, entgegnet die Angeklagte: „Ich finde alle meine Kinder hübsch – das sind doch meine Kinder.“ Auch der Umgang mit Nacktheit sei normal gewesen, sie habe ihm höchstens mal ein Handtuch ins Bad gereicht. Unbekleidet habe sie sich nie mit ihm im Bett befunden.

Der inzwischen 35-jährige Ex-Freund der Angeklagten sei von der Ladung zu dem Gerichtstermin überrascht gewesen. Er habe das Mutter-Sohn-Verhältnis immer als normal erlebt. „Sie kam mir vor wie eine liebevolle Mutter“, sagt der Altenpfleger. Der Sohn sei locker und offen gewesen und habe keine Verhaltensauffälligkeiten gezeigt. Er selbst habe keine den Vorwürfen entsprechenden Vorfälle erlebt.  Der Sohn sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

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