Dem Angeklagten im Prozess um die getötete Ärztin in Fulda droht eine lebenslange Haft.
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Dem Angeklagten im Prozess um die getötete Ärztin in Fulda droht eine lebenslange Haft.

Landgericht Fulda

Plädoyers im Prozess um ermordete Ärztin: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Das Verfahren am Landgericht Fulda um die Tötung einer Ärztin geht in die Schlussphase. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag lebenslang für einen Mord aus Heimtücke sowie die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld.

Fulda - Wie schon in den vergangenen drei Monaten, in denen der Fall vor dem Landgericht Fulda verhandelt wird, beteuerte der 31-jährige Angeklagte, der laut Gutachten voll schuldfähig ist, auch in seinem Schlusswort, dass er unschuldig sei. Ihm wird vorgeworfen, im Dezember des vergangenen Jahres seine frühere Freundin ermordet zu haben.

Diesen Vorwurf sah Staatsanwältin Dr. Christine Seban jedoch bestätigt, nachdem in dem Prozess um die getötete Ärztin zahlreiche Zeugen befragt, Handys ausgewertet und Gutachten angefertigt worden waren. „Wenn er sie nicht haben kann, dann soll sie auch kein anderer haben: Diese Haltung des Angeklagten war der Tötungsgrund“, sagte Seban in ihrem Plädoyer.

Fulda: Mörder der Ärztin droht lebenslange Haft - und sogar noch mehr

Die 35 Jahre alte Ärztin sei durch „einen wuchtigen Stich“ gestorben: „Er wollte sie töten.“ Weil das Opfer arglos gewesen sei, als der Beschuldigte sie vor ihrer Haustür aufgesucht hatte, sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt, führte die Staatsanwältin aus. Auch ein zweites Mordmerkmal, das der niederen Beweggründe, sah Seban als gegeben: Der Angeklagte sei eifersüchtig gewesen und habe sich überdies gekränkt gefühlt, nachdem seine Ex-Freundin nach der Trennung auf seine Avancen und Rückgewinnungsversuche nicht eingegangen war.

Die Staatsanwaltschaft beantragte zudem die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld. In diesem Fall wäre eine Entlassung nach 15 Jahren nur in wenigen Ausnahmefällen möglich.

Prozess um ermordete Ärztin: Verteidiger fordert Freispruch für Angeklagten

Sebans Forderungen schloss sich der Anwalt der Nebenklage, Knut Hillebrand, an. Er ging auch auf das Verhalten des Täters an und berichtete, wie dieser am letzten Verhandlungstag gelächelt habe, als sich die Verfahrensbeteiligten Bilder der getöteten Frau angeschaut hatten. „Eine Auseinandersetzung mit der Tat ist bei ihm nicht ansatzweise zu erkennen.“ Zudem sei der 31-Jährige bereits wegen Körperverletzung einschlägig vorbestraft.

Verteidiger Axel Küster beantragte hingegen Freispruch. Zum einen sah er weder den Vorwurf der Heimtücke noch des niederen Beweggrunds bestätigt. Nichts deute darauf hin, dass der Angeklagte die Tat länger im Voraus geplant habe. Zum anderen mutmaßte er, dass sein Mandant – sollte er die Tat tatsächlich begangen haben –, sich möglicherweise an diese Tat nicht mehr erinnern könne und in diesem Fall „das seltene Phänomen einer Amnesie“ vorliegen könnte. Richter Josef Richter wird am Donnerstag, 15. Juli, um 12 Uhr das Urteil verkünden.

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