Der 31-jährige Angeklagte hat sich am zweiten Prozesstag im Fuldaer Landgericht zur Tat geäußert: Er habe den Mord nicht begangen, sagt er.
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Der 31-jährige Angeklagte hat sich am zweiten Prozesstag im Fuldaer Landgericht zur Tat geäußert: Er habe den Mord nicht begangen, sagt er.

„Wir wurden verfolgt“

Prozess um getötete Ärztin in Fulda: Angeklagter bestreitet, seine Ex-Freundin umgebracht zu haben

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Der Prozess um die getötete Ärztin ist am Montag am Fuldaer Landgericht fortgesetzt worden. Ein 31-Jähriger steht wegen Mordes vor Gericht. Am zweiten Prozesstag erklärte er in einer umfangreichen Stellungnahme, er habe seine Ex-Freundin nicht getötet und berichtete von jemandem, der ihn verfolgte. 

Fulda - Zunächst erklärte der Rumäne zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Fulda, er wolle einen neuen Anwalt. „Ich bin nicht zufrieden“, übersetzte eine Dolmetscherin, was der 31-Jährige sagte. Als Richter Josef Richter einhakte, und daran erinnerte, dass der Angeklagte schon während des Ermittlungsverfahrens seinen Anwalt gewechselt habe, pochte der 31-Jährige darauf, dass dies alles nicht nach seinem Willen abgelaufen sei.

„Jetzt bin ich am Reden“ – der Richter musste den jungen Mann ermahnen, da er den Vorsitzenden teilweise unterbrach. Mit dem Hinweis darauf, dass er bis zum nächsten Verhandlungstag einen Antrag auf einen neuen Verteidiger stellen könne, blieb Axel Küster also zunächst sein Anwalt.

Prozess um getötete Ärztin: Angeklagter sagt aus, die Tat nicht begangen zu haben

Was dann folgte, war eine wenig zusammenhängende, aber umfangreiche Erklärung des Angeklagten. Bereits zum Prozessauftakt hatte der 31-Jährige Angeklagte aussagen wollen, hatte sich dann aber wieder davon abbringen lassen. Was in der Anklage geschildert worden war, „fand ich sehr merkwürdig und schrecklich“, erklärte er. „Wenn man einen Menschen ins Gefängnis schickt, dann muss man sich zu 100 Prozent sicher sein, dass der Mensch es getan hat.“ Der 31-Jährige stellte in Frage, dass es Beweise gebe, behauptete außerdem, dass es am Tatort keine Abdrücke von ihm gegeben habe.

Dann sei er in der Wohnung seines Bruders festgenommen worden. „Ein Rechtsanwalt schickte mich nach Kassel. Dort fing ein Terror an“, schilderte der Angeklagte. Er habe weder seine Familie noch seinen Anwalt anrufen dürfen. Ein Richter habe schließlich gesagt: „Ich bin unschuldig, es gibt keine Beweise.“

Am zweiten Prozesstag meldete sich der Angeklagte selbst zu Wort.

Richter Josef Richter fragte ihn, ob er sich denn auch zu den Vorwürfen äußern wolle, ob es stimmt, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Darauf sagte der junge Mann – diesmal auf Deutsch – entschieden: „Nein.“

Stattdessen berichtete er von einer „sehr schönen Beziehung. Wir haben uns gegenseitig respektiert, haben uns Geschenke gemacht“. Im März 2020 habe er der 35-Jährigen einen Heiratsantrag gemacht – an ihrem Geburtstag und an dem Tag, an dem die Scheidung zu ihrem Ex-Mann durch war. Sie habe „Ja“ gesagt.

Getötete Ärztin in Fulda: Angeklagter spricht von Verfolgung durch „großen Typen mit grauen Haaren“

Es habe keine Krisen gegeben, keinen Streit, keine Probleme. Auf die Frage, ob er manchmal aggressiv gewesen sei, sagte er: „Nein, niemals“, - wieder auf Deutsch. Auf Rumänisch fügte er hinzu: „Sie wollte mir helfen, den Führerschein zu schaffen.“ Doch als er die praktische Prüfung abgelegt habe, sei dort ein Mann mit einer Pistole gewesen. Er habe dort einen Vertrag unterschrieben, er habe gedacht, es sei für den Führerschein. „Aber das war der größte Fehler, es war ein Terror.“ Es sei vereinbart worden, dass seine Freundin ein Schutzgeld zahlen soll. Sie sei „unschuldig da hineingeraten“.

Dieser Mann – ein großer Typ mit grauen Haaren und einer schwarzen Jacke mit roten Streifen – der habe ihn – und auch seine Freundin – verfolgt. An ihrer Arbeitsstelle, an ihrer und auch an seiner Wohnung. Meist in Begleitung eines kleineren Mannes. Auch seine Freundin sei terrorisiert worden. „Sie hat mich so sehr geliebt, aber sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte“, schilderte der 31-Jährige.

Video: Prozess um getötete Ärztin in Fulda - Ex-Freund wegen Mordes vor Gericht

Die Person sei jemand aus dem Bekanntenkreis der Getöteten gewesen. Doch später in der Befragung sagte er, es sei jemand gewesen, der ihn in einer Bande haben wollte. Er habe ihn 2018 kontaktiert, nachdem der Angeklagte wegen einer früheren Straftat nach neunmonatiger Haft das Gefängnis verlassen hatte. Dieser besagte Mann habe schließlich ihn, aber auch die 35-jährige Ärztin, mit der er seit November 2019 zusammen war, terrorisiert. Seine Freundin habe oft geweint deswegen.

Dass der Angeklagte am Tattag, am 7. Dezember 2020, in dem Hinterhof des Wohnhauses seiner Ex-Freundin war, das bestätigte er. Sie habe ihm ein Zeichen gegeben, sie könne jetzt nicht sprechen und rufe ihn später an. Er sei nicht ausgestiegen und rückwärts aus der Hofeinfahrt rausgefahren – daraufhin sei ein dunkles Auto in den Hof hinein gefahren. Wer darin saß? Das habe er nicht gesehen. „Die Scheinwerfer blendeten mich.“

Angeklagter im Prozess um getötete Ärztin: Ich bin nicht paranoid oder krank

Der psychiatrische Gutachter Dr. Christian Knöchel fragte den Angeklagten, ob er manchmal Stimmen höre. Er sagte auf Deutsch entschieden: „Nein. Ich bin nicht paranoid oder krank.“ Seine Mutter habe aber mal zu ihm gesagt: „Du bist verrückt. Es verfolgt dich keiner.“

Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt – es werden Zeugen aussagen.

Am Tatort - im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses in der Nikolausstraße - wurden Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Am Montag, 7. Dezember, war die 35-jährige Ärztin im Hinterhof ihrer Wohnung in der Nikolausstraße in Fulda tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Zwei Tage später und nach der Obduktion der Rumänin steht fest: Die Frau ist durch eine Schnitt- oder Stichverletzung am Hals gestorben. Nur eine einzige Wunde wurde ihr zugefügt. Bereits am Abend zuvor war der 31-jährige Angeklagte als dringend Tatverdächtiger in Untersuchungshaft gekommen.

Getötete Ärztin in Fulda: Herz-Jesu-Krankenhaus richtet Spendenkonto für zweijährigen Sohn ein

Der Tatverdächtige ist der Ex-Freund der Getöteten. Die Beziehung der beiden dauerte nicht einmal ein Jahr und sei „problembehaftet“ gewesen, erklärte Staatsanwältin Dr. Christine Seban unserer Zeitung. Die 35-Jährige habe sogar „mehrere Anzeigen“ gegen den 30-Jährigen erstattet, berichtet Seban. „Wegen Körperverletzung, wegen Beleidigung und wegen Nachstellung“ – weil er „die Trennung nicht akzeptierte“.

Eine Woche nach der Tat organisierte die Feministische Initiative Fulda eine Mahnwache gegen tödliche Gewalt an Frauen – 60 Menschen nahmen teil, um am Fuldaer Uniplatz der Opfer von Femiziden zu gedenken. Dieser Begriff wird verwendet, wenn Frauen Opfer tödlicher Gewalt werden, weil sie Frauen sind.

Die getötete 35-Jährige aus Fulda war seit mehr als zehn Jahren im Herz-Jesu-Krankenhaus tätig. Das Krankenhaus rief im März 2021 eine Spendenaktion ins Leben, um vor allem den kleinen Sohn finanziell zu unterstützen.

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