Der 31-Jährige, der wegen Mordes vor Gericht steht, (hier mit Verteidiger Axel Küster, rechts), hat keine psychische Störung und ist deshalb voll schuldfähig.
+
Der 31-Jährige, der wegen Mordes vor Gericht steht, (hier mit Verteidiger Axel Küster, rechts), hat keine psychische Störung und ist deshalb voll schuldfähig.

Lebenslange Haft droht

Mord an Fuldaer Ärztin - Psychiater hält Angeklagten für schuldfähig

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
    schließen

Im Fall der getöteten Ärztin in Fulda wurden am Landgericht verschiedene Gutachten vorgetragen. Der Psychiater kam zu dem Schluss, dass der 31-jährige Angeklagte keine psychische Störung hat. Heute sollen die Plädoyers gehalten werden.

Fulda - Dr. Christian Knöchel hat an mehr als ein Dutzend Verhandlungstagen mit im Gerichtssaal gesessen, hat den Angeklagten beobachtet, dessen Ausführungen angehört und Zeugen zu seinem Charakter befragt. Auf dieser Grundlage trug er am Freitag sein Gutachten vor – ohne, dass es ein persönliches Gespräch mit dem 31-jährigen Beschuldigten gegeben hat. Dies hatte der Rumäne abgelehnt.

Das Ergebnis: Der Facharzt für Psychiatrie konnte keine psychische Erkrankung feststellen. Der Mann ist damit seiner Ansicht nach voll schuldfähig. Psychische Erkrankungen wirken sich schuldmindernd aus – was dementsprechend zumeist das Strafmaß reduziert. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht dem 31-Jährigen lebenslange Haft.

Fulda: Mord Ärztin - Psychiater liefert Einschätzung zum Angeklagten

Der Psychiater ging in seinem Gutachten auf die Biografie des jungen Mannes ein, der 2014 nach Deutschland gekommen ist. Zu seinen Eltern, den drei Schwestern und zwei Brüdern habe er ein „gutes und enges Verhältnis“. Er sei in Rumänien zur Schule gegangen, war dann in Deutschland in einer Festanstellung bei einer Cateringfirma. 2017 sei er straffällig geworden. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung habe er eine neunmonatige Haftstrafe absitzen müssen. (Lesen Sie hier: Polizisten berichten von Festnahme des Angeklagten)

„Danach war er arbeitslos“, schilderte Dr. Knöchel. Er sei dann zunächst nicht in Arbeit gewesen, weil er seinen Vater, der an Krebs erkrankt war, gepflegt habe. Auf Basis seiner Vorgeschichte sieht der psychiatrische Sachverständige „keine frühen Fehlanpassungen im familiären oder sozialen Bereich“.

In der Beziehung mit der Ärztin aus Fulda sei er zunächst aufmerksam, liebevoll und fürsorglich gewesen, für den zweijährigen Sohn der 35-Jährigen ist er von Zeugen als Vaterfigur beschrieben worden. „Er ist durchaus in der Lage, sozial empathisches Verhalten zu zeigen“, so Knöchel. Seit November 2019 waren sie, der Angeklagte und die Ärztin, ein Paar. „Im März 2020 machte er ihr einen Heiratsantrag. Sie nahm den Ring an, lehnte eine Hochzeit aber ab“, gab der Gutachter übereinstimmende Zeugenaussagen wieder. Sie habe nach ihrer Scheidung nicht mehr heiraten wollen.

Abgelehnter Antrag war für Angeklagten „narzisstisches Kränkungserleben“

Von da an habe es „Auf und Abs“ in der Beziehung gegeben. Im Juli 2020 sei er erstmals handgreiflich geworden, im September folgte die Trennung, die er nicht habe akzeptieren wollen. Dr. Knöchel spricht von einem „narzisstischen Kränkungserleben“ durch den abgelehnten Heiratsantrag, der möglicherweise auch durch kulturelle Hintergründe zu erklären sei. Eine Persönlichkeitsstörung erkennt der Experte nicht.

Der Angeklagte hatte zu Beginn der Hauptverhandlung erzählt, er und seine Partnerin seien von Unbekannten verfolgt und erpresst worden. Eine mögliche Schizophrenie schließt der Fachmann allerdings aus. „Diese Patienten sind sehr schwer krank und können ihren Alltag alleine nicht bewerkstelligen“, erläuterte er. Wie die Erzählungen des jungen Mannes einzuordnen sind, sei dem Gericht überlassen, betonte er, da gebe es 1000 Gründe – beispielsweise könnten dies Schutzbehauptungen sein.

Auch dass er im Wahn oder aus dem Affekt heraus gehandelt haben könnte, insofern er der Täter sei, schließt der Sachverständige aus. Laut Handyauswertungen habe er am Tattag, dem 7. Dezember, bereits um 6.30 Uhr vor dem Herz-Jesu-Krankenhaus auf seine Ex-Partnerin gewartet. Um 8 Uhr lag sie tot vor ihrer Haustür in der Fuldaer Nikolausstraße. „Wenn, dann musste er ein Messer, mit dem sie umgebracht wurde, schon mit sich geführt haben.“ Die Nachricht, die er ihr in der Nacht vor ihrem Tod geschrieben hat, sie solle sich gut fühlen, solange sie noch könne, könne eine Form der Vorankündigung sein, erläuterte Knöchel.

Psychiater schätzt ein: „Es muss von voller Schuldfähigkeit ausgegangen werden“

Er spricht von einer „zielgerichteten Tat und von strukturiertem Vorgehen“. „Nicht jede Beziehungs- ist eine Affekttat“. Der Psychiater habe darüber hinaus keine Hinweise auf übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum. „Es muss von voller Schuldfähigkeit ausgegangen werden“, fasste er zusammen.

Auch ein rechtsmedizinisches Gutachten wurde vorgetragen. Dr. Anne Weber ging im Detail auf die tiefe Schnitt-/Stichverletzung am Hals der 35-Jährigen ein und nannte das Verbluten als Haupttodesursache.

Molekularbiologe Dr. Harald Schneider vom Hessischen Landeskriminalamt erläuterte in seinem Gutachten die Auswertung der Blutspuren, die an den Schuhen und der Jacke des Angeklagten gefunden wurden. Es seien winzige Spritzer gewesen. Das Blut konnte „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ der Getöteten zugeordnet werden.

Der Mordprozess wird heute mit den Plädoyers und schließlich mit dem Urteilsspruch am Donnerstag, 15. Juli, zu Ende gehen.

Das könnte Sie auch interessieren