Der Angeklagte sitzt mit Handfesseln im Gerichtssaal. Sein Anwalt steht neben ihm.
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Seit Dezember sitzt ein 31-Jähriger in U-Haft – und muss sich vor dem Landgericht Fulda wegen Verdacht auf Mord verantworten.

Fortsetzung Mordprozess

Fall der getöteten Ärztin in Fulda: Freundin sagt aus - „Er wird mich umbringen“

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Eine 35-jährige Ärztin und Mutter eines zweijährigen Jungen ist am 7. Dezember mitten in Fulda umgebracht worden. Der Mordprozess gegen ihren Ex-Freund wurde am Landgericht fortgesetzt: Weitere Zeugen belasten den Rumänen.

Fulda - Als der 31-Jährige in Hand- und Fußfesseln zum Gerichtssaal geführt wird, stehen dort seine Angehörigen: zwei Schwestern sowie ein älteres Ehepaar, augenscheinlich seine Eltern. Eine der Schwestern weint, auch die anderen Familienmitglieder sind sichtlich aufgewühlt. Sie reden auf Rumänisch auf den schlanken, jungen Mann ein, bis dieser von den Wachtmeistern in Richtung Anklagebank geschoben wird.

Freundinnen und Nachbarn sagen an diesem Verhandlungstag in Fulda als Zeugen im Mordprozess um die getötete Ärztin aus. Sie hätten den Angeklagten als „freundlichen, offenen, hilfsbereiten Mann“ kennengelernt. „Ein netter Nachbar“, fasst es ein 29-Jähriger zusammen, der im selben Haus wohnt. Der Angeklagte sei sehr oft bei seiner Freundin in der Wohnung in der Fuldaer Innenstadt gewesen.

Prozess um Mord an getöteter Ärztin aus Fulda: Freundin sagt aus - „Er wird mich umbringen“

Seit Ende 2019 waren der 31-Jährige und die 35-Jährige, beide rumänische Staatsangehörige, ein Paar. Zu Beginn sei es eine sehr glückliche Beziehung gewesen. Dann folgte der Heiratsantrag im März 2020 – am Tag ihrer Scheidung, erklären mehrere Zeugen. Ihr Ex-Ehemann, mit dem sie zwölf Jahre verheiratet war, ist der Vater des zweijährigen Sohnes. Bei ihm in Baden-Baden lebt der kleine Junge seit dem Tod seiner Mutter. Mitte Mai fand der zunächst letzte Verhandlungstag statt, nach einer Pause wurden am 30. Juni die Zeugenbefragungen fortgesetzt.

Der Heiratsantrag sei ein Wendepunkt gewesen, berichten zwei Zeuginnen, die mit der Ärztin eng befreundet waren. „Sie hat den Ring nur angenommen, weil es ihm wichtig war“, erklärt eine 43-jährige Freundin. Doch sie habe immer betont, nie wieder heiraten zu wollen. Der Angeklagte sei zunehmend eifersüchtig und kontrollsüchtig geworden. „Sie war sehr verliebt in ihn und hat immer wieder versucht, dass es funktioniert“, erklärt die Freundin. „Aber sie hat gesagt, wenn er sie schlägt, dann trennt sie sich.“

Freundinnen berichten von der Beziehung der getöteten Ärztin und dem Angeklagten

Das tat sie im Herbst 2020, nachdem er sie geschlagen und gewürgt habe. Schließlich habe er ungefragt Geld mit ihrerer Bankkarte abgehoben, ihr Handy zerstört und ihr Auto auf dem Parkplatz gerammt. Die 35-Jährige hat ihn mehrfach angezeigt, das bestätigen Polizeibeamte. Einige Verfahren waren noch offen, als sie starb.

„Sie hat mehrfach zu mir gesagt: Er wird mich umbringen“, schildert die Zeugin. „Sie ist fast zusammengebrochen vor Angst.“ Auch eine 47-jährige Freundin sagt aus, dass es in der Beziehung nur noch „Krisen, Stress und Trennungen“ gab. Die Verstorbene sei wie eine Schwester für sie gewesen, erklärt die Zeugin mit tränenerstickter Stimme.

Die Angst vor ihrem Ex-Freund sei so groß gewesen, dass sie unbezahlten Urlaub nehmen wollte, „um eine Weile aus Fulda zu verschwinden“. Sie wollte nach Rumänien, doch wegen der Corona-Krise war dies schwierig. Letztlich habe sie ein Annäherungsverbot erwirkt – das war Ende November. Danach habe sie sich sicherer gefühlt, es sei einvernehmlich gewesen und er habe es akzeptiert.

Am Landgericht in Fulda wurden die Zeugenbefragungen am 30. Juni fortgesetzt

Anfang Dezember schickte er ihr Blumen und Geschenke – die sie behielt. „Wenn du die Geschenke nicht zurückgibst, dann sendest du falsche Signale“, warnte die 47-Jährige. „Du bist an einen Mann geraten, der unberechenbar, krank und gefährlich ist. Ich mache mir Sorgen, pass auf dich auf“, schrieb sie in einer Handynachricht.

Einige Tage später, am 5. Dezember, brachte die 47-Jährige ihrer Freundin ein Nikolaus-Geschenk vorbei – ein Buch, in das sie alles Erlebte schreiben soll, „um das Ganze zu verarbeiten und damit abschließen zu können“, erklärt die Zeugin. Das war das letzte Mal, dass sie ihre Freundin gesehen hat. Am Morgen des 7. Dezember starb die 35-jährige Ärztin, nachdem sie aus der Nachtschicht aus dem Krankenhaus heimkam – durch einen tiefen Messerstich am Hals. Der Prozess wird am Donnerstag um 8 Uhr fortgesetzt.

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