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Mordversuch mit Fleischklopfer und Messer: Wände und Boden waren „voller Blut“

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Von: Sabrina Mehler

Justitia
Im Prozess um den versuchten Mord mit Fleischklopfer und Messer haben die Nachbarn des Angeklagten ausgesagt. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Der Prozess um den versuchten Mord mit Messer und Fleischklopfer in der Leipziger Straße vom Juli vergangenen Jahres ist am Freitag, 21. Januar, fortgeführt worden. Mehrere Zeugen sagten aus, eine Nachbarin berichtete dabei von Blut an Wänden und Fußboden im Treppenhaus.

Fulda - Die Frau wollte damals in dem Mehrfamilienhaus in Lehnerz gerade das Treppenhaus putzen, als sie plötzlich laute Stimmen und mehrere Schläge gehört habe, die aus der Wohnung des Angeklagten aus Fulda drangen. „Ich dachte, der haut da oben alle Möbel kaputt“, berichtete sie vor dem Landgericht.

Was die Rentnerin aber gehört hat, war offenbar der laut Anklage „heimtückische Mordversuch“ eines 57-Jährigen, der seinen 44 Jahre alten Bekannten unvermittelt mit einem Messer und einem Fleischklopfer angegriffen haben soll. Hintergrund des plötzlichen Gewaltausbruchs waren laut dem Angeklagten, der bereits umfassend ausgesagt und die Tat gestanden hatte, Computer-Probleme, bei denen der Besucher helfen wollte.

Fulda: Mordversuch mit Fleischklopfer und Messer - Nachbarn sagen vor Gericht aus

Schwer verletzt konnte der 44-Jährige fliehen. Die Nachbarin sah noch eine Person im Treppenhaus „schnell nach unten huschen“. Aber erst später stellte sie fest, dass die Wände und der Boden „voller Blut“ waren. Sie habe Panik bekommen und sei in ihre eigene Wohnung zurückgegangen. Von ihrem Balkon aus sah sie draußen einen Mann „blutüberströmt“ am Boden liegen. Tatsächlich war der Schwerverletzte vor einer Apotheke zusammengebrochen, wo ihn ein im selben Haus wohnender Arzt und ein schnell herbeigerufener Notarzt erstversorgen konnten.

Drei Ärzte, die den Mann im Krankenhaus behandelt hatten, sagten ebenfalls vor Gericht aus – und berichteten von erheblichen Verletzungen, die er davon getragen hatte. Der Geschädigte erlitt unter anderem Schnittverletzungen an Kopf, Oberarm, Brust und Rücken, teilweise gingen sie bis zu viereinhalb Zentimeter tief. Er erhielt zwei Blutkonserven, und weil seine Lungenfunktion beeinträchtigt war, musste er intubiert und beatmet werden. Fünf Tage lang verbrachte der 44-Jährige im künstlichen Koma und mit Beatmung auf der Intensivstation, bevor er auf die Normalstation verlegt werden konnte.

Nachbarn über Angeklagten: „Ein ruhiger Mensch“

Ob seine Verletzungen lebensbedrohlich waren, vermochten die Ärzte vor Gericht nicht zweifelsfrei zu bestätigen. Hätte er keinerlei medizinische Versorgung erhalten, dann hätten die Folgen des Angriffs aber auch anders aussehen können, waren sich die Mediziner einig. Der Mann hatte jedoch Glück: Trotz seiner erheblichen Verletzungen habe seine Heilung einen „günstigen Verlauf“ genommen, erklärte ein Arzt. (Lesen Sie auch: Mordversuch mit Fleischklopfer und Messer - Prozessauftakt vor dem Landgericht Fulda)

Während des gestrigen Prozesstages ging es außerdem darum, wie andere die Persönlichkeit des 57 Jahre alten Beschuldigten beurteilen. So berichtete eine Nachbarin: „Die ganzen Jahre lang war er okay, ein ruhiger Mensch. Ich habe nie Probleme mit ihm gehabt.“ Während der Corona-Zeit habe er sich jedoch verändert: „Er war wenig draußen, stattdessen nur zu Hause.“ Er habe offenbar Angst wegen des Virus gehabt. Auch eine andere Nachbarin sagte: „Er war immer ein ruhiger Mensch, man hat ihn nur ab und zu gesehen.“ In der Pandemie habe er oft sehr laut Musik gehört.

Ebenso ruhig war der Angeklagte offenbar auch nach der Tat am 16. Juli 2021 geblieben. Ein Polizeibeamter, der ihn kurze Zeit später im Polizeipräsidium erkennungsdienstlich behandelte, beschrieb ihn als „in sich gekehrt“ und kooperativ. Der Prozess wird in der nächsten Woche am kommenden Dienstag fortgesetzt. Dann sollen weitere Polizeibeamte als Zeugen vernommen werden. Möglicherweise werden auch schon die Gutachten verlesen.

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