Medienrummel am Landgericht

Prozess um getötete Ärztin (35) in Fulda: Mutmaßlicher Mörder (31) will sich zur Tat äußern

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Ein 31-Jähriger steht seit Donnerstag vor dem Landgericht Fulda. Der Vorwurf: Er soll am 7. Dezember seine Ex-Freundin heimtückisch ermordet haben. Am ersten Prozesstag verliest die Staatsanwaltschaft die Anklage. Das Medieninteresse ist groß.

+++ 12.14 Uhr: In Handschellen und Fußfesseln wird der junge Mann am Donnerstagmorgen in den Gerichtssaal geführt. Gegen den 31-jährigen rumänischen Staatsangehörigen, der zuletzt in Fulda wohnte und seit Dezember in U-Haft sitzt, erhebt die Staatsanwaltschaft Fulda schwere Vorwürfe. Eine Dolmetscherin übersetzt dem Angeklagten das, was am Landgericht Fulda gesagt wird.

In der Anklage erklärt Staatsanwältin Dr. Christine Seban, dass sich die 35-jährige Ärztin „spätestens im September, Oktober“ endgültig von ihm getrennt habe. Es war bereits nach der Tat am 7. Dezember bekannt geworden, dass die Beziehung „problembehaftet“ war, es habe Auf und Abs gegeben. Die endgültige Trennung „konnte und wollte der Angeklagte nicht akzeptieren“, führt die Staatsanwältin weiter aus.

Mord-Prozess in Fulda: Angeklagter will sich zur Tat äußern

Er habe immer wieder versucht, die 35-Jährige zu kontaktieren. Am 25. November, nur knapp zwei Wochen vor der Tat, wurde sogar ein richterlicher Beschluss erwirkt, dass sich der damals 30-Jährige der Wohnung der Ärztin, der Kindertagesstätte ihres zweijährigen Sohnes sowie ihrer Arbeitsstelle am Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda nicht mehr nähern darf – „das haben die beiden einvernehmlich beschlossen“, erklärt Seban später im Gespräch mit unserer Zeitung. Es habe körperliche Übergriffe gegeben und die Frau habe eine „latente Angst“ vor dem Mann gehabt.

In Handschellen und Fußfesseln wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt.

Doch laut Anklage hat er in der Nacht auf den 7. Dezember wieder versucht, seine Ex-Freundin zu kontaktieren. „Daraufhin beschloss er, sie zu töten“, sagt Seban. Am nächsten Morgen habe der Angeklagte in einem Auto vor dem Krankenhaus auf die 35-Jährige gewartet. „Als diese nach ihrer Nachtschicht um 7.35 Uhr das Gebäude verließ, folgte er ihr“, sagte die Staatsanwältin.

Anklageschrift verlesen: Staatsanwältin nennt Details zur Bluttat in Fulda

Laut Anklage hat die 35-Jährige ihr Auto im Hinterhof des Mehrfamilienhauses in der Fuldaer Innenstadt, in dem sie wohnte, ihr Auto abgestellt, ist ausgestiegen und fotografierte den Angeklagten, der in seinem Auto saß. Sie schoss vier Fotos und ging dann zur Haustür, wo sie klingelte. „Das tat sie üblicherweise, um ihrem Sohn, der oben in der Wohnung war, zu signalisieren, dass sie heimkam“, erklärte Seban.

Der mutmaßliche Mörder hat am Donnerstag verlauten lassen, dass er sich zur Tat äußern möchte.

Doch ihr Ex-Freund sei ausgestiegen und habe ihr vermutlich mit einem Messer „unmittelbar eine tiefe Schnitt- beziehungsweise Stichverletzung zugefügt“, erläutert die Staatsanwältin. Die klaffende Wunde sei sieben Zentimeter lang und sechs Zentimeter tief gewesen. Die 35-Jährige ist innerhalb weniger Minuten vor ihrer Haustür liegend verblutet.

Die Frau habe entweder nicht die Erkenntnis gehabt, dass sie in Gefahr schwebt, oder sie habe keine Möglichkeit gehabt, zu reagieren. „Sie war arg- und wehrlos, was er bewusst ausnutzte“, so Seban. Mord aus Heimtücke lautet die Anklage. Das Gericht geht außerdem von „niedrigen Beweggründen“ aus, wie Vorsitzender Richter Josef Richter erklärte, da die Tat offenbar aufgrund der Beendigung der Beziehung geschehen ist.

Landgericht Fulda: Kurzes Missverständnis zwischen Angeklagtem und Anwalt

Nach dem Verlesen der Anklage sollte dieser erste Verhandlungstag eigentlich zu Ende gehen – jedoch gab es offenbar ein Missverständnis bezüglich einer Einlassung des Angeklagten. Der Richter hatte den 31-Jährigen gefragt, ob er Angaben machen möchte. Der Verteidiger erklärte, dies wolle man „heute nicht tun“. Jedoch redete der Angeklagte auf seinen Anwalt ein, schüttelte den Kopf und gestikulierte mit den Händen, die auf dem Tisch vor ihm lagen.

Er wollte sich gern äußern, wie er über seine Dolmetscherin verlauten ließ. Sein Anwalt ließ die Sitzung daraufhin kurz unterbrechen. Er redete auf seinen Mandaten ein. Als es weiterging, erklärte auch der Richter, dass keine Sachverständigen vor Ort seien und eine Aussage am nächsten Termin möglich sei. Darauf einigte man sich schließlich.

Am Montag, 19. April, geht der Mordprozess weiter – dann sollen außerdem erste Zeugen vernommen werden.

Mord-Prozess in Fulda: Ex-Freund getöteter Ärztin ab heute vor Gericht

Update vom 15. April, 10.05 Uhr: Vor dem Landgericht Fulda herrschte am Donnerstagmorgen viel Rummel - auch Kamerateams überregionaler Medien traten den Weg nach Osthessen an. Zum Auftakt des Mord-Prozesses beantwortete Dominik Dute, stellvertretender Pressesprecher am Landgericht, Fragen der Journalisten. „Für den heutigen ersten Hauptverhandlungstag ist die Verlesung der Anklage angedacht. Mehr wird heute nicht passieren“, sagte Dute.

Dominik Dute, stellvertretender Pressesprecher am Landgericht Fulda, stellt sich den Fragen der Presse.

Erstmeldung vom 15. April, 6.51 Uhr: Fulda - Es ist Montagmorgen, der 7. Dezember 2020. Ein Zeuge findet in der Nikolausstraße mitten in der Fuldaer Innenstadt eine Frauenleiche – sie liegt im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses. Um kurz nach 8 Uhr rückt ein Großaufgebot der Polizei an.

Der Tatort wird mit rotweißem Flatterband abgesperrt. Bei der Toten handelt es sich um eine 35-Jährige, die in dem Mehrfamilienhaus wohnte. Die Polizei spricht zu diesem Zeitpunkt von Schnittverletzungen am Körper der Leiche. Staatsanwaltschaft Fulda und Kriminalpolizei ermitteln wegen eines Tötungsdelikts.

Im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses in der Fuldaer Innenstadt ist am 7. Dezember eine 35-jährige Frau getötet worden. Am Tatort wurden Spuren gesichert.

Am späten Vormittag – nur wenige Stunden nach der Tat – wird im Fuldaer Stadtgebiet ein Tatverdächtiger festgenommen. Unserer Zeitung wird bekannt, dass es sich bei der toten Frau um eine Ärztin des Herz-Jesu-Krankenhauses in Fulda handelt. Sie hinterlässt einen zweijährigen Sohn.

Einen Tag nach der Tat, am Dienstag, suchen Ermittler im Stadtgebiet nach der Tatwaffe. Doch bis heute fehlt davon jede Spur. Außerdem wird die Leiche obduziert. Am Mittwoch steht das Ergebnis fest: Die Ärztin ist durch eine Schnitt-/Stichverletzung gestorben. Sie hatte nur eine Verletzung – eine tiefe Wunde am Hals. Dienstagabend wird der 30-jährige Tatverdächtige einem Haftrichter vorgeführt. Seitdem sitzt er in U-Haft.

Video: Gedenken an Ärztin: Mahnwache auf dem Universitätsplatz in Fulda

Zwei Tage nach der Tat werden erschütternde Details bekannt: Der Tatverdächtige ist der Ex-Freund der Getöteten. Die Beziehung der beiden dauerte nicht einmal ein Jahr und sei „problembehaftet“ gewesen, erklärte Staatsanwältin Dr. Christine Seban unserer Zeitung. Die 35-Jährige habe sogar „mehrere Anzeigen“ gegen den 30-Jährigen erstattet, berichtet Seban. „Wegen Körperverletzung, wegen Beleidigung und wegen Nachstellung“ – weil er „die Trennung nicht akzeptierte“. Die Verfahren waren alle noch offen. Der Tatverdächtige ist zudem dreifach vorbestraft.

Die 35-Jährige und der 30-Jährige – beide rumänische Staatsangehörige – haben sich laut der Staatsanwältin im September oder Oktober 2020 getrennt. Das Paar habe nicht zusammengelebt und der Tatverdächtige ist auch nicht der Vater des hinterbliebenen Sohnes.

Eine Woche nach der Tat organisiert die Feministische Initiative Fulda eine Mahnwache gegen tödliche Gewalt an Frauen – 60 Menschen nehmen teil, um am Fuldaer Uniplatz der Opfer von Femiziden zu gedenken. Dieser Begriff wird verwendet, wenn Frauen Opfer tödlicher Gewalt werden, weil sie Frauen sind. Die getötete 35-Jährige aus Fulda war seit mehr als zehn Jahren im Herz-Jesu-Krankenhaus tätig. Geschäftsführer Michael Sammet erklärt, das gesamte Krankenhaus sei „tief betroffen von dem unfassbar tragischen Verlust unserer langjährigen Mitarbeiterin“. Mit ihrer freundlichen, offenen Art sei sie geschätzt worden; für viele sei sie eine Freundin gewesen. Das Krankenhaus ruft im März 2021 eine Spendenaktion ins Leben, um vor allem den kleinen Sohn finanziell zu unterstützen.

Mord-Prozess am Landgericht Fulda: 50 Zeugen sind geladen

Heute um 9.30 Uhr beginnt am Landgericht Fulda der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder. Der mittlerweile 31-jährige Angeklagte soll seine Ex-Freundin heimtückisch getötet haben.

Am frühen Morgen des Tattags soll er vor dem Krankenhaus auf die Frau gewartet haben und ihr anschließend mit dem Pkw bis nach Hause gefolgt sein, schreibt das Gericht. Nachdem sie im Hinterhof ihres Wohnhauses geparkt hatte und aus ihrem Fahrzeug ausgestiegen war, soll sie der Angeklagte mit einem scharfkantigen Gegenstand, vermutlich einem Messer, am Hals tödlich verletzt haben, was innerhalb weniger Minuten zum Tod geführt habe. Der Angeklagte schwieg bisher zu dem Tatvorwurf.

16 Verhandlungstermine sind angesetzt, 50 Zeugen sind geladen. Außerdem werden rechtsmedizinische und psychiatrische Sachverständige gehört. An dem Gerichtsprozess sind zwei Nebenkläger beteiligt: Der Ex-Ehemann der Getöteten, der der Vater des kleinen Sohnes ist, sowie die Mutter der Verstorbenen.

Rubriklistenbild: © Jessica Vey

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