Der Angeklagte im Fall der getöteten Ärztin wird in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt.
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Der 31-jährige Angeklagte wird immer in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt.

Fall der getöteten Ärztin

Mordprozess in Fulda: Blutspritzer an Sneakers als wichtiges Beweismittel - Zeugin revidiert Aussage

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Bislang sind im Mordprozess hauptsächlich Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen der getöteten Ärztin als Zeugen gehört worden. Am 1. Juli sagten Freunde des Angeklagten aus und zeichneten ein durchweg positives Bild.

Fulda - Krankhaft eifersüchtig, kontrollsüchtig, aggressiv – dieses Bild von dem 31-jährigen Rumänen ergab sich bislang aus gut 20 Zeugenaussagen aus dem Umfeld der Getöteten. Fröhlich, empfindsam und extrem loyal – so beschreiben ihn seine Freunde. Drei Kumpels im Alter zwischen 30 und 41 Jahren, die im Landkreis Fulda wohnen, machten am Donnerstag, 1. Juli, ihre Aussage. Am 30. Juni hatten Freundinnen der getöteten Ärztin ausgesagt.

Verteidiger Axel Küster aus Wiesbaden hatte dies beim Gericht beantragt. Zwei von ihnen sprachen Rumänisch, die Dolmetscherin übersetzte. Auf die Frage, ob sie eng mit ihm befreundet seien, betonen sie: „Mehr als das. Wie Brüder.“ Sie kennen sich teilweise schon aus der Kindheit in Rumänien. „Er ist ein fröhlicher Junge und jemand, auf den man sich verlassen kann. Er würde für seine Freunde und Bekannten den letzten Cent geben“, sagt der 41-Jährige über den Angeklagten, mit dessen Schwester er liiert ist.

Fulda: Freunde des Angeklagten sagen im Fall der getöteten Ärztin aus - und zeichnen positives Bild

Mit der 35-jährigen Ärztin habe der Angeklagte eine glückliche Beziehung geführt, schildert der Zeuge. „Er war sehr verliebt in sie und stand ihrem Kind sehr nahe.“ Der zweijährige Sohn habe ihn Papa genannt. Der 31-Jährige habe vorher viele Frauen gehabt, manchmal zwei Beziehungen kurz hintereinander. „Mit ihr war es die erste Beziehung, die wie Familie für ihn war“, berichtet der 41-Jährige. „Er hat ein schönes Verhalten gegenüber Frauen, sehr höflich, ein Gentleman.“

Die 35-jährige Ärztin und der 31-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt ohne Arbeit war, waren knapp ein Jahr ein Paar. „Was am Ende passiert ist, weiß ich nicht. Sie waren zusammen, dann wieder getrennt. Dann durfte er sich ihr nicht mehr nähern. Als sie eine OP hatte, rief sie ihn aber an und sagte: Ich brauche dich“, schildert der 41-Jährige und erklärt: „Ich hatte den Eindruck, dass sie mit ihm spielt. Und sie hat ihm das Gefühl gegeben, untergeordnet zu sein.“ Offenbar war es auch die erste, die mit ihm Schluss machte, sonst sei es in seinen Beziehungen immer andersherum gewesen.

Freunde bezeichnen den Angeklagten als „Gentleman“

Am Ende habe der 31-Jährige vermutet, dass seine Ex-Freundin einen anderen hat, erklärt der Zeuge. Ob er besonders eifersüchtig sei, fragt Richter Josef Richter einen der Kumpels, der sagt: „Nein, nicht besonders. Ganz normal.“ Auf Handgreiflichkeiten angesprochen, erklärt einer: „Davon weiß ich nichts. Ja, es hat mal gekriselt, aber niemals, dass er so etwas tun würde. Ich kann das nicht glauben“, betont der Zeuge und meint hierbei offenbar den Mord an der Ärztin.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Christian Knöchel will von den Zeugen wissen, ob der Angeklagte einmal erwähnt habe, dass er verfolgt werde. Der 31-Jährige hatte zum Prozessbeginn ausgiebig von Unbekannten berichtet, die ihn und die Ärztin verfolgt und bedroht hätten. Einer der Verfolger habe sie getötet, vermutete er, der den Tatvorwurf bestreitet. Von Verfolgern wissen sie nichts, sagen die Freunde.

Blutspritzer auf Schuhen - Zeugin revidiert ihre Aussage von der Polizeidienststelle

Auch die Ex-Partnerin seines Bruders wird befragt. In ihrer Wohnung in Fulda wurde der Angeklagte festgenommen. Die 28-Jährige betont, dass sie ihn nur ganz kurz gesehen habe, als er am Morgen des 7. Dezember in die Wohnung kam und in ein Schlafzimmer lief. Er sei müde, aber ansonsten „in einem ganz normalen Zustand“ gewesen. Sie habe weitergeschlafen, bis Polizisten kamen und den 31-Jährigen festnahmen. (Lesen Sie hier: Polizisten berichten von der Festnahme im Mordprozess der getöteten Ärztin)

Mehrfach angesprochen auf Schuhe und Jacke, die in der Wohnung gefunden wurden und mutmaßlich dem Angeklagten gehören, will sich die Zeugin nicht festlegen: „Ich weiß nichts über seine Kleidung.“ Richter Josef Richter zitiert ihre Polizeiaussage vom Dezember, in der sie bestätigt, dass die weißen Sneakers, die in der Wohnung gefunden wurden, die des Angeklagten waren. So habe sie das nicht gesagt, betont sie im Gerichtssaal. „Ich sagte, ich weiß es nicht“, beteuert sie. An den Schuhen und an der Jacke hatten die Ermittler Blutspritzer der Verstorbenen festgestellt.

Video: Prozess um getötete Ärztin in Fulda: Ex-Freund wegen Mordes vor Gericht

Auf die Fragen, ob er eifersüchtig sei und ob es Krisen in der Beziehung mit der Ärztin gegeben habe, sagt die Zeugin knapp: „Nein.“ Und auf die Frage, ob er sich in den Monaten vor dem 7. Dezember merkwürdig oder verändert verhalten habe, sagt sie: „Nein, auf keinen Fall.“

Die Verhandlung wird am 9. Juli um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann sollen das psychiatrische und das rechtsmedizinische Gutachten vorgestellt werden.

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