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Plädoyers im Mordprozess Neuenberg: Angeklagtem droht lebenslange Haft

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Von: Sarah Malkmus

Dem 38-jährigen Angeklagten im Mordprozess Neuenberg - hier beim Prozessauftakt - droht eine lebenslange Haftstrafe.
Dem 38-jährigen Angeklagten im Mordprozess Neuenberg - hier beim Prozessauftakt - droht eine lebenslange Haftstrafe. © Mediennetzwerk Hessen

Im Mordprozess Neuenberg sind am Samstag vor dem Landgericht Fulda die Plädoyers gehalten worden. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung gehen weit auseinander.

Fulda - Wenn es nach Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban geht, dann sei der 38-jährige Angeklagte, der seinen 41-jährigen Landsmann im Februar vergangenen Jahres aus Eifersucht erschossen haben soll, wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen. Seban verwies vor dem Landgericht Fulda auf zwei Mordmerkmale: Heimtücke und niedrige Beweggründe.

„Der Geschädigte saß völlig arglos in seinem Pkw, er hatte sich angeschnallt, die Zündung betätigt und die Heckscheibenheizung eingestellt und wollte wie immer zur Arbeit fahren“, sagte die Oberstaatsanwältin. Dadurch, dass er in dem engen Auto gesessen habe und zudem auch noch angeschnallt gewesen sei, sei er „absolut wehrlos“ gewesen, „was der Angeklagte auch bewusst zur Tatausübung ausgenutzt hat“.

Der Angeklagte habe überdies aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Er habe sich schwer gekränkt gefühlt, nachdem bei ihm der Verdacht aufgekommen sei, dass sein Freund, das spätere Opfer, auf eine Affäre mit seiner Ehefrau aus gewesen sein könnte. Als Motiv für die Tat nennt Seban die Wiederherstellung der Ehre und die Bekräftigung seines Herrschaftsanspruchs an.

Fulda: Mordprozess Neuenberg - Angeklagtem droht lebenslange Haft

Weiter stelle sich die Frage, ob der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat voll schuldfähig gewesen ist. „Ich finde das Gutachten des Sachverständigen Dr. Christian Knöchel überzeugend“, sagte Seban. Der Psychiater habe geschildert, keine sicheren Hinweise für das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung zu sehen.

Auch eine Affekttat schließt die Oberstaatsanwältin aus. So habe der Angeklagte etwa die Tatwaffe mitgenommen und sich unmittelbar nach der Tat vom Tatort entfernt. Eine schwere Erschütterung beim Angeklagten habe sich im Nachhinein nicht feststellen lassen. Zeugen hätten ihn „völlig normal“ und „ruhig“ und nicht „am Boden zerstört“ erlebt.

Auch Nebenkläger fordern lebenslange Haftstrafe

Rechtsanwalt Rudolf Karras, der am Samstag als Nebenklagevertreter der Ehefrau des Getöteten anwesend war, schloss sich den Ausführungen von Seban an: „Klar ist, dass der Angeklagte den Ehemann meiner Mandantin heimtückisch erschossen hat.“ Rechtsanwalt Ivo Hänel, Nebenklagevertreter eines Bruders des Getöteten, schloss sich ebenfalls den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. „Hier liegt ein Mord vor“, sagte er.

Rechtsanwalt Knut Hillebrand, der einen weiteren Bruder des Getöteten vertrat, konnte am Samstag nicht persönlich erscheinen. Er ließ sein Plädoyer von Kollege Rechtsanwalt Christian Celsen verlesen. „Der Angeklagte hat den Bruder meines Mandanten kaltblütig und heimtückisch ermordet“, hier es. Grund sei, dass er sich durch das von ihm unterstellte Verhältnis zwischen dem Getöteten und seiner Ehefrau in seiner Ehre gekränkt und seinem absoluten Herrschaftsanspruch über seine Ehefrau und seine Familie bedroht gesehen habe.

„Er hat aus Sicht des Nebenklägers nichts anderes getan, als den Bruder feige hinzurichten.“ Von einer vollen Schuldfähigkeit gehe Hillebrand aus. „Dem überzeugenden Gutachten von Dr. Knöchel ist nichts hinzuzufügen.“ Auch Hillenbrand forderte eine lebenslangen Freiheitsstrafe.

Mordprozess Neuenberg: Verteidigung plädiert auf Totschlag

Strafverteidiger Timm Rosin plädierte entgegen der Ausführungen der anderen Beteiligten nicht dafür, seinen Mandanten wegen Mordes zu verurteilen. Für ihn handele es sich um Totschlag im minderschweren Fall. Der Strafrahmen dafür liege zwischen einem und zehn Jahren Haft.

Für Rosin liegen keine Mordmerkmale vor: „Die Heimtücke ist nicht gegeben.“ Denn der Geschädigte sei nicht arglos gewesen, wehrlos möglicherweise. Man müsse davon ausgehen, dass es ein Gespräch zwischen den beiden Männern gegeben habe. Der Geschädigte hätte also damit rechnen können, dass etwas passiert. Auch niedrige Beweggründe sehe Rosin nicht als erfüllt an.

Ob sein Mandant eingeschränkt schuldfähig sei, könne er nicht sagen. „Der Sachverständige konnte es aber auch nicht sagen.“ Doch auch wenn die verminderte Schuldfähigkeit nicht als gegeben angesehen werde, könne etwa der „nachvollziehbare Zustand hoher Erregung“ die Minderschwere des Totschlags begründen. Diesen Zustand sehe er bei seinem Mandanten als erfüllt an. Den Tatverlauf habe dieser zuvor mit einem Karussell verglichen, das sich immer schneller gedreht habe, als das spätere Opfer ihn im Gespräch beleidigt und wütend gemacht habe.

In seinem letzten Wort erklärte der Angeklagte, dass es ihm Leid tue und dass er wünschte, es wäre nicht zu der Tat gekommen. Das Urteil wird am Montag, 7. März, um 12 Uhr gesprochen.

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