In den 16 Test-Stellen des DRK und des Klinikums – hier das Drive-In auf dem Messegelände in Fulda-Galerie – kostet der Corona-Test 13,50 Euro. Angesichts der sinkenden Nachfrage überlegt das DRK, ob man mittelfristig Stellen schließt.
+
In den 16 Test-Stellen des DRK und des Klinikums – hier das Drive-In auf dem Messegelände in Fulda-Galerie – kostet der Corona-Test 13,50 Euro. Angesichts der sinkenden Nachfrage überlegt das DRK, ob man mittelfristig Stellen schließt.

„Schüler verzerren das Bild“

Nach Ende der kostenlosen Corona-Tests: So hat sich die Nachfrage im Kreis Fulda entwickelt

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
    schließen

Seit fast zwei Wochen müssen Corona-Tests aus eigener Tasche bezahlt werden. Dies wirkt sich deutlich auf die Zahl der Testungen aus, berichten Apotheken und das DRK. Nach den Herbstferien könnte die Nachfrage noch stärker einbrechen. 

Fulda - Jeder konnte sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen – bis zum 11. Oktober. Vor knapp zwei Wochen hat die Bundesregierung den Geldhahn für kostenlose Corona-Tests zugedreht und dies damit begründet, dass ein Impfangebot für die Bevölkerung besteht.

In der St. Bonifatius Apotheke in der Bahnhofstraße in Fulda war die sinkende Nachfrage bereits mit der steigenden Impfquote spürbar. An Spitzentagen kamen 80 Menschen zum kostenlosen Testen – zuletzt waren es nur noch maximal um die 50. Seitdem die Corona-Tests kostenpflichtig geworden sind, gehen die Zahlen weiter zurück, berichtet Filialleiterin Sabine Pappert. Wenn man den 11. Oktober – also den ersten Tag der Kostenpflicht – mit dem Montag der Vorwoche vergleicht, dann ist die Zahl von 31 Tests auf nur noch 13 zurückgegangen, und hat sich demnach um fast zwei Drittel, also um gut 60 Prozent, reduziert, sagt sie.

Fulda: Bricht die Nachfrage nach Corona-Tests ein? Schüler verzerren das Bild

Zum Wochenende hin – donnerstags bis samstags – ist die Nachfrage nach Corona-Tests am höchsten. Dann wollen viele ein Restaurant oder eine Veranstaltung besuchen. Alle, die nicht geimpft oder genesen sind, brauchen dafür einen Test. Auch hier war die Zahl am Freitag im Vergleich zur Vorwoche von 46 auf 30 Schnelltests zurückgegangen, erklärt Pappert.

Ein Schnelltest in Fulda kostet fast überall 13,50 Euro, nur an einzelnen Stellen ist das Testen mit 15 beziehungsweise 20 Euro etwas teurer. Mancher kann das Angebot immer noch wahrnehmen, ohne bezahlen zu müssen. Dazu gehören Kinder und Jugendliche, die noch nicht volljährig sind. Sie können noch bis Ende des Jahres mindestens einmal wöchentlich einen Bürgertest machen lassen, ohne zu zahlen. (Lesen Sie hier: Viele Corona-Tests zum Wochenende: Das sind laut Apothekern die häufigsten Gründe)

Weil Schülerinnen und Schüler aktuell in den Ferien nicht in der Schule getestet werden, nutzen sie das für sie kostenlose Angebot in Apotheken und Testzentren. „Die Jugendlichen haben in der ersten Ferienwoche sogar gut die Hälfte der Getesteten ausgemacht“, betont Pappert.

Machen die Corona-Testzentren in Fulda bald dicht? Das sagen die Apotheker

Das kann auch Christoph Schwab, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Fulda, bestätigen. Das DRK betreibt zusammen mit dem Klinikum 16 Test-Stationen in der Region. Auch er spricht von einem „erwartungsgemäß spürbaren Rückgang“ bei der Nachfrage nach Corona-Tests. Doch die Schüler „verzerren aktuell das Bild“, so Schwab. Denn wenn sich die Jugendlichen ab kommender Woche wieder in der Schule testen lassen, werden die Zahlen möglicherweise noch deutlicher einbrechen. In den DRK-Teststellen sei die Nachfrage seit der Kostenpflicht um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Ausnahmen

Wer mit Symptomen zum Arzt geht, muss den Test nach wie vor nicht zahlen. Gleiches gilt für Kinder unter zwölf Jahren und noch bis 31. Dezember für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sowie für schwangere und stillende Frauen. Auch Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, bekommen einen kostenlosen Test – müssen aber einen Nachweis vorzeigen können.

Kostenlos bleibt es auch für Menschen, die zum Beenden einer Quarantäne wegen einer Corona-Infektion einen Test brauchen.

Die Kostenpflicht gilt demnach für Bürger, die nicht geimpft oder genesen sind und eine Veranstaltung oder eine Einrichtung besuchen wollen, wo die 3G-Regeln gelten. Im Hintergrund steht die Hoffnung, dass die Impfbereitschaft steigen könnte.

Wie geht es also weiter mit den Testzentren – haben sie bald ausgedient? „Wir machen auf keinen Fall alles sofort zu“, betont Schwab. Aber: „Wenn der Bedarf nach Testungen nicht mehr da ist, werden wir Zeiten verkürzen, Tage streichen und eventuell Teststellen zusammenlegen – so dass wir beispielsweise im Ulstertal nicht mehr zwei, sondern nur noch eine Stelle bedienen.“

Video: Corona-Schnelltests kosten ab sofort Geld: Preise, Ausnahmen und Kritik

Auch Christian Wetterich von der Rosenapotheke in der Frankfurter Straße in Fulda erklärt: „Wenn es sich nicht mehr rentiert, wird man das Angebot auch nicht mehr machen.“ Aber man müsse erst einmal abwarten, wie sich die Nachfrage nach Schnelltests entwickelt. In seiner Apotheke waren jetzt in den Ferien vor allem PCR-Tests – die dort 90 Euro kosten – stark nachgefragt, weil man diese fürs Reisen brauche. (Lesen Sie hier: Einlasskontrollen und Schnelltests - So Plant die Hochschule Fulda ihr Wintersemester)

Und wie steht es um die Akzeptanz in der Bevölkerung, dass man die Tests nun aus der eigenen Tasche zahlen muss? Hier berichten die Anbieter überwiegend von verständnisvollen Kunden. DRK-Chef Schwab sagt: „Es gibt immer mal unschöne Situationen, wenn unser Personal angepöbelt wird und Grundsatz-Diskussionen geführt werden. Aber das sind Gott sei Dank Einzelfälle.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema